
Ein wertvolles und symbolträchtiges Geschenk hat die Israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig (IRG) in diesen Tagen erhalten: Es handelt sich um eine alte hebräische Bibel (Tanach), die eng mit der Stadtgeschichte verbunden ist. aDie Tanach-Ausgabe erschien 1906 im J.C. Hinrichs Verlag in Leipzig und gehörte dem Leipziger Oberkantor und Vorbeter Werner Jacob Sander (1902-1972).
Weitergeben in gute Hände
Und dies ist die spannende Geschichte dahinter: Werner Jacob Sander war 1962 Gründer des Leipziger Synagogalchors, in dem auch Irene Rotzsch – Frau des damaligen Thomaskantors Hans-Joachim Rotzsch – mitgesungen hat. Nach Sanders Tod hat sie die Bibel als Erinnerung geschenkt bekommen, wie sie selber sagt. Und da sie mittlerweile sehr betagt ist, wollte sie den Tanach in gute Hände abgeben und ist deshalb auf den IRG-Vorsitzenden Küf Kaufmann zugegangen.
Nun wurde der Tanach auf dem Neuen Israelitischen Friedhof in Leipzig am Grab von Werner Jacob Sander von der 87-jährigen Irene Rotzsch und ihrer Zwillingsschwester Helga Schmidt an Küf Kaufmann und Gemeinderabbiner Zsolt Balla übergeben.
Biblia Hebraica Stuttgartensia
Bei der Bibel handelt es sich um die sogenannte Biblia Hebraica Stuttgartensia des Leipziger Gelehrten Rudolf Kittel, der die Textüberlieferung für eine wissenschaftlich fundierte Ausgabe aufbereitet hatte. Dazu gehören zum Beispiel die Hilfszeichen für Vokale, die im Original – so zum Beispiel in Torarollen – nicht verwendet werden. Traditionell basiert die hebräische Schrift auf Konsonanten.
Der Gemeinderabbiner würdigte die Schenkung als „ganz besonderen Schatz“. Es gehe dabei nicht um den materiellen Wert, vielmehr zähle dabei die persönliche Verbindung zu Werner Jacob Sander und zur Israelitischen Gemeinde zu Leipzig und damit zur Stadtgeschichte.
„Erbe der Menschheit“
„Der Tanach ist gemeinsames Erbe der Menschheit. Die heutige Generation hat leider ein wenig vergessen, wie wir zu den alten Texten zurückkehren können als Leitfaden für Werte, Ethik und Lebensführung“, sagte Zsolt Balla. Wichtig sei es nach seinen Worten, „den Tanach zu öffnen, zu lesen und zu schauen, wie er heute 2026 zu uns spricht“. Im Gespräch ist nun, den geschenkten Tanach in der Brodyer Synagoge in einer Glasvitrine auszustellen. red./jw
































