Ein großer Moment für Lachmesse-Macher Arnulf Eichhorn (3.v.l.): Beim Neujahrsempfang im Jahr 2017 des Vereins Gemeinsam für Leipzig gab es für ihn die „Golde- ne Lerche“ – in Anerkennung jener Verdienste, die er bei der Pflege des Leipziger Humor gesammelt hatte. Foto: Armin Kühne
Ein großer Moment für Lachmesse-Macher Arnulf Eichhorn (3.v.l.): Beim Neujahrsempfang im Jahr 2017 des Vereins Gemeinsam für Leipzig gab es für ihn die „Golde- ne Lerche“ – in Anerkennung jener Verdienste, die er bei der Pflege des Leipziger Humor gesammelt hatte. Foto: Armin Kühne

In der alten Pfeffermühle am Thomaskirchhof war es. Und zwar vor 35 Jahren. Für Arnulf Eichhorn – den Festivalopa, wie er sich selbst liebevoll nennt – fühlt es sich bis zum heutigen Tag so an, als sei es erst gestern gewesen.

Als man sich am Stollentisch traf mit Rainer Otto, dem Pfeffermühlen-Direktor, und mit Jürgen Hart, dem Gründer der „academixer“. Ab und an saß auch der Kabarettist und Schriftsteller Bernd Lutz Lange mit am Tisch. Und da wurden Ideen quasi im Minutentakt geboren – darunter auch jene für eine Leipziger Lachmesse …

„Es war eine absolut tolle Zeit“

„Es war eine absolut tolle Zeit“, sagt Arnulf Eichhorn im Rückblick. Ihre Gedanken und ihre Gespräche drehten sich darum, die Kabarettszene auf eine europäische Bühne zu heben. Klar, damals hatten sich die Kabaretts schon weit über Leipzig hinaus einen gewichtigen Namen gemacht. Bereits vor der Wende, genauer gesagt im Jahr 1985 traten Dieter Hildebrand, Werner Schneyder und Gerhard Polt von der Münchner Lach-und Schließgesellschaft in der Pfeffermühle und im „academixer“-Keller auf.

Die "gute Tasse Kaffee" gehört einfach dazu: Arnulf Eichhorn beim Frühstück. Foto: Traudel Thalheim

Die „gute Tasse Kaffee“ gehört einfach dazu: Arnulf Eichhorn beim Frühstück.
Foto: Traudel Thalheim

Klare Sache, dass bei diesen Gesprächen mitunter auch mal ein paar Spinnereien aufkamen – gehört ja dazu, wenn es um große Ideen geht. Um große Ideen wie eine Lachmesse in Leipzig.

Politisches Kabarett als Rückgrat in der Kleinkunst

Denn die gestandenen Kabarettisten blickten schon auch mal ein Stück über den eigenen Tellerrand hinaus. Klar, das politische Kabarett sehen sie gewissermaßen als Rückgrat in der Kleinkunst betrachteten. Aber Dinge wie Poetry Slam und Musikkabarett, wie Comedy und Chansons, wie Puppenspiel und Mundartpflege gehörten und gehören selbstverständlich dazu. Zu der Idee einer Lachmesse.

Und so nahm das erste Festivalprogramm für das Jahr 1991 so langsam, aber sicher Gestalt an – fehlte noch der Name, aber auch da wurde man sich einig. Lachmesse: Das wär’s doch, schlug Arnulf Eichhorn vor – er hatte als Kulturmanager den Hut auf – und dabei blieb es. „Ein selten blöder Name“, titelte dazu einst der „Kreuzer“. Aber eben auch ganz schon zutreffend …

„Mit rund 80 Gastspielen in zwölf Spielstätten in und um Leipzig und an die 200 Künstlerinnen und Künstlern sind wir heute Deutschlands größtes internationale Humor-und Satire Festival.“

„Im Sommer 91 – bei 38 Grad im Schatten – starteten wir mit etwa 30 Veranstaltungen. Und wir schipperten das Vorhaben scharf am Flop vorbei. Also verlegten die Lachmesse 1992 in den Oktober“, erzählt der Organisator von den ersten, manchmal auch eher schmerzhaften Erfahrungen. Doch der Erfolg gab ihm mit seinem damaligem Team Recht: Mit ein wenig Stolz berichtet Arnulf Eichhorn, wie das Festival immer mehr expandierte und die Publikumsresonanz von Jahr zu Jahr stieg.

Die Bilanz: Eine Million Gäste in 35 Jahren

„Mit rund 80 Gastspielen in zwölf Spielstätten in und um Leipzig und an die 200 Künstlerinnen und Künstlern sind wir heute Deutschlands größtes internationale Humor-und Satire Festival. So hatten wir in 35 Jahren über eine Million Besucherinnen und Besucher, darunter Gäste aus 26 Ländern von Europa, über USA bis nach Australien“ sagt Arnulf Eichhorn, der 2015 seinen Posten als Geschäftsführer abgab und seither als Festival Opa mittenmang ist.

