Auftritt des Teams Pegasus: Die Nachwuchsvoltigiererinnen präsentieren ihre Küren auch als Showerlebnis auf Festen und Reitturnieren. Foto: Team Pegaus
Auftritt des Teams Pegasus: Die Nachwuchsvoltigiererinnen präsentieren ihre Küren auch als Showerlebnis auf Festen und Reitturnieren. Foto: Team Pegaus

An diesem nasskalten Februarnachmittag heißt es für die Nachwuchsvoltigiererinnen des Teams Pegasus nach einer kurzen Winterpause: ­wieder rauf aufs Pferd. Clara (15) wärmt gerade Elmar an der Longe auf, während sich zehn Kinder und Jugendliche dick ­einpacken – ganz nach dem Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Niemand meckert. „Meine ­Mädels sind hart im Nehmen“, scherzt Trainerin und Team­chefin Nancy Engemann und ruft zugleich aufmunternd: „Auf geht’s, warm machen und dann rauf aufs Pferd – wir ­müssen die Regenpause ­nutzen!“

Voltigieren fordert Körper und Köpfchen

Nach und nach schwingen sich die Mädchen auf den trabenden Elmar und zeigen frei drei Figuren ihrer Wahl: Kniestand, Handstand, Liegestütz, Standwaage oder Mühle.

Vom Rand aus gibt Nancy ­Engemann Anweisungen: „Knie durchdrücken!“, „Gerade halten!“, „Körperspannung!“ Gleichgewicht, Rhythmusgefühl, Kraft und Beweglichkeit sind gefragt – nur wer das Zusammenspiel beherrscht, bleibt sicher auf dem Pferd. Am Ende ist die Trainerin voll des Lobes: „Sehr gut gemacht!“

Voltigiertrainerin Nancy Engemann (re.) mit ihrer Freundin Jule Schmidt und Vereins­pferd Elmar sowie ihrer Auszeichnung: Für ihre Erfolge erhielt sie das Goldene Voltigierabzeichen. Foto: Team Pegasus.
Voltigiertrainerin Nancy Engemann (re.) mit ihrer Freundin Jule Schmidt und Vereins­pferd Elmar sowie ihrer Auszeichnung: Für ihre Erfolge erhielt sie das Goldene Voltigierabzeichen. Foto: Team Pegasus.

Als der Regen stärker wird, geht es in den Stall. Dort bauen sich die Kinder einen eigenen Parcours auf, um ihre Übungen zunächst am Boden und später auf dem Holzpferd zu trainieren: Rolle, Mühle, Fahne, Schere, Sprungdrehung und Stützschwung. Nach zweieinhalb Stunden Akrobatik und Krafttraining sind alle ausgepowert, aber glücklich – und ein bisschen traurig, dass das Training schon zu Ende ist.

Ein Verein wächst in ­Löbnitz

Seit Dezember 2022 gibt es das Team Pegasus. Seine Heimat hat der Verein auf dem Gelände des Team Eckert in Löbnitz gefunden. Ein Glücksfall, findet Nancy Engemann: „Es gibt kaum noch Ställe, wo sich die Leute kennen und wertschätzen. Bei Evi Stolle ist das anders – sie sieht uns nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung.“ Auch Evi Stolle betont das gute Miteinander: „Wir unterstützen uns gegenseitig und profitieren voneinander. Das nennt man Teamwork“, sagt sie lächelnd.

Zudem erhalten die Voltigierer Unterstützung durch Hartwig Derenthal von der Sachsenhalle in Löbnitz. Im Winter dürfen die Pferde ab und an in der dortigen Halle geritten werden.

Von der Sportlerin zur Trainerin

Als Nancy Engemann 2022 nach einem Unfall im Voltigiertraining mit Schulterverletzung ihre aktive Voltigierkarriere schweren Herzens beenden musste, fragte sie sich, wie es weitergehen würde. „Ich habe meinen Sport geliebt. Ich dachte, das kann es doch noch nicht gewesen sein.“

26 Jahre lang voltigierte sie – zuerst in Kletzen, dann in ­Hohenroda, anschließend in Mainz-Laubenheim und später durch den Wechsel des ganzen Teams in Ingelheim, wohin der Beruf sie verschlagen hatte. 2017 kehrte sie in ihre Heimat zurück und voltigierte bis zum Unfall beim Löbnitzer PSV..

Landesmeisterin in Rheinland-Pfalz

Dreimal wurde sie Landesmeisterin in Rheinland-Pfalz, zweimal Rheinhessenmeisterin sowie Dritte bei den Süddeutschen Meisterschaften. Zudem wurde sie Erste beim CVI** in Straßbourg, einer Prüfung des Concours de Voltige International auf mittlerem Leistungsniveau, und Dritte beim CVI*** in Pezinok, der höchsten Kategorie und mehrmals Vize-Landesmeisterin in Sachsen. Außerdem wurde sie mit der Mannschaft Dritte bei den Deutschen Meisterschaften und international Zweite beim CVI*** Masterclass in Wiesbaden (Pfingstturnier) sowie Erste beim CVI*** in Pezinok.

