Wirtschaft
Welche Rolle spielen die Wirtschaftsjunioren? Interview mit dem neuen Präsidenten des Vereins, Joachim W. Hamann
Seit einigen Tagen haben die Wirtschaftsjunioren Leipzig einen neuen Vorstand. Mit dem Präsidenten, Joachim W. Hamann, sprach der SachsenSonntag über die Rolle dieser Vereinigung.
Glückwunsch unsererseits zur Wahl! Wir lange sind Sie selbst schon dabei?
Joachim W. Hamann: Seit 2004. In der Zeit lernt man den Verein und seine inzwischen knapp hundert Mitglieder ganz gut kennen.
Was sind denn die wichtigsten Ziele?
Darüber verraten die Arbeitskreise viel. Da gibt es bei uns vier Stück: Unternehmertum (geleitet von Ralf Braune), Marketing und Kommunikation (Maria Feist), Politik, Bildung und Soziales (Kerstin Graß) sowie Internationales (Tina Hoffmann). Innerhalb dieser Arbeitskreise befassen wir uns mit Weiterbildung und Trainings unserer Mitglieder und sozialem Engagement für die Stadt.
Gibt es junge Unternehmer nur in Deutschland?
Wirtschaftsjunioren gibt es weltweit. Die größten Vereine sind allerdings nicht unbedingt in den größten Ländern. An erster Stelle stehen Japan, dann Korea, die USA gefolgt von Deutschland mit etwa 14.000 Mitgliedern an vierter Stelle. Alljährlicher Höhepunkt sind die Welttreffen. Dieses Jahr wird in Taipeh (Taiwan) über den Kongress 2014 entschieden. Dafür hat sich Leipzig beworben. Das wäre ein großer Erfolg für die Stadt. Wenn 5.000 Leute aus der ganzen Welt hier sind, wirbt das auch für Leipzig. Sie stammen aus dem Rhein-Ruhr-Gebiet.
Was bindet Sie an Leipzig?
Ich bin jetzt Chef eines Unternehmens, das Existenzgründer berät. Gegründet wurde es von meinem Vater in Wuppertal. Nach dem Fall der Berliner Mauer kamen die Eltern mit der Firma hierher, wo meine Mutter geboren wurde. Nach dem Studium zum Diplomkaufmann, das ich in Leipzig abschloss, bin ich dann mit eingestiegen und inzwischen Vorstandsvorsitzender der intertreu AG. Bei den Wirtschaftsjunioren lernte ich auch meine jetzige Frau kennen. Die war selbst einmal Präsidentin des Vereins.
Und wegen ihr sind Sie geblieben?
Nicht allein, ich finde auch die Stadt attraktiv. Für die Kinder ist es die Heimat. Und ich habe beruflich die Art der Leute hier schätzen gelernt. Als Berater für 40 bis 50 Existenzgründer im Jahr muss man einander vertrauen können. Sonst gibt es keinen Erfolg. Da habe ich gemerkt, was die hiesige Menschlichkeit bedeutet. Manche denken, die Leute sind nur naiv. Nein, die sind offener. Und das ist sehr angenehm.
Auch für die Wirtschaftsjunioren?
Natürlich. Wir haben doch als Unternehmer eine soziale Aufgabe und Verantwortung für unsere Arbeitnehmer. Allein bei uns sind es sieben. Das ist in einem menschlichen Umfeld leichter wahrzunehmen.
Wie kann man Wirtschaftsjunior werden?
Man muss unter 40 sein und sich ehrenamtlich als Unternehmer oder Führungskraft so engagieren, dass man dem Vorstand empfohlen wird. Der einzelne sollte zum positiven Wandel der Welt durch sein Wirken beitragen. Es ist kein Zufall, dass unser Leipziger Verein auch im Kinder- und Familienbeirat der Stadt einen Platz hat. Man traut uns offensichtlich eine positive Wirkung zu.
Welche Berufe sind bei Ihnen vertreten?
Alle denkbaren – aus nahezu allen Branchen, beispielsweise IT-Spezialisten oder Anwälte, Architekten und Ausbilder, Versicherer, Produktionsunternehmer und Unternehmensberater.
Die Fragen stellte Thomas Biskupek.
Im Bild: Präsident der Wirtschaftsjunioren Leipzig: Joachim W. Hamann. Foto: privat
19.02.12, 08:02






