
Christoph Beil ist das neue Gesicht in der Gemeindeverwaltung Rackwitz. Seit dem 1. Juli 2025 ist der 35-Jährige Klimaschutzmanager für die drei Gemeinden Rackwitz, Krostitz und Schönwölkau – eine Stelle, die es zuvor nicht gab, die aber angesichts der Klimaziele immer wichtiger wird. Denn Deutschland hat sich verpflichtet, bis 2045 klimaneutral zu sein. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Maßnahmen vor allem in den Bereichen Energie, Mobilität, Gebäude und Wärme umgesetzt werden – auch auf kommunaler Ebene.
Integriertes Klimaschutzkonzept als Grundlage
Genau hier setzt Christoph Beil an. Seine Aufgabe ist es, ein integriertes Klimaschutzkonzept für die Gemeinden zu erarbeiten. Dieses soll Strategien und konkrete Maßnahmen zur Einsparung von Energie sowie zur Eigenversorgung entwickeln, bewerten und koordinieren. „Verbunden mit dem Ziel einer klimaneutralen Kommune in etwa 20 Jahren“, sagt er.
Dass dieses Ziel nicht kurzfristig erreichbar ist, ist ihm bewusst. „Klimaschutz ist ein sehr breites Feld“, erklärt er. Zwar gebe es in den drei Gemeinden bereits kommunale Gebäude, die mit neuen Heizungen oder Photovoltaikanlagen ausgestattet seien, „doch das ist längst nicht alles“. Daher möchte er mit seiner Arbeit vorhandene Ansätze weiterdenken, neue Möglichkeiten prüfen und den Gemeinden konkrete Vorschläge unterbreiten.
Dazu hat sich Christoph Beil zunächst einen Überblick verschafft, Gespräche geführt und begonnen, eine Bestandsanalyse zu erstellen. Darauf folgt eine Potenzialanalyse, in der untersucht wird, welche Maßnahmen sinnvoll und realistisch sind. Im letzten Schritt entsteht ein Szenario. „Das ist ein handfester Maßnahmenkatalog, der zeigt, was umgesetzt werden kann, welche Wirkung das hat und in welchem Zeitraum“, erklärt er. Für Christoph Beil ist die neue Stelle, die zu 100 Prozent vom Bund gefördert und auf zwei Jahre angelegt ist, damit auch eine Chance, die Region langfristig mitzugestalten.
Fachlich wie privat eng mit dem Thema verbunden
Dass er diese Aufgabe übernimmt, ist kein Zufall. Schon während seiner Schulzeit beschäftigte sich Christoph Beil mit Klimaschutz und erneuerbaren Energien. Er studierte Regenerative Energietechnik in Nordhausen und später in Köln. Nach seinem Abschluss 2017 führte ihn sein beruflicher Weg zunächst nach Bayern, wo er vier Jahre als Gebäudeenergieberater arbeitete. Es folgten weitere vier Jahre als Energieeffizienzexperte in einem Leipziger Ingenieurbüro.
Der Wunsch, näher an seine Heimat zurückzukehren, blieb jedoch bestehen – und erfüllte sich im vergangenen Jahr. Seine Familie lebt auf einem Mehrgenerationenhof in Göbschelwitz. Dort bewohnt sie ein umgebautes Bauernhaus, das nicht erweitert, sondern im Bestand saniert wurde. Die Familie ließ das Gebäude dämmen und mit einer Photovoltaikanlage ausstatten. „So sparen wir heute sowie zukünftig Energiekosten und machen uns unabhängiger von Rohstoffimporten wie Erdöl“, sagt er – und lebt damit auch privat vor, was er beruflich vermitteln möchte.
Zwischen Offenheit und Skepsis
In seiner Arbeit begegnet Christoph Beil sehr unterschiedlichen Haltungen. „Viele Menschen sind offen, bringen eigene Ideen mit. Das hilft mir sehr“, sagt er. Gleichzeitig gebe es aber auch Ängste, etwa davor, dass Klimaschutz mit Wohlstandsverlust verbunden sei. Seiner Ansicht nach liege das daran, dass Klimaschutz in den vergangenen Jahren häufig vor allem als Kostenfaktor dargestellt worden sei.
„Dabei haben wir heute die Chance, energetische Sanierungen, neue Heizsysteme oder Elektromobilität voranzutreiben und gleichzeitig unabhängiger zu werden“, betont der 35-Jährige. Die Technologien seien günstiger geworden, der Ausbau erneuerbarer Energien wachse weltweit stetig. Dennoch würden diese positiven Entwicklungen in der öffentlichen Debatte oft zu wenig Beachtung finden. Stattdessen nutzten Klimaskeptiker die Unsicherheit vieler Menschen für eigene Zwecke.
Dialog statt Vorgaben
Dem möchte Beil entgegenwirken – vor allem durch direkten Austausch. Sein Ziel ist es, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, aufzuklären und Perspektiven aufzuzeigen. „Gemeinsam können wir Wege finden hin zu mehr Unabhängigkeit in der Energieversorgung, zu einer stärkeren Beteiligung der Bevölkerung und zu einer gesunden Umwelt“, sagt er.
Geplant sind dafür Beteiligungsformate für die Einwohner ab dem Frühjahr. In Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale und anderen Akteuren sollen verschiedene Themen aufgegriffen, Alternativen aufgezeigt und neue Impulse gesetzt werden.
Gemeinden als Vorbild
Für Beil steht fest: Kommunen können beim Klimaschutz eine Vorbildrolle übernehmen. „Oft sind es kleine Schritte, die viel bewirken“, sagt er. Die Maßnahmen aus dem Klimaschutzkonzept könnten je nach Art bereits nach wenigen Jahren Wirkung zeigen, spätestens jedoch nach einem Jahrzehnt sichtbare Ergebnisse liefern.
Entscheidend sei, überhaupt anzufangen. „Es gibt immer Argumente, warum etwas nicht geht. Doch damit kommen wir nicht weiter“, betont Christoph Beil. Mit der Schaffung der neuen Stelle haben Rackwitz, Krostitz und Schönwölkau einen ersten Schritt gemacht – und die Grundlage gelegt, Klimaschutz langfristig und strukturiert in der kommunalen Arbeit zu verankern. Nannette Hoffmann
































