
Johannes Emmrich liebt es, auf der Bühne zu stehen. Der Schauspieler präsentiert sich dabei äußerst wandelbar – egal ob in „Die Glasmenagerie“, „Rumpelstilzchen“, „Rythm is a Dancer“ oder „Yvonne, die Burgunderprinzessin“. In den beiden letzteren ist der 39-Jährige derzeit auf der Bühne zu erleben. Parallel dazu laufen die Vorbereitungen für die diesjährige Weihnachtskomödie „Und täglich grünt der Weihnachtsbaum“.
„Das ist das erste Mal, dass wir neben dem Weihnachtsmärchen auch noch eine Weihnachtskomödie auf die Bühne bringen. Ich freue mich sehr darauf“, sagt der leidenschaftliche Schauspieler. Schon in der Sommerpause hat der gebürtige Dresdner im Garten der Eltern in der sächsischen Landeshauptstadt die Texte geübt, um möglichst gut vorbereitet in die Proben zu gehen. Die Uraufführung findet am 28. November (19.30 Uhr) im Heizhaus Altenburg statt.
Liebe auf den ersten Blick
Seit zehn Jahren ist der gebürtige Dresdner festes Ensemblemitglied am Theater Altenburg Gera und er ist immer noch begeistert. „Ich finde dieses Fünf-Sparten-Haus toll. Man kommt hier immer wieder mit anderen Leuten ins Gespräch, das ist etwas ganz Besonderes“, schwärmt der Wahl-Altenburger. Zehn Jahre in einem Theater-Ensemble ist in der Schauspiel-Szene tatsächlich etwas ganz Besonderes.
Johannes Emmrich und Altenburg – das war so etwas wie „Liebe auf den ersten Blick“. „Als ich hier damals beim Vorsprechen war und das Schloss gesehen habe, habe ich mich sofort heimisch gefühlt“, erinnert er sich und ergänzt: „Eigentlich lief das Vorsprechen aus meiner Sicht gar nicht so gut. Aber es hat geklappt.“ Jetzt sei er in der Stadt „tief verwurzelt“ und werde auch schon mal beim Joggen durch die Stadt erkannt.
Vom Musikalienhändler auf die Bühne
Diese Bekanntheit hat sich Johannes Emmrich in den vergangenen Jahren auf der Bühne erspielt. Dabei galt er lange Zeit vor allem als Spezialist für Komödien. Inzwischen hat er auch ernste Rollen in seinem Portfolio. „Auch für Komödien braucht man eine große Ernsthaftigkeit, damit es lustig wirkt. Anton Tschechov hat mal gesagt: ‚Tragödie und Komödie gehören zusammen‘. Dem kann ich nur zustimmen“, sagt der Schauspieler, der die Schauspielerei für sich persönlich als eine Mischung aus Leidenschaft und Arbeit bezeichnet: „Man muss jeden Tag auf der Bühne abliefern. Ich merke, wenn ich viel investiere, bin ich auch besser. Ich darf es aber auch nicht übertreiben, um nicht auszubrennen. Dazu braucht man aber die nötige Gelassenheit, die mit der Erfahrung kommt.“
Die Leidenschaft für die Schauspielerei ist Johannes Emmrich nicht unbedingt in die Wiege gelegt worden – im Gegenteil. „Ich wusste nach dem Abitur nicht, was ich machen sollte. Eigentlich wollte ich Schlagzeuger werden, hab mich aber nicht an die Prüfung getraut“, erinnert er sich mit einem Schmunzeln. Also machte er in Bayern eine Ausbildung zum Musikalienhändler und arbeitete hier bei einem großen Notenversandhändler. Parallel absolvierte er seinen ersten Schauspielunterricht München. „Ich wollte das einfach mal ausprobieren und war sofort begeistert. Da war schnell klar, dass ich das machen will.“
Also verbrachte er die folgenden beiden Jahre damit, sich zu bewerben und vorzusprechen. In der Theaterakademie Vorpommern in Zinnowitz war er erfolgreich und absolvierte hier, wo viele Menschen ihren Sommerurlaub an der Ostsee genießen, seine Schauspielausbildung. „Diese vier Jahre waren eine tolle Zeit. In dieser Zeit habe ich mich nicht nur beruflich, sondern auch menschlich sehr entwickelt. Ich möchte auf der Bühne immer etwas Besonderes erschaffen. Das war auch der Grund, warum ich mich letztendlich für den Beruf des Schauspielers entschieden habe“, erzählt er.