Besonders schon sei gewesen, so fügt er an, dass es ihm gelang, auch große Stars für die Lachmesse zu gewinnen. Wie beispielsweise Gardi Hutter, die beste Clownin der Welt, wie die Schauspielerin und Hollywood-Star Marianne Sägebrecht, den Schriftsteller und Satiriker Ephraim Kishon, den niederländischen Pianisten, Komiker und Komponist Hans Liberg und viele andere mehr ….

Von fehlender Puste und kaputten Hosenbeinen

Und er könnte sicherlich Bücher schreiben über das was er – nicht immer am Rande – erlebte. Da erinnert er sich an eine Veranstaltung, die nach 26 Minuten zu Ende war, weil dem Kabarettisten die Puste ausging. Oder an das Malheur von Matthias Richling: Bei einem Gastspiel im Leipziger Schauspiel begann die Vorstellung 20 Minuten später, weil er über einen Leiterwagen hinter der finsteren Bühne stürzte und sich dabei obendrein beide Hosenbeine aufriss.

Also musste die Ankleiderin ran, um die Hose notdürftig auszubessern. Und dass Matthias Richling mit blutigen Waden tapfer sein Programm spielte – dafür gibt es von Arnulf Eichhorn auch heute noch ein: „À la bonne heure!“

Kupferpfennig-Wettstreit bei der alljährlichen Lachmesse

Mehr als erwähnenswert: Die gewichtige Rolle, die der Kupferpfennig-Wettstreit bei der alljährlichen Lachmesse in Leipzig spielt. Gibt er doch dem kabarettistischen Nachwuchs eine gute (und vor allem höchst öffentlichkeitswirksame) Chance, das Können auf der Bühne zu zeigen. Das ist allemal ein echter Gradmesser, weil das Publikum über die Preisvergabe entscheidet. Ach ja – Siegerin wurde in der letzten Lachmesse-Auflage Fee Bademus, Liedermacherin aus Lübeck, die das Preisgeld in Höhe von 100 000 Cent erhielt.

Nun laufen längst die Vorbereitungen für die 36. Lachmesse. Und dies in dezent modifizierter Aufstellung: Seit November 2025 hat der gibt es im Lachmesse-Verein – der sich übrigens in voller Schönheit Verein Förderung des Internationalen Humor- und Satirefestivals Lachmesse nennnt – einen neuen Vorstand. In dem sitzen neben der „academixer“-Geschäftsführerin Dörte-Solveig Waurick sowie Kulturmanager Rick Barkawitz und Barbara Höll natürlich auch Arnulf Eichhorn, der sich noch und vor allem um die ökonomische Gesundheit der Lachmesse kümmert.

Im März wird Arnulf Eichhorn übrigens 76 Jahre alt. Für ihn ist dies selbstverständlich kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Denn diese Hände braucht er auch zu Hause und zwar in der Küche, worüber sich sicher auch seine Frau Angelika freut. Das Kochen ist eine echte Leidenschaft des Mannes, der im Süden Leipzigs zu Hause ist. Da wird Geflügel und Fisch in allen Varianten zubereitet, aber ebenso auch im Garten selbst Hand angelegt.

Freundschaften fürs Leben

Schon ein irrer Lebensweg eines Mannes, der in der Leipziger Bergbaugegend aufgewachsen ist und einst Kraftwerkstechniker lernte. Inzwischen pflegt er lieb gewonnene, ans Herz gewachsene, private Freundschaften – diese verbinden Arnulf Eichhorn mit Thomas Freitag, Werner Schneyder und Georg Schramm von der ARD-Anstalt.

Einen ganz besonderen Stellenwert hat aber die Verbindung zum Multitalent Tom Pauls, die inzwischen sogar auch familiäre Züge aufweist: Alljährlich fahren beide Ehepaare zum Urlaub nach Hiddensee, so manche Idee wurde in den freien Tagen auf der Ostseeinsel geboren.

Und auch dazu gibt es eine schöne Geschichte: So trat Tom Pauls im Dezember 2025 im Gewandhaus zu Leipzig mit der „Weihnachtsgans Auguste“ auf. Das war die 55. Veranstaltung, die Arnulf Eichhorn für seinen Freund organisierte und die war wie immer ausverkauft und ein Erfolg der Extraklasse. Die Hoffnung für das neue Jahr: Dies möge doch bitte auch am 13. Dezember genauso laufen, wenn Tom Pauls gemeinsam mit der Elbland Philharmonie die „Säk`schen Glassiger“ im Gewandhaus zum Besten geben wird …

Bleibt zum Schluss eigentlich nur noch eine einzige, aber durchaus wichtige Frage: Und was steht zum Sonntagsfrühstück eigentlich auf dem Tisch, Arnulf Eichhorn? „Ei, Lachs, ein gutes Stück Käse, Brötchen, Bertolli oder Butter und eine gute Tasse Kaffee.“ Na dann guten Appetit! Traudel Thalheim

Übrigens: die 36. Leipziger Lachmesse findet vom 24. Oktober bis 1. November 2026 statt.

Infos: www.lachmesse.de

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