
Zusammen strickt man weniger allein – unter diesem Motto haben sich vier Frauen in Delitzsch zusammengefunden. Sie teilen ihr Hobby und wollen gleichzeitig Gutes tun.
Einmal im Monat treffen sie sich im Geschäft „natürlich handgemacht“ von Anja Weidenhammer in der Eilenburger Straße 7. Dann klappern die Nadeln: Gemeinsam stricken sie für einen Weltrekord.
Rekordjagd mit Sinn
Zu knacken gilt es den aktuellen Rekord von 35.500 selbstgestrickten Socken an einer Wäscheleine. Die Idee dazu hatten Buchhändlerin Miriam Cahannes, Veronika Hug, Susanne Oswald und Bernd Oswald. Beim Swiss Yarn Festival – dem größten Woll- und Garnfestival der Schweiz – ließen sie im vergangenen Jahr ihren Gedanken freien Lauf.
Schnell war ihnen klar: Es soll nicht nur um den Rekord gehen, sondern auch um Hilfe für Bedürftige. Die Socken sollen an obdachlose Menschen gespendet werden. „Wir wollen einen Weltrekord aufstellen und damit Aufmerksamkeit schaffen – und vor allem warme Füße für Menschen ohne eigenes Zuhause“, erklärt die Gruppe. Für ihr Vorhaben gründeten diese Vier den Verein „Sockenweltrekord“.
Darum machen Delitzscherinnen mit
Als Heike Rabe von der Aktion erfuhr, war sie sofort begeistert. „Mit dem Weltrekordversuch wird das Thema Obdachlosigkeit in die Öffentlichkeit gebracht. Obdachlose haben keine Lobby. Denen zu helfen, die keine Stimme haben, ist für mich eine Herzensangelegenheit“, sagt die Delitzscher Hobbystrickerin. Inzwischen konnte sie drei weitere Frauen für die Aktion gewinnen.

Angela Richter schätzt vor allem das Miteinander: „Wir sind eine kleine, aber tolle Truppe. Für mich bedeutet Stricken auch Austausch.“ Dass dabei ein sozialer Zweck unterstützt wird, mache es für sie umso wertvoller.
Auch Rita Schemmel ist dabei – für sie ist der Rekordversuch ein zusätzlicher Ansporn. „So macht das Stricken gleich noch mehr Spaß“, sagt sie lächelnd. Gleichzeitig könne sie mit ihrer Handarbeit aktiv helfen: „Die Aktion ist einfach großartig – da war für mich sofort klar, dass ich mitmache.“
Jede Masche zählt im Kampf gegen Kälte
Regelmäßiges Stricken ist dabei unerlässlich: Innerhalb eines Jahres sollen mindestens 36 000 Socken entstehen. Die Zeit ist knapp. „Der offizielle Start war im März dieses Jahres auf dem Swiss Yarn Festival. Ein Jahr später, im März 2027, müssen wir die nötige Anzahl erreicht haben“, erklärt Heike Rabe.
Anschließend sollen die Socken an Kältebusse, Hilfsangebote und stationäre Einrichtungen in Deutschland, Österreich sowie in der Schweiz gespendet werden.
Auch Ladeninhaberin Anja Weidenhammer engagiert sich: Sie strickt nicht nur selbst mit, sondern stellt ihr Geschäft als offizielle Sammelstelle zur Verfügung. „Jeder, der mitmachen möchte, kann seine gestrickten Socken bei mir abgeben. Ich schicke die Spenden dann regelmäßig gesammelt an den ‚Sockenweltrekord‘.“
Fehlender bezahlbarer Wohnraum
Heike Rabe hofft, dass sich noch mehr Menschen beteiligen. Denn laut Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) sind in Deutschland derzeit mehr als eine Million Menschen wohnungslos. Hauptursachen sind fehlender bezahlbarer Wohnraum und Armut. „Mich macht diese Zahl sehr traurig. Wenn ich mit ein paar Socken die Welt ein bisschen wärmer machen kann, dann können das andere auch“, sagt sie.
Mitmachen kann jeder – ob in der Gruppe oder allein zu Hause. „Niemand muss gemeinsam stricken. Die Socken können auch einfach hier abgegeben werden“, betont Anja Weidenhammer. „Aber zusammen macht es natürlich am meisten Spaß.“ Nannette Hoffmann
Wer die Aktion „Sockenweltrekord“ unterstützen und Sockenspenden abgeben möchte, kann dies am besten dienstags und donnerstags von 9 bis 18 Uhr im Geschäft „natürlich handgemacht“, Eilenburger Straße 7 in Delitzsch.


































