Laufend etwas Gutes tun: Dieses Motto trifft auf Jessika Klatt im wahrsten Sinne des Wortes zu. Die 34-Jährige hat im vergangenen Jahr ein ganz besonderes Abenteuer erlebt. Auf einer 2550 Kilometer langen Norwegen-Tour von Kap Lindesnes im Süden bis zum Nordkap war die Thüringerin insgesamt 125 Tage in Skandinavien unterwegs gewesen – zu Fuß!
37.893,06 Euro für Bärenherz
Diese ganz besondere Tour hat Jessika Klatt übrigens nicht zu ihrem eigenen Vergnügen gemacht. Ihr ging es darum, Spenden für das Kinderhospiz Bärenherz zu sammeln. Insgesamt kamen im Rahmen der großen Wanderung stolze 37.893,06 Euro zusammen – unter anderem auch durch die Unterstützung der Sächsischen Lotto GmbH. Gespendet wurde dabei sowohl online als auch von zahlreichen Gleichgesinnten, die Jessika Klatt unterwegs auf der Route oder in den unterschiedlichen Wanderhütten getroffen hat.
„Die Tour war für mich eine tolle Erfahrung, aber natürlich auch sehr anstrengend. Ich durfte auf meiner Reise unheimlich viele wunderschöne Begegnungen erleben. Aber gerade in den ersten Tagen gab es viel Schnee und es war richtig matschig. Gleich am zweiten Tag bin ich dann auf 1600 Metern Höhe auch noch einen Abhang hinuntergestürzt. Da hatte ich echt Panik.“ Geholfen habe ihr definitiv, dass sie schon immer viel Sport gemacht habe – unter anderem dreimal in der Woche Wing Tsun. So konnte sie sich bei ihrem Absturz „wieder hochziehen“.
Startschuss in der Mädlerpassage
Der Startschuss ihres Norwegen-Projektes liegt bereits einige Jahre zurück. Im Rahmen einer Lesung des Leipziger Schauspielers Hendrik Duryn („Der Lehrer“) wurde sie auf das Kinderhospiz in Markkleeberg aufmerksam. Danach informierte sich Jessika Klatt an einem Stand in der Leipziger Mädler-Passage intensiver über das Kinderhospiz, das sie bereits seit mehreren Jahren als ehrenamtliches Fördermitglied unterstützt. Die Spendenwanderung war für sie nur der nächste Schritt, die Arbeit im Bärenherz zu fördern.

Neben der eingesammelten Spendensumme macht es die Thüringerin vor allem stolz, das Norwegen-Abenteuer nicht nur durchgezogen zu haben, sondern damit auch anderen Frauen den Ansporn zu geben, solche sportlichen Herausforderungen allein bewältigen zu können.
Viel positives Feedback
Vor allem über Social Media hat sie in den vergangenen Monaten viel positives Feedback bekommen. Viele Unterstützer sowie Freunde und Bekannte verfolgten ihren Weg durch Norwegen auf den unterschiedlichen Social-Media-Kanälen, die sie unterwegs selbst so gut es ging pflegte – wenn sie denn Empfang hatte. „Gerade in den Bergen war das mit dem Empfang leider nicht immer so einfach.“
Leicht war die wochenlange Wanderung durch Norwegen für Jessika Klatt trotz 1,5-jähriger Vorbereitungszeit nicht, doch aufgeben war für sie nie eine Option. Motivation zog sie zum einen daraus, den Bärenherz-Kindern und deren Familien etwas geben zu wollen und zum anderen aus dem Erreichen des Ziels. „Ich wusste, dass meine Mama extra zum Nordkap hochgeflogen kommt, um mich wieder einzusammeln. Das hatte ich immer im Hinterkopf“, sagt sie.
Wanderschuhe und Trekking-Nahrung
Auch als sie wegen einer Knochenhautentzündung sogar wenige Tage pausieren musste, wollte sie unbedingt die geplanten 125 Tage einhalten. „Es gab immer wieder Tage, an denen ich etwas kürzertreten musste. Da die Rückreise schon geplant war, bin ich dann ein Stück der Strecke mit dem Zug gefahren“, gibt Jessika Klatt zu. Gegen die Entzündung im Schienbein haben dann aber neue Wanderschuhe geholfen.
„Wer Lust hat auf Natur und gut mit sich allein klarkommt, für den ist diese Reise sicher auch etwas.“
Erschwerend hinzu kamen während ihrer großen Wanderung auch viele Regentage: „Während es am Anfang sehr steinig war und ich viel mit dem großen Rucksack klettern musste, bin ich später durch Sumpf und Matsch gewandert. Und das bis zu zehn Stunden am Tag. Am Abend war ich dann einfach froh, nur noch etwas Leckeres zu kochen und möglichst viel Schlaf zu bekommen“, erzählt sie.

Norwegen nie ihr Lächeln verloren. Foto: privat
Unterwegs versorgte sich die Hobbysportlerin, die bei einer Schuldnerberatung in der Verwaltung arbeitet, vorrangig über Trekking-Nahrung, die sie immer bis zu zehn Tage auf Vorrat kaufte und die nur noch mit Wasser aufgebrüht werden musste.
Weitere Spenden sammeln
Jessika Klatt fährt leidenschaftlich gern Fahrrad – und dies auch über längere Strecken und mehrere Tage hinweg. Das Projekt „Nordkap 3000“ war für sie eine ganz neue sportliche Erfahrung. „Ich bin vorher nur einmal zehn Tage lang in Schottland wandern gewesen – allerdings auf deutlich besser ausgebauten Wegen“, sagt sie. Durchschnittlich lief Jessika Klatt in Norwegen 20 bis 25 Kilometer am Tag. Die längste Tagesetappe war 38,5 Kilometer lang. „Da lief es aber auch wirklich gut“, erinnert sich die 34-Jährige lächelnd.
Das nächste sportliche Projekt hat Jessika Klett aktuell noch nicht in Planung. Eines ist für die Weimarerin aber schon jetzt klar: „Ich werde sicherlich nicht nochmal durch ganz Norwegen laufen. Ich könnte mir aber vorstellen, einzelne Strecken mit dem Faltrad zu fahren.“ Menschen, die eine ganz besondere Herausforderung suchen, würde sie eine solche Mega-Wanderung durchaus empfehlen. „Wer Lust hat auf Natur und gut mit sich allein klarkommt, für den ist diese Reise sicher auch etwas.“
Ein Buch ist in Arbeit
Die engagierte Sportlerin verrät, dass sie künftig Vorträge über die Aktion „Nordkap 3000“ halten wird und das dabei verdiente Geld ebenfalls an das Kinderhospiz Bärenherz spenden will. Außerdem ist ein Buch in Planung. Dafür schreibt Jessika Klatt das Erlebte gerade fleißig auf. Ende des Jahres will sie das Buch veröffentlichen. Andreas Wendt
Informationen zum Kinderhospiz Bärenherz gibt es unter www.baerenherz-leipzig.de/

