Team Pegasus nach einem erfolgreichen Turniertag: Kinder, Jugendliche, Trainerteam, Eltern – nur gemeinsam lassen sich Pferd, Training und Wettkämpfe stemmen. Foto: Team Pegasus
Team Pegasus nach einem erfolgreichen Turniertag: Kinder, Jugendliche, Trainerteam, Eltern – nur gemeinsam lassen sich Pferd, Training und Wettkämpfe stemmen. Foto: Team Pegasus

Die Leidenschaft begann früh: „Ich war sechs, als ich von dem Sport hörte, konnte mir aber gar nichts darunter vorstellen. Die erste Stunde war so toll, dass man mich nicht mehr vom Pferd bekam – auch wenn ich mit Rock und Gummistiefeln geschickt wurde, weil auch meine Eltern mit Voltigieren ebenfalls nichts anzufangen wussten“, erzählt sie lachend.

Dieses Erlebnis möchte sie heute anderen Kindern ermöglichen – und gründete deshalb ihren eigenen Verein. „So lassen sich auch Förderungen für diesen tollen Sport beantragen, und das Team kann leichter an Turnieren teilnehmen, als auch Turniere veranstalten“, berichtet sie.

Engagement und Nachwuchsförderung

Der Vereinsalltag bedeutet viel Arbeit – ohne Familie wäre das kaum zu stemmen. „Meine Mutti übernimmt den stellvertretenden Vorsitz und mein Partner unterstützt mich beim Training, auf Turnieren sowie im Pferdealltag“, erzählt Nancy ­Engemann. Auch die Eltern der Voltigiererinnen packen mit an – ob beim Fahren zu Turnieren, beim Kuchenbasar oder beim Helfen im Stall. Ohne diese ­„Voltieltern“ würde vieles nicht funktionieren.

Bereut hat sie ihre Entscheidung nie: „Ich kann selbst entscheiden, kreativ sein und Dinge direkt umsetzen. Und die Kinder geben mir so viel zurück. Wenn ich sehe, mit wie viel Fleiß und Leidenschaft sie dabei sind, weiß ich, dass mein Weg richtig war – auch wenn es viele harte und lange Tage für mich gibt.“

Akrobatik auf dem trabenden und galoppierenden Pferd: Das Team Pegasus zeigt seine Kür vor vollen Zuschauerrängen. Foto: Team Pegasus
Akrobatik auf dem trabenden und galoppierenden Pferd: Das Team Pegasus zeigt seine Kür vor vollen Zuschauerrängen. Foto: Team Pegasus

Ihr Ziel: den Nachwuchs so zu fördern, dass jede und jeder mit Pferden umgehen kann. So wie Clara, die aktuell ihre Weiterbildung an der Longe absolviert. Auch Trainerinnen sollen künftig aus den eigenen Reihen hervorgehen.

Disziplin, Verantwortung und Herzblut

Voltigieren ist für Engemann eine „ziemlich krasse Sportart“, wie sie sagt: „Disziplin, Durchhaltevermögen, Verantwortung, Einfühlungsvermögen, Teamfähigkeit, Selbstständigkeit, Turnen und körperliche Fitness – all das gehört dazu. Und natürlich die Arbeit mit dem Pferd: putzen, fertig machen, kennenlernen.“ Denn wer sich auf das Tier einlässt, wächst daran – und ist stolz, wenn er zeigen kann, was er kann.

Für jeden eine Heimat auf dem Pferd

Trainiert wird immer dienstags und donnerstags von 16 bis 18.30 Uhr. Mitmachen darf jede und jeder: „Die Jüngste ist 5, die Älteste 15.“ Das Team ist zweigeteilt – in eine Freizeitgruppe, die sich einfach bewegen möchte, und eine Leistungsgruppe, die sich auf Turniere vorbereitet. „Für jeden bieten wir hier eine Heimat. Hauptsache, man hat Lust aufs Voltigieren und kommt regelmäßig“, sagt Engemann.

Sieben bis acht Turniere stehen im Jahr an. Hinzu kommen Showauftritte bei Festen oder Reitveranstaltungen. Auch ein eigenes Turnier richtet das Team aus – und zwar den Movie-Cup im Februar. Hierbei zeigen die Teilnehmenden ihre Küren auf dem sogenannten Movie. Das ist ein galoppierendes, elektrisch betriebenes Holzpferd für den Voltigiersport. Das Gerät simuliert dabei dien Galopp des Pferdes.

„Zum vierten Mal haben wir ihn organisiert, 17 Reit- und Voltigiervereine der Region sowie aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben teilgenommen“, ist Nancy Engemann stolz. Besucherinnen und Besucher konnten spannende Nachwuchsprüfungen, Fun-Wettbewerbe, Show- und Kostümauftritte erleben. „Außerdem spielte Inklusion eine wichtige Rolle: Voltigierer mit Behinderung wurden besonders unterstützt und hatten eigene Prüfungen.“

Träume, Turniere und Teamgeist

Im vergangenen Jahr erfüllte sich Nancy Engemann einen Traum: Auf ihrem vereinseigenen Pferd Elmar und mit der langjährigen Freundin Jule Schmidt an der Longe wurde sie erneut sächsische Vizemeisterin. Außerdem erhielt sie für ihre zahlreichen nationalen und internationalen Erfolge das Goldene Voltigierabzeichen – eine Auszeichnung, die nur wenige erreichen.„Das macht mich schon ein bisschen stolz“, sagt sie strahlend, „denn so konnte ich meinen Mädels zeigen, was alles möglich ist – für sie, für mich und für das ganze Team, das hinter Pegasus steht.“ Nannette Hoffmann

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