Porträt
Weihnachten sind Meyers aus dem Häuschen: Flößberger leben im eigenen Weihnachtswunderland
Als Mieter konnten sie ihre Schmucklust nicht ausleben. Aber nachdem Uta (45) und Klaus (54) Meyer aus Flößberg ein eigenes Haus bauten, verwandeln sie es jeweils im Dezember innen und außen in ein Weihnachtswunderland. Und alle Jahre wieder kommt neue Dekoration dazu, nach der das Ehepaar zwölf Monate lang sucht.
Wenn es dunkel wird in der 700-Seelen-Gemeinde Flößberg, beginnen die Lichtspiele mitten im Ort. Da fahren Weihnachtsmänner Rad oder spannen den Rentierschlitten an, sie klettern an einer Leiter hoch oder am Haus hinunter. Schneeflocken rieseln die Tannen herab. Ganz wichtig dabei: „Es muss blinken und flackern. Dann sind wir glücklich“, schwärmt Uta Meyer. Und das gilt auch im Lichtspielhaus.
Weihnachtsdekoration, die nicht leuchtet, führt bei den Meyers eher ein Schattendasein in den Tiefen der Schrankwand. Gut sichtbar platziert dagegen sind singende, klingende Lichthäuser in allen Formen und Farben. Aus einigen kommt ganz in Kuckucksuhrenmanier ein Schnee- oder Weihnachtsmann zum Vorschein. Die Fenster sind mit Schwibbögen erhellt. Mitten im Wohnzimmer steht unter einem künstlichen Baum mit 600 LED-Lichtern ein etwa 1,50 Meter großer Weihnachtsmann. Zugegeben, der leuchtet nun zwar nicht, aber in ihm schlummern andere Qualitäten. Auf Knopfdruck beginnt er zu singen und die Hüften zu schwingen. Bei Kaffee und Stolle lassen ihn Meyers regelmäßig antanzen. „Wir brauchen keinen Winterurlaub“, meint Uta Meyer. „Wir erholen uns am besten in unserem Weihnachts-Spa.“
Vor 15 Jahren legte das Ehepaar hierfür den Grundstein. Das eigene Haus brachte endlich die lang ersehnte (Schmück-) Freiheit. Seitdem durchkämmen Uta und Klaus Meyer regelmäßig Bau- und Weihnachtsmärkte. Sie sind immer auf der Suche nach neuen Lichtboten, die die Weihnachtszeit verkörpern. Anregungen holen sie sich auch auf Weihnachtsmärkten in ganz Deutschland oder bei „Wettbewerbern“ in anderen Städten. „Hören wir von einem, setzen wir uns ins Auto und fahren einfach mal hin“, erzählt der Hausherr. „Daraus sind schon Freundschaften entstanden.“
Jeweils am Montag vor dem ersten Advent beginnen die Meyers mit dem Aufbau. Eine logistische Meisterleistung. Kilometerlange Kabel müssen gezogen werden. Allein für die Außenbeleuchtung gibt es 17 zentrale Schaltstellen. Die alle muss Klaus Meyer betätigen, wenn abends die Lichtspiele beginnen. Sie dauern bis etwa 21 Uhr. Weihnachten wird verlängert.
Längst ist es in Flößberg Heiligabend Tradition, dass die Kirchgänger nach der Christvesper einen Spaziergang zum Lichthaus machen und sich dort für ein paar Minuten verzaubern lassen. Und wenn dann die Meyers das Oh und Ah der Kinder hören, wissen sie, dass sie die Hunderte Euro Stromkosten richtig angelegt haben.
Thomas Gillmeister
21.12.11, 13:12






