Sie erlebten eine der Leipziger Geschichten des Jahres 2025: Professor Ulrich Thome mit Chiara Mannsfeld und Jannik Knoche sowie den Zwillingen Wilma (l.) und Marle auf der Frühgeborenenstation des UKL. Foto: UKL / Rico Thumser
Sie erlebten eine der Leipziger Geschichten des Jahres 2025: Professor Ulrich Thome mit Chiara Mannsfeld und Jannik Knoche sowie den Zwillingen Wilma (l.) und Marle auf der Frühgeborenenstation des UKL. Foto: UKL / Rico Thumser

Es ist eine der wunderbaren Leipziger Geschichten des Jahres 2025: Als sie am 30. Juli 2025 auf die Welt kam, war die kleine Wilma kaum so groß wie eine Hand und wog nur 400 Gramm. Sie gehört damit zu den extremen Frühgeborenen, die am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) versorgt werden.

Trotz einiger Rückschläge und vieler banger Momente gelang es dem Team der UKL-Neonatologie um Professor Ulrich Thome, den Zustand des Kindes zunächst zu stabilisieren und anschließend dafür zu sorgen, dass sich Wilma jeden Tag ein Stück mehr in Richtung Normalität entwickelt.

Die große Freude über Zwillinge

Als sich Ende vergangenen Jahres bei Chiara Mannsfeld und Jannik Knoche Nachwuchs ankündigte, war die Freude groß – umso mehr, als bald feststand, dass sich die Familie mit Zwillingen gleich doppelt vergrößern würde. Nach etwa vier Monaten wurde aber deutlich, dass die Entwicklung eines der beiden eineiigen Föten nicht planmäßig verläuft.

Eine Untersuchung in der 24. Schwangerschaftswoche gab dann Anlass zu großer Besorgnis: Eines der beiden Kinder, die kleine Wilma, war deutlich entwicklungsverzögert und hatte außerdem kaum noch Fruchtwasser zur Verfügung. „Von diesem Zeitpunkt an waren wir alle vier Tage zur Kontrolle“, berichtet Chiara Mannsfeld.

Als schließlich in der 27. Schwangerschaftswoche Wilmas Herztöne schwächer wurden, entschieden die Spezialisten der UKL-Neonatologie, sie und ihre Schwester Marle vorzeitig per Kaiserschnitt zu entbinden. „Da sich Marle normal entwickelt hatte, ging es für uns darum, den optimalen Zeitpunkt der Entbindung zu finden – um Wilma das Leben zu retten und gleichzeitig Marle so viel Zeit wie möglich zur Reife innerhalb des mütterlichen Körpers zu geben“, beschreibt Professor Ulrich Thome, Leiter der Abteilung Neonatologie am UKL.

Schwester Wilma wog nur 400 Gramm

Am 30. Juli war es schließlich soweit: Mit einem Geburtsgewicht von nur 970 Gramm wurde Marle entbunden, was ungefähr dem Normalgewicht zu diesem Zeitpunkt der Schwangerschaft entsprach. Ihre Schwester Wilma wog hingegen nur 400 Gramm. „Bei so kleinen Frühchen kommt es aufgrund der massiven Entwicklungsverzögerung zu typischen Komplikationen wie einem multiplen Versagen lebenswichtiger Organe wie Darm, Lunge oder Nieren“, sagt Professor Ulrich Thome.

Um extreme Frühchen wie Wilma, die weniger als 1250 Gramm wiegen oder vor der 29. Schwangerschaftswoche geboren werden, überhaupt behandeln zu dürfen, müssen Kliniken wie das UKL als sogenanntes Perinatalzentrum Level 1, also als Zentrum der höchsten Versorgungsstufe, bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Neben einer auf Frühgeborene spezialisierten Intensivstation und hochleistungsfähiger Beatmungs- und Überwachungsverfahren für unreife Organe zählt dazu auch eine enge Beteiligung der Eltern, Frühförderung und die interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Zeit voller Sorgen und Ungewissheit

Bei Wilma war die Atmung, konkret das Ingangsetzen der Lungenfunktion, überlebenswichtig. Da sie anfangs zu schwach war, um allein zu atmen, wurde ihr in den ersten fünf Lebenswochen Sauerstoff per Intubation zugeführt – so lange, bis ihr die ersten Atemzüge aus eigenem Antrieb gelangen. Weitere Operationen mussten folgen – für die Eltern ist dies eine Zeit voller Sorgen und Ungewissheit. „Jeden Abend, wenn ich die Klinik verlassen habe, habe mich von meiner Tochter verabschiedet“, sagt Chiara Mannsfeld rückblickend. Aber die kleine Wilma kämpft und macht Fortschritte.

Inzwischen wiegt „Wilma Wunder“, wie sie von ihren Eltern genannt wird, 3250 Gramm. Marle war am 29. Oktober, dem errechneten Geburtstermin der beiden Mädchen, mit einem Gewicht von 3200 Gramm nach Hause entlassen worden. Wenn sie ihre Schwester jetzt in der Klinik besucht, liegen beide Babys nebeneinander, strampeln und lernen sich nach ihrem außergewöhnlichen Start ins Leben nun allmählich näher kennen.

Dies ist das nächste Ziel

Nach wie vor benötigt Wilma Unterstützung beim Atmen, da ihre Lunge noch nicht voll ausgereift ist. Nächstes Ziel ist es, die Zeiten am Atemunterstützungsgerät schrittweise zu reduzieren – bis sie eines Tages in der Lage sein wird, selbstständig zu atmen. Wie lange das noch dauern wird, ist noch nicht genau absehbar. Chiara Mannsfeld und Jannik Knoche blicken voraus: „Das Wichtigste für uns ist im Moment, dass Wilma weiter so gute Fortschritte macht und wir dann in diesem Jahr mit unseren Kindern unser erstes ‚richtiges‘ Weihnachten feiern können.“ red.

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