
Seit 1999 gibt es im Delitzscher Norden das Jugendhaus YOZ (Youth only Zone). Ein Aushängeschild nicht nur für die Stadt, sondern auch für den Landkreis Nordsachsen. Im Haus befinden sich verschiedene Räume, in denen Kinder und Jugendliche zusammenkommen, Freunde treffen, aktiv sein oder auch mal entspannen können. Zudem gibt es ein Musikstudio und ganz neu einen Dartraum.
Ein Haus mit vielen Möglichkeiten
Das Außengelände ist wirklich bemerkenswert: Hier warten zwei Sportplätze – nutzbar für Ballsportarten wie Handball oder Volleyball – und ein Beachvolleyballplatz. Zudem führt eine Geländestrecke rund ums YOZ, die die Kids immer wieder neu bauen und verändern, mit Huckelpisten bis zu Steilkurven. Außerdem gibt es einen Fahrradparcours, den die Verkehrswacht jährlich nutzt, damit die Kinder ihren Fahrradführerschein machen können.

Und das YOZ verfügt über einen eigenen Skaterpark. „So ein Haus mit 18 000 Quadratmetern Außenfläche gibt es nicht noch einmal“, betont Olaf Quinque, Leiter des Jugendhauses. Kein Wunder also, dass hier Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus Delitzsch und dem Umland regelmäßig zu Gast sind.
Wie an diesem warmen Freitag im März. Die Kids sind mit ihren Skateboards auf den Rampen unterwegs, feuern sich gegenseitig an, wetteifern um den größten Applaus. Andere chillen auf den Ledersesseln im Haus und zeigen sich gegenseitig die TikTok Highlights des Tages. An der Theke steht Roy Philipp und unterhält sich gerade mit zwei Jungs, die auf ihre Cola warten.
Vom Mediengestalter zum Sozialarbeiter
Roy Philipp unterstützt seit Mai vergangenen Jahres das Team im Jugendhaus. Dass er sich einmal der sozialen Arbeit widmen würde, kommt nicht von ungefähr. „Ich hatte schon immer den Wunsch, soziale Dinge zu tun, habe für die Probleme anderer ein offenes Ohr und helfe, wo ich kann“, sagt er.
Dennoch ergab sich nach der Schule zunächst eine andere Möglichkeit, ins Arbeitsleben zu starten, und so machte er eine Ausbildung zur Mediengestaltung. Seit 2000 arbeitete er in diesem Bereich in Hamburg, zwölf davon freiberuflich. Dann kam Corona. „Von heute auf morgen sind mir Aufträge weggebrochen und ich stand da und wusste nicht, wie es weitergeht.“
Das war für ihn der Zeitpunkt, neue Wege einzuschlagen. Er kehrte in seine Heimat, ins Erzgebirge, zurück und studierte im Fernstudium Soziale Arbeit. Erfahrungen sammelte er in Leipzig bei Projekten des Deutschen Kinderschutzbundes sowie im offenen Treff der Heilsarmee. Als das YOZ einen neuen Sozialpädagogen suchte, hat sich Roy Philipp sofort beworben. „Die Arbeit im offenen Treff der Heilsarmee in Leipzig-Paunsdorf hat mir gefallen, und daher konnte ich mir Delitzsch sehr gut vorstellen.“
„Du musst echt sein“
Und doch war er auch überrascht. „Das YOZ ist wirklich groß und hier kommen weit mehr Kinder hin. Aber die Probleme sind dieselben wie in Paunsdorf“, weiß er. Themen seien Konflikte in der Familie oder mit Freunden, Liebeskummer, Einsamkeit, schulische oder berufliche Hilfe, Selbstverletzung oder Fragen zur persönlichen Entwicklung. Wie man da genau reagiert, sei je nach Situation unterschiedlich. „Du musst gut zuhören, empathisch, geduldig und ruhig sein. Vor allem aber musst du echt sein, authentisch. Die Kinder würden schnell mitbekommen, wenn du nur eine Rolle spielst“, erklärt er.
Aufgaben mit Herz und Haltung
Wenn man ihn fragt, was genau seine Aufgaben sind, sagt er lachend: „Da habe ich ganz viele.“ Doch es gebe eine, die besonders wichtig ist: „Meine Hauptaufgabe sehe ich in der Begleitung der Jugendlichen hier, insbesondere der Kids bis 14 Jahre.“

Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, muss er eine Bindung zu ihnen aufbauen. Das erfordere echtes Fingerspitzengefühl. „Du musst die Kids beobachten und herausfinden, wie ihre Lebenswelt funktioniert und was sie brauchen“, erklärt der 47 Jährige. Dafür eigne sich hervorragend die Theke im YOZ. „Sie ist ein methodisches Tool und fungiert als niederschwelliges Kommunikationselement. Hier bekomme ich viele Infos von den Kids.“
Verschiedene Ferien- und Freizeitangebote
Zudem stellt Roy Philipp verschiedene Ferien- und Freizeitangebote für die Jungs und Mädels auf die Beine, wie zum Beispiel Ausflüge, kreative Nachmittage oder Turniere. Damit können die Kids im YOZ einen ganzen Tag ohne Langeweile verbringen – mit sportlichen Aktivitäten, aber auch mit ruhigen Momenten.
„Und ich möchte, dass die Kids im YOZ so sein können, wie sie sind, erwarte aber auch die Einhaltung von Regeln“, sagt er. „Und es wäre schön, wenn mehr miteinander, statt übereinander geredet wird, dass sie einander mit Respekt begegnen, Interesse für den gegenüber entwickeln und Verantwortung füreinander übernehmen.“ Ein Ansatz, der sehr gut funktioniert – der aber auch herausfordernd ist.
Voller Betrieb im YOZ
Rund 60 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene kommen täglich ins YOZ, im Sommer sogar bis zu 100. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 12 bis 20 Uhr und samstags von 13 bis 20 Uhr. „Jeder Tag ist anders, und was gestern geklappt hat, muss heute nicht funktionieren. Trotzdem macht es viel Spaß, mit den Kids zu arbeiten.“ Er ist dankbar, dass sich in so kurzer Zeit viele ihm gegenüber geöffnet haben und sich Vertrautheit entwickeln konnte.
„Die Kids geben mir Kraft“
Einen Ausgleich an emotional herausfordernden Tagen braucht er nicht. „Warum auch, die Kids geben mir Kraft. Wenn man sieht, wie sie lernen, wie sich Teamgefüge mit Leuten bilden, die sich sonst aus dem Weg gehen, dann weiß ich, dass meine Arbeit nachwirkt.“
Noch ein paar Wochen bleibt Roy Philipp den Kindern und Jugendlichen im YOZ erhalten. In dieser Zeit will er weiter Beziehungen stärken und ihnen Mut machen. Vieles von dem, was sie gemeinsam aufgebaut haben, wird bleiben. Nannette Hoffmann


