Eine wilde Zeit
Zum Ende der Schauspielschule schrieb Johannes Emmrich mehr als 100 Bewerbungen an unterschiedliche Institutionen in ganz Deutschland. Am Theater Altenburg Gera war das Vorsprechen erfolgreich. So ging es direkt von der Schauspielschule ans Theater. Dieser Sprung sei sehr herausfordernd gewesen. „Ich musste natürlich meine Arbeitsweise umstellen, weil plötzlich mehrere Sachen parallel liefen. Man muss als Schauspieler auf der Bühne funktionieren und gleichzeitig andere Stücke proben. Das musste ich lernen“, erinnert sich der 39-Jährige: „Außerdem waren gerade die ersten Monate eine wilde Zeit. Da bin ich immer von Zinnowitz nach Altenburg gependelt – sieben Stunden auf der Autobahn. Das war ganz schön anstrengend.“
Zweite Liebe: Ostrock
Kultur hatte im Hause Emmrich schon immer eine große Bedeutung. „Mein Vater wollte, dass ich frühzeitig Klavier spielen lerne. Also habe ich mit sieben Jahren angefangen. Glücklich war ich damit nicht immer, im Nachhinein bin ich aber ganz froh.“ Mit 15 Jahren wechselte er zum Schlagzeug. Irgendwann kam dann auch noch die Gitarre dazu. Durch seine musikalische Leidenschaft sammelte Johannes Emmrich auch seine ersten Bühnenerfahrungen – wenn auch nicht ganz freiwillig. „Bei Musikveranstaltungen in der Schule wurde ich immer gezwungen, mitzumachen. Dabei war ich immer furchtbar aufgeregt“, plaudert er lächelnd.
Auch heute noch ist die Musik seine zweite große Leidenschaft. Seine musikalische Liebe gilt dabei dem Ostrock. Diese hat er von seinem Vater in die Wiege gelegt bekommen. Um dieser Liebe Ausdruck zu verleihen, hat er zum Valentinstag 2019 den Liederabend „Lauter leise Lieder“ mit Songs der Puhdys, Karat, Gerhard Gundermann oder Holger Biege im Heizhaus Altenburg auf die Bühne gebracht. Dieser gilt noch heute in der Region als legendär. Dieser Abend ging zurück auf eine Idee von Schauspieldirektor Manuel Kressin, der bei seinem Amtsantritt im Sommer 2017 seine Crew animierte, sich mit eigenen Ideen in die Reihe „Kabarett der Komödianten“ einzubringen. Johannes Emmrich tat dies mit dem Liederabend, aus dem längst sein zweites kulturelles Standbein geworden ist.
Die Neuauflage des ganz besonderen Abends gibt es zu Beginn des kommenden Jahres. Die Premiere von „Wieder leise Lieder“ steigt am 23. Januar 2027 (19.30 Uhr) im Heizhaus. „Die Ostlieder-Abende sind ein absolutes Herzensprojekt von mir. Meine Eltern sind früher mit mir mindestens einmal im Jahr zum Puhdys-Konzert gegangen. Das war für mich immer wie Weihnachten. Die Musik ist für mich auch heute noch ein Stück Geborgenheit. Ich denke, dass geht vielen anderen Menschen auch so“, sagt Johannes Emmrich, der auch bei der Neuauflage Ostrock-Klassiker selbst interpretiert: „Das Singen ist für mich nicht nur eine Beschäftigung, es ist für mich wie Meditation. Das tut mir gut.“
Joggen, Fitnessstudio, Fußball
Wenn Johannes Emmrich nicht gerade auf der Bühne steht oder Texte übt, ist er vor allem in der Natur unterwegs. „In der Natur finde ich wieder meine Balance. Das ist für mich ein guter Ausgleich zum Kunstlicht auf der Bühne.“ Außerdem treibt er in seiner Freizeit viel Sport – geht Joggen, ins Fitnessstudio oder spielt Fußball beim SV Roter Stern Altenburg.
Der typische Sonntag bei Johannes Emmrich – wenn keine Vorstellung auf dem Programm steht – steht ganz im Zeichen der Entspannung. „Sonntags ist einfach alles entspannter. Nicht nur weil probenfrei ist, sondern auch weil die Geschäfte geschlossen haben.“ Nach einer Runde Frühsport und einem entspannten Frühstück zieht es ihn oft im Laufe des Sonntags zu seinem Lieblingsplatz – einer großen Eiche auf einer Wiese in Lödla – zum Texte üben. Andreas Wendt


































