Wer mit Bernd Röhricht spricht, merkt sofort: Hier schlägt ein Musikerherz. Gelernt hat er sein Handwerkszeug an der Musikschule. In den 1970er-Jahren spielte er bei einer Tanzband mit und sorgte mit „Tanzmusik“, wie er sagt, in der Region für volle Tanzflächen.
Doch noch etwas anderes prägte sein Leben – nicht nur, weil er darüber seine Ehefrau kennenlernte, sondern auch, weil es in seiner Familie zu einer kleinen Tradition geworden ist: die Blasmusik. Inzwischen spielt nicht mehr nur er selbst im Orchester, sondern auch sein Sohn und sein Enkel – drei Generationen Röhricht, die in Schenkenberg gemeinsam Musik machen.
Wie alles mit der Feuerwehrkapelle begann
Seine Berufsausbildung absolvierte Bernd Röhricht bei der Reichsbahn und trat dort der RAW-Blasmusikapelle bei, einem Orchester, das zu den verschiedensten Anlässen aufspielte. Früher, erinnert er sich, hatte beinahe jeder kleine Ort seine eigene Blasmusikkapelle. Schenkenberg allerdings bekam erst später eine – genauer gesagt 1961, also vor 65 Jahren. „Mitglieder der Ortsfeuerwehr sagten sich damals: Wir gründen jetzt ein Orchester“, hat er sich Gründungsmitgliedern erzählen lassen. Und noch etwas ist in seinem Gedächtnis hängen geblieben: „Das erste Lied, das die Kapelle spielte, war ‚Glück auf, der Steiger kommt‘.“
Weil er damals schon in einer Blasmusikkapelle spielte – Trompete und Flügelhorn –, unterstützte Bernd Röhricht die Musiker in Schenkenberg zunächst gelegentlich. Das Orchester wuchs schnell an, denn junge Bläserinnen und Bläser, die aus dem Pionierorchester herausgewachsen waren, fanden hier eine neue musikalische Heimat. 1976 trat er schließlich fest in die Kapelle ein – und blieb bis zur Wende 1989/90.
Der Wendepunkt nach der Wende
„Wir standen an einem Wendepunkt. Entweder weitermachen oder aufhören“, sagt er heute. Viele Blasmusikkapellen lösten sich damals auf – „sicher auch, weil viele Kneipen geschlossen wurden und es damit keine Proben- und Veranstaltungsorte mehr gab“, vermutet er. Weitermachen ging nur in neuer Form: als eingetragener Verein.
Bernd Röhricht nahm sich ein Herz, kümmerte sich um die Vereinsgründung, holte neue Musiktitel ins Repertoire, arrangierte auch selbst und übernahm den Vorsitz und die musikalische Leitung. Der Blasmusikverein Schenkenberg e.V. war geboren. „Wären wir diesen Schritt nicht gegangen, gäbe es uns heute sicher nicht mehr“, ist er überzeugt.
25 Musiker, ein Klang
Heute geben 25 Blasmusikerinnen und Blasmusiker in Schenkenberg mit ihren Instrumenten den Ton an. Der jüngste ist 18, der älteste 82 Jahre alt. „Leider haben wir in unseren Reihen nur eine Bläserin“, bedauert Bernd Röhricht – über weitere weibliche Unterstützung würde er sich sehr freuen.
Klarinetten, Tenorhörner, Fagott, Waldhorn, Posaunen, Trompeten, Schlagzeug, Tuba und Flügelhorn – so klingt die klassische Besetzung des Schenkenberger Orchesters. Gemeinsam entwickeln sie den typischen, kraftvollen und zugleich harmonischen Klang, der für Blasmusik so charakteristisch ist.
Von Polka bis Pop
Im Repertoire des Orchesters stehen Polkas, Walzer und Märsche ebenso wie moderne Titel. „Wir spielen Bigband-Nummern, Schlager, Rock und Pop, dazu Choräle und Klassik“, berichtet der musikalische Leiter. Diese Vielfalt zeichne das Orchester aus. „Und Qualität geht bei uns vor“, sagt Röhricht – das bedeute regelmäßiges Proben im Vereinsraum ebenso wie Üben zu Hause.
Was bei den Auftritten erklingt, richtet sich nach Anlass und Publikum. „Beim Frühschoppen gibt es zünftige Blasmusik zu hören, beim Kaffeenachmittag reicht das Spektrum von ruhig bis beschwingt“, zählt Röhricht auf. Bei Dorffesten darf es volkstümlicher sein, beim Oktoberfest wird geschunkelt, und in der Adventszeit stehen traditionelle Lieder, besinnliche Weisen und festliche Märsche auf dem Programm.
24 Konzerte hat der Blasmusikverein im vergangenen Jahr gespielt – und auch 2026 ist der Kalender dicht gefüllt: vom Osterfeuer in Schenkenberg über das Maibaumsetzen, Auftritte im Delitzscher Tierpark und beim Mühlentag in Löbnitz bis hin zu Dorffesten, Oktoberfesten und dem Adventskonzert zum Jahresausklang.
Aushängeschild mit Nachwuchssorgen
„Mit unserer Musik wollen wir Freude verbreiten – die Leute zum Singen, Tanzen und Feiern bringen oder auch einmal zum Nachdenken“, sagt er. Für Röhricht ist der Verein ein Aushängeschild, das die kulturelle Landschaft in und um Schenkenberg, Delitzsch und Nordsachsen bereichert.
Gleichzeitig erlebt er, wie schwer es ist, junge Leute langfristig für den Verein zu gewinnen und dauerhaft zum Mitspielen zu motivieren. Proben, Beruf, Ausbildung und Familie unter einen Hut zu bringen, sei für viele eine Herausforderung – das spürt auch der musikalische Leiter. Dennoch hofft er, dass sich neue Gesichter für den Blasmusikverein finden lassen. Wer Interesse hat: Geprobt wird immer donnerstags ab 18 Uhr in den Räumlichkeiten der „Alten Schule“ in Schenkenberg.
Umso größer ist sein Wunsch, dass das Orchester auch in Zukunft zusammenbleibt und zusammenhält, um noch lange Feste, Gottesdienste und Dorffeste in der Region zu begleiten. Deshalb möchte er allen beteiligten Musikerinnen und Musikern für die vielen tollen gemeinsamen Jahre von Herzen Danke sagen. Nannette Hoffmann
Termine des Blasmusikvereins:
30. April: Maibaumsetzen Schenkenberg
1. Mai: Kaffeenachmittag im Tierpark Delitzsch
25. Mai: Mühlentag an der Mühle Döbler Löbnitz
6. Juni: Spargelhof Kyhna
13. Juni: Dorffest Beerendorf
20. Juni: Feuerwehrfest Zschortau
28. Juni: Ablassfest Lehelitz
4. Juli: Umzug beim Stadtfest Peter und Paul
26. Juli: Krostitzer Treiben
9. August: Teichfest Zaasch
22. August: Dorffest Döbernitz
6. September: Dorffest Glesien
20. September: Dorffest Petersroda
3. Oktober: Oktoberfest Löbnitz
28. November: Adventkonzert Schenkenberg



































