Spektakulärer Steinzeit-Fund beim Schulbau in Leipzig-Möckern

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Ausgrabung
In der Hans-Beimler-Straße wird gegraben: Hier hat man die Siedlung entdeckt. Foto: André Kempner

Ein Fenster in die Leipziger Frühgeschichte hat sich in Möckern geöffnet: Auf der Baustelle für einen neuen Grundschulkomplex wurden die Überreste einer Siedlung aus der Jungsteinzeit gefunden. Noch bis Mitte Oktober werden die archäologischen Arbeiten auf dem Gelände andauern, teilt das Landesamt für Archäologie Sachsen mit. Danach beginnt die wissenschaftliche Auswertung.

„Unsere Untersuchungen in Leipzig-Möckern zeigen sehr deutlich, wie wichtig die Beteiligung der Archäologie auch im städtischen Bereich ist. Mittlerweile längst im Stadtraum liegend und seit vielen Jahren überbaut, können selbst dort noch immer wichtige Zeugnisse der vor- und frühgeschichtlichen Besiedlung dokumentiert werden“, überlegt Landesarchäologin Dr. Regina Smolnik. Eine Einschätzung, die hier in Möckern voll zutrifft – eigentlich hatte man das Gelände in den 1960er-Jahren mit einem Gebäudekomplex überbaut. Doch nach dessen Abriss stieß man auf erstaunlich viele und gut erhaltene Fundstücke: Spuren wie Gruben und Pfostenlöcher, die auf ehemalige Häuser hinweisen.

Seltene Entdeckung: Ältestes Grab im Leipziger Stadtgebiet

Für Überraschung sorgte der Fund einer Bestattung inmitten der Siedlung. Das ist ein seltener Glücksfall, denn in weiten Teilen Sachsens ist die Knochenerhaltung so schlecht, dass Gräber nur anhand der mit ins Grab gelegten Objekte und der Grubenformen als solche identifiziert werden können. Die beigabenlose Körperbestattung lag auf der linken Seite mit angezogenen Beinen in einer Grube – Gräber dieser Art werden als Hockergräber bezeichnet. In diesem Fall lässt die Hockerlage sowie der unmittelbare stratigrafische Bezug des Grabes zur Siedlung und zu einem der Häuser auch ohne Beigaben eine Datierung in die jungsteinzeitlichen Linienbandkeramik zu. Somit handelt es sich bei dieser rund 7000 Jahre alten Bestattung um das älteste Grab, das bisher im Leipziger Stadtgebiet bekannt geworden ist!

Und auch sonst bietet das Grabungsfeld jede Menge: Nach Einschätzung von Landesamt für Archäologie stammen die Überreste aus der Jungsteinzeit – sie gehören wohl zur „linienbandkeramischen Kultur“ aus der Zeit von 5500 bis 4500 vor Christus. Ihren Namen hat diesee Kultur durch die charakteristischen Verzierungen der keramischen Gefäße, die aus spiral- oder wellenförmigen Bändern bestehen. Entsprechende Rand- und Wandscherben wurden auch in Möckern gefunden.

Spuren der Jungsteinzeit: Riesige Langhäuser freigelegt

Bemerkenswert sind zudem die Dimensionen der Langhäuser, in denen die Menschen dieser Zeit lebten: Man erkennt diese typische Hausform noch heute anhand der im Boden erhaltenen verfärbten Pfostengruben in einer für diese Zeit typischen Anordnung.

In diesen Gruben standen ursprünglich die Holzpfosten, die die Dach- und Wandkonstruktionen trugen. In Möckern konnte ein vollständiger Hausgrundriss von imposanten 30 Metern Länge und mindestens zwei weitere, teilweise erfasste Häuser nachgewiesen werden. Red./jw

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