Sonntagsfrühstück

Tief verbunden mit literarischem Geist – Heute mit: Jonas Plöttner (Leipziger Verleger, Mitbegründer des Reclam-Museums)

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Wenn schon Frühstück, dann ordentlich und vor allem in der richtigen Gesellschaft! Dazu gehört – wenn Frau und Kinder  nicht mit am Tisch sitzen können – auf jeden Fall die schwarze Susi. Das lässt sie sich nicht nehmen, die Katze des Hauses. Ist Herrchen am Tisch, dann heißt es: aufgesprungen und schon mal mitgenascht, wenn dieser grad mal in den Büchern blättert, statt ins leckere Marmeladenbrötchen zu beißen … „Susi liebt es, es sich bei mir auf der Schulter bequem zu machen und mir beim Essen zuzuschauen