Wilder Osten: Neuer Verein bringt Eilenburg-Ost zusammen

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Premiere geglückt: Senioren trafen sich Ende Juli zum gemeinsamen
Premiere geglückt: Senioren trafen sich Ende Juli zum gemeinsamen "Kaffeeklatsch im Grünen". Foto: privat

In der Windmühlenstraße 12a ist es jetzt wieder etwas ruhiger geworden. Im Juli wuselten 57 Kinder und 25 Betreuerinnen und Betreuer eine Woche lang über das Grundstück rund um das Stadtteilzentrum JuST und bauten sich ihre eigene Stadt der Zukunft. Das Kooperationsprojekt zwischen dem DRK Eilenburg und dem Diakonischen Werk Delitzsch/Eilenburg ist in den vergangenen Jahren unter der Leitung von Conny Plescher stetig gewachsen und äußerst beliebt.

Nun herrscht im Haus wieder der normale Besuchsverkehr. Kinder und Jugendliche, die vorbeikommen, verbringen hier ihre Sommerferien ganz entspannt – mit Angeboten zur Begegnung, zum Ausprobieren und für eigene Ideen. Fachkräfte begleiten sie, hören zu und unterstützen sie auf vielfältige Weise. Seit 2005 schenkt das Stadtteilzentrum in Trägerschaft des DRK Eilenburg jungen Menschen Raum, Zeit und Geduld.

Ein Verein für das Miteinander

„Das Stadtteilzentrum JuST ist ein Ort für alle jungen Menschen, die ihre Freizeit aktiv und kreativ gestalten möchten. Bei uns ist immer etwas los“, sagt André Steinert, Sozialarbeiter im JuST. „Weil wir viele Ideen haben, Projekte umsetzen und auf ein starkes Netzwerk bauen, wollten wir einen Verein gründen, der Eilenburg-Ost und das Miteinander im Stadtteil unterstützt“, erklärt er.

Beim Kidszauber im Stadtteilzentrum Just gibt es für Groß und Klein vielfältige Unterhaltung. Foto: privat
Beim Kidszauber im Stadtteilzentrum Just gibt es für Groß und Klein vielfältige Unterhaltung. Foto: privat

Die Idee stieß 2024 im Team des Stadtteilzentrums und bei vielen Partnern auf offene Ohren. „Ein Verein bietet einfach bessere Möglichkeiten, Fördergelder zu beantragen und Spenden einzusammeln. Damit können wir mehr Projektarbeit für den Stadtteil umsetzen“, erklärt Michelle Gröper, die im JuST für die Jugendberatung in Trägerschaft des Diakonischen Werks Delitzsch/Eilenburg verantwortlich ist. Am 6. Mai 2025 war es so weit: Der Verein „Wilder Osten“ wurde gegründet. André Steinert übernahm den Vereinsvorsitz, Michelle Gröper wurde Schatzmeisterin.

Die Menschen im Stadtteil einbeziehen

Der Anfang war damit gemacht. Nun galt es, den Verein im Stadtteil bekannt zu machen. Bei einem Wander-Café stellte sich der Verein vor und fragte zugleich nach den Wünschen der Menschen im Stadtteil. Dabei entstand auch die Idee für ein Seniorencafé. „Die Kinder und Jugendlichen haben das JuST, aber ältere Menschen müssen oft erst in die Innenstadt fahren, um Angebote für sie zu finden“, weiß die Schatzmeisterin.

Der Suppen-Samstag als Treffpunkt

Auch der beliebte Suppen-Samstag kann nun sicherer finanziert werden. „Das Angebot haben vor drei Jahren zwei Frauen – den Suppenhühnern – ins Leben gerufen“, berichtet André Steinert. Alle zwei bis drei Wochen wird im Gemeinschaftsgarten des „Wilden Osten“ eine lange Tafel aufgebaut und zum Essen eingeladen. „Jeder, der mag, kommt vorbei und kann die Mittagszeit in gemütlicher Atmosphäre verbringen – begleitet von großartigen Gesprächen, netten Menschen und gutem Essen.“

Was als kleines Angebot begann, ist inzwischen ein fester Treffpunkt mit treuer Stammkundschaft. Bei schönem Wetter werden bis zu 120 Portionen ausgegeben. „Und zur Weihnachtsausgabe gibt es Gulasch, Rotkraut und Klöße“, sagt André Steinert.

Die Suppen-Samstage sind ein beliebter Treffpunkt. Hier kommen Jung und Alt zusammen und verbringen die Mittagszeit in gemütlicher Atmosphäre und bei netten Gesprächen. Foto: privat
Die Suppen-Samstage sind ein beliebter Treffpunkt. Hier kommen Jung und Alt zusammen und verbringen die Mittagszeit in gemütlicher Atmosphäre und bei netten Gesprächen. Foto: privat

Die Idee dahinter ist einfach und schön zugleich: Menschen kommen ungezwungen zusammen, unterhalten sich, erfahren etwas über ihre Nachbarn und ihren Stadtteil und sind weniger allein. „Wir bringen hier soziale Schichten, Jung und Alt an einen Tisch. Hier wird Begegnung und Miteinander wirklich gelebt“, betont André Steinert. So können Ängste und Vorurteile abgebaut und Nachbarschaftshilfe gestärkt werden.

Immer wieder neue Ideen

Nach der Sommerpause startet der Suppen-Samstag am 22. August wieder. „Diesen Tag verbinden wir mit einem Sommerfest“, blickt Steinert voraus. Geplant sind Spiel- und Mitmachaktionen für Kinder, kreative Angebote, Leckeres vom Grill, kühle Getränke, Kinderschminken, Hüpfburg und weitere Überraschungen für Groß und Klein.

Drei Wochen später, am 12. September, wird der Suppen-Samstag mit einem Umwelttag verbunden. Zum 12. Mal findet er in Kooperation mit der Firma Remondis Eilenburg statt. „Zweimal im Jahr sammeln wir Müll im Stadtteil ein und die Firma entsorgt ihn kostenlos“, berichtet Michelle Gröper.

Der Wilde Osten hat das Projekt inzwischen ausgeweitet. Unter dem Motto „Sauber bleibt schöner“ sollen Kinder und Jugendliche für Umwelt- und Naturschutz sensibilisiert und aktiv an der Verschönerung ihres Wohnumfeldes beteiligt werden. „Jetzt sammeln die Jugendhäuser und Jugendeinrichtungen aus Eilenburg zusammen mit ihren Besucherinnen und Besuchern Wertstoffe sowie achtlos weggeworfenen Müll auf ihren Geländen und im näheren Umfeld“, so Steinert. Dafür stellt Remondis in den Vierteln Container bereit.

„Kidszauber“ in der Vorweihnachtszeit

In der Vorweihnachtszeit verwandelt sich das JuST an einem Tag zum „Kidszauber“. Dann können Groß und Klein etwa Weihnachtsbaumschmuck oder Gestecke basteln, Plätzchen backen oder Kekshäuser bauen. Ein Höhepunkt ist die Waffelbäckerei von Frau Thoss. „Draußen am Lagerfeuer können sich die Eltern unterhalten und mal Zeit für sich nehmen“, sagt Gröper. Als krönenden Abschluss gibt es am Abend noch eine Feuer- und Zaubershow.

Der Verein verbindet die Suppen-Samstage bewusst mit saisonalen Aktionen. „Wir wollen natürlich auch ganz viele Menschen in unseren Gemeinschaftsgarten holen, denn der ist offen für den ganzen Stadtteil“, sagt Steinert. Deshalb gab es dort schon eine Pflanzentauschbörse, einen Kleiderbasar oder Kürbisschnitzen an Halloween. Ziel ist es, im Garten einen Nachbarschaftstreff zu installieren – „dafür wollen wir noch einen überdachten Freisitz schaffen“, sagt Steinert. Doch solche größeren Vorhaben brauchen Zeit.

Begegnung im Gemeinschaftsgarten

Im Verein haben sich 19 Menschen zusammengeschlossen, jeder bringt eigene Fähigkeiten und Fertigkeiten mit ein. So wie Angela Richter alias „die Wilde Linde“. Sie betreut den Gemeinschaftsgarten. Dort wurden mit Kindern Kartoffeln und Erdbeeren gepflanzt, Obstbäume und Sträucher gesetzt. Es gibt eine gemütliche Loungeecke, und Kinder haben bunte Tiere aus Holz kreiert, ein Sandarium angelegt oder einen Barfußpfad gebaut. „Ich möchte den Kindern einen achtsamen und nachhaltigen Umgang mit der Natur, ihren Geschöpfen, aber auch mit uns selbst vermitteln. Und das geht am besten durch eigenes Erleben und Wahrnehmen“, sagt sie.

Neue Lebendigkeit für Eilenburg-Ost

In Eilenburg-Ost habe man manchmal das Gefühl, dass die Mulde wie eine Grenze wirke. Früher habe es mehr Läden und Angebote gegeben, man habe durch den Stadtteil flanieren und sich treffen können. Dorthin möchte der Wilde Osten wieder ein Stück zurück. „Mit unseren Angeboten machen wir den Anfang. Viele Familien kommen zu uns und freuen sich, mal rauszukommen aus dem eigenen Alltag.“

Alle Angebote sind kostenlos. Möglich macht das ein großes Netzwerk an Partnern und Unterstützern – wie die Firma MPN die den Verein von Anfang an bei allen Projekten sehr hilft. „Für alles brauchst du Menschen, die für die Idee oder das Projekt brennen“, sagt Steinert. „Wir im Verein leben den Wilden Osten und wollen noch mehr bewegen für den Stadtteil.“ Und Michelle Gröper ergänzt: „Wir schaffen Raum für Begegnung, fördern den Zusammenhalt und setzen uns für ein lebenswertes Miteinander im Stadtteil ein.“

An Ideen mangelt es den Vereinsmitgliedern nicht. „Wir sind ja auch noch jung“, sagt Steinert. Doch der Verein „Wilder Osten“ zeigt schon jetzt, wie viel aus gemeinsamer Initiative entstehen kann: Orte der Begegnung, neue Angebote und ein lebendiges Miteinander im Stadtteil. Nannette Hoffmann

Mehr Infos unter www.wilderosten-eilenburg.de

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