Blickpunkt

Tolle Gala, glückliche Gewinner – „The Queeng of Ama*r“ gewann den Bewegungskunstpreis 2016

Samstagnacht wurde das Geheimnis gelüftet: Der Leipziger Bewegungskunstpreis 2016 geht an Inga Gerner Nielsen und Johannes Maria Schmit für ihre Performance „The Queeng of Ama*r“!

 

 

Mit der Preisverleihung im Rahmen einer Gala in der naTo endete das zweitägige Bewegungskunst-Festival, bei dem alle drei für den Preis nominierten Stücke noch einmal vor gut gefüllten Rängen im LOffT, in der Schaubühne Lindenfels beziehungsweise in der naTo aufgeführt wurden.

Die Jury hatte sich dem Vernehmen nach diesmal schwergetan, aus den 21 Bewerbungen den Empfänger der Trophäe und des 5000-Euro-Preisgeldes herauszupicken. Warum sie sich schließlich für die interaktive Performance „The Queeng of Ama*r“ entschied, lag an deren Qualität. Diese reflektiere den Begriff Armut, ohne in Sozialromantik zu verfallen. Sie verführe zu dem „revolutionären“ Gedanken, dass Armut der wahre Reichtum sei. Der Grund: materieller Besitzstand lasse die Vorstellungskraft verarmen. Anerkennung und Wertschätzung würden nur qua Währung verteilt, wodurch ein Großteil der Menschen ins Abseits gestellt werde. Armut dagegen, das demonstriert die/der Queeng (ein königlicher Hermaphrodit), erfordere Erfindungsreichtum und Solidarität – all das, was sich mit Geld nicht kaufen lasse.

Beglückwünscht von Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke, LAV-Geschäftsführer Thomas Jochemko und dem Vorsitzenden des Bewegungskunst e. V., Ronald Schubert, nahmen Inga Gerner Nielsen und Johannes Maria Schmit überglücklich die Preisskulptur in Empfang. Und beider sieben Monate kleine Tochter dachte nicht daran, diesen großen Moment zu verschlafen. Die junge Familie kehrt alsbald in Ingas dänische Heimat zurück. Dort wird an einem neuen Projekt gearbeitet, wofür das Preisgeld – gestiftet vom Leipziger Anzeigenblatt Verlag (LAV) und dessen Kunden – wie gerufen komme.

Weitere Höhepunkte an diesem von Stefan Ebeling moderierten Galaabend waren ein Gastauftritt der französischen Improtheaterkünstler Marko Mayerl und Matthieu Loos sowie die Leipzig-Short-Cuts-Revue, eine Abfolge dreiminütiger „Kurzbeiträge“, in denen Bewerber und Preisträger der vergangenen Jahre selbst überlassen blieb, was sie auf die Bühne brachten. Das kam beim Publikum gut an, Applaus gab’s reichlich.

Nach Mitternacht dann spielte das Straßenmusiktrio The Coins im Saal auf, kamen Macher und Freunde der Freien Szene bei Häppchen vom Büfett und Sekt miteinander ins Gespräch.

Mit dem Leipziger Bewegungskunstpreis werden seit 2005 herausragende Leipziger Produktionen der Freien Szene aus der jeweiligen Spielzeit honoriert. Der Preis versteht sich als Förderung für künftige Inszenierungen und ist eine der höchstdotierten Auszeichnungen für Darstellende Kunst in Deutschland. hb

Bild: Gruppenbild mit den Preisträgern Inga Gerner Nielsen mit Töchterchen Liv und Johannes Maria Schmit (3.v.r.): LAV-Geschäftsführer Thomas Jochemko, Bewegungskunstvereins-Vorsitzender Ronald Schubert (r.) und Moderator Stefan Ebeling (l.) gehörten zu den ersten Gratulanten. Foto: JFM

14.02.17, 14:02