
Manchmal will man es ganz genau wissen – wenn es um die eigene Familiengeschichte geht beispielsweise. Oder um die Historie von Städten wie Pegau. Oder um Details der Arbeit des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler im 20. Jahrhundert. Dann bietet sich der Gang ins Archiv an. Genauer gesagt in das Sächsische Staatsarchiv in Leipzig. Denn dort finden sich entsprechende Dokumente, wie Archivleiterin Dr. Thekla Kluttig erklärt.
Mehr als 23 Kilometer an Akten werden verwahrt
Man sieht es dem – ziemlich modernen – Gebäude in Paunsdorf von außen nicht an: Aber hier lagern Dokumente über Dokumente. Mehr als 23 Kilometer Akten werden hier verwahrt. 1,1 Millionen Fotos. Rund 22000 Tonträger, Videos und Filme. Und dazu eine stetig wachsende Zahl an Digitalisaten – sprich digitalisierten Dokumenten, die dann auch online eingesehen werden können.
Der Bestand wächst und wächst und wächst: Denn es ist die Aufgabe des Sächsischen Staatsarchivs in Leipzig, „die Archivierung von Unterlagen der Behörden, Gerichte und sonstigen öffentlichen Stellen in Nordwest-Sachsen“ zu übernehmen – zudem ist es das „Sicherungsregister der unteren Standesamtsaufsichtsbehörden im Freistaat Sachsen“. So lautet die Eigenbeschreibung der aktuellen Zuständigkeit jener Einrichtung, die ein wichtiger Teil des Sächsischen Staatsarchives ist.
Aufbewahren für die Zukunft
Nun ist das Aufbewahren für die Zukunft die eine Sache. Eine viel wichtigere Sache hebt Dr. Thekla Kluttig hervor: „Wir bewahren für eine Zukunft, in der diese Dokumente dann auch genutzt werden. Die Menschen sollen etwas haben von unserer Arbeit – ebenso wie die Wissenschaft und die Forschung.“ Was sich zunächst eher theoretisch anhört, offenbart bei näherem Hinsehen eine ziemlich praktische und spannende Dimension:
Denn eines ist klar: „Wir sind die Hüter authentischer Quellen. Und bei uns kann man recherchieren, was hier passiert ist.“. Und so verbergen sich hinter den Mauern des Hauses wahre Schätze – sowohl für Forschende als auch – nun ja – ganz normale Leute.
Archiv des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler
Das hat etwas mit dem hochinteressanten Bestand zu tun: Da ist zum Beispiel das bereits erwähnte Archiv des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler Leipzig – das ist eine wahre Fundgrube für die Buchwissenschaft. Die Musikwissenschaft merkte im Dezember 2025 auf, als das Sächsische Staatsarchiv in Leipzig verkündete, mehr als 450 000 Briefe des weltbekannten Musikverlags Breitkopf & Härtel digitalisiert zu haben.

Steht an der Spitze vom Sächsischen Staatsarchiv in Leipzig: Dr. Thekla Kluttig. Foto: Swen Reichhold
Dazu kommen Dokumente der kommunalen Archive von Städten in Nord-West-Sachsen wie zum Beispiel Delitzsch, Pegau oder Wurzen, die einst zu DDR-Zeiten zentral zusammengefasst wurden. Und dann ist da noch ein ganz besonderer Schatz: Das Archiv der Deutschen Zentralstelle für Genealogie (DZfG).
Fragen nach der eigenen Familiengeschichte
Auch dies klingt wieder nüchtern. Ist aber eine höchst bewegende Angelegenheit, denn genau hier finden Interessierte die Antworten auf Fragen nach der eigenen Familiengeschichte. In den Kirchenbücher und Ahnenlisten, in den Personenkarteien und Ortsfamilienbüchern, die in Leipzig verwahrt werden. „Wir haben den Eindruck, dass sich wieder mehr Menschen mit ihrer Familiengeschichte befassen.
Diesen Schluss lässt das hohe Niveau von entsprechenden Anfragen zu“, erklärt die Archivleiterin und ergänzt: „Besonders auffällig: In den letzten Jahren haben wir festgestellt, dass mehr Anfragen von Leuten kommen, die sich mit der eigenen Familiengeschichte im Nationalsozialismus beschäftigen.“
Das Recht auf die Archiv-Recherche
Womit man beim Thema Nutzung des Sächsischen Staatsarchivs wäre und da gilt nicht nur für Leipzig, sondern auch die Häuser in Dresden, Chemnitz, Freiberg oder Bautzen: Es gilt ein allgemeines Benutzungsrecht. Und zwar für die Nutzung und die Recherche vor Ort gebührenfrei. Dafür gibt es natürlich einen Lesesaal in Paunsdorf.
„Inzwischen kann man aber auch aus der Ferne sehen, was in unseren Archiven zu finden ist“, verweist Dr. Thekla Kluttig auf die Möglichkeit der Online-Recherche. Und macht da einen wichtigen Punkt: „Man kann beispielsweise zunächst online herausfinden, was überhaupt an Dokumenten zu dem entsprechenden Thema vorhanden ist.“
Wie funktionieren Archive überhaupt?
Was wiederum zu einer entscheidenden Frage führt – wie funktionieren Archive überhaupt? Oder besser gesagt: Wie findet man in mehr als 23 Akten-Kilometern oder vielen Gigabyte digitalisierter Daten genau dieses eine Dokument, das die eigene Familiengeschichte beleuchtet? Klar, da gibt es Beratungsbedarf – und den versucht man im Sächsischen Staatsarchiv Leipzig mit Online-Einführungen zu decken.
„Es gibt ja grundlegende Prinzipien, wie Archive organisiert sind und es lohnt sich, diese zumindest einmal kennengelernt zu haben“, sagt die Archivleiterin und ergänzt: „Außerdem bekommt man einen Überblick über Methoden der systematischen Suche.“
Bei Fragen – immer Fragen!
Wobei eines grundsätzlich gilt: Fragen hilft. Immer. „Wenn man ein Anliegen hat, einfach mal eine E-Mail schreiben“, ermutigt Dr. Thekla Kluttig. Denn Fragen und darauf passende Antworten rund um das Sächsische Staatsarchiv in Leipzig gibt es noch jede Menge (ja, man kann beispielsweise im Lesesaal Dokumente fotografieren, „wenn kein Datenschutz darauf liegt“ oder ja, die Digitalisierung des Bestandes wird weiter vorangetrieben). Und dann gibt es zum Schluss noch einen Tipp: Am 7. März ist Tag der Archive – und das Haus in Paunsdorf lädt ebenfalls ein zu Führungen, Mitmach-Angeboten und Vorträgen. Jens Wagner































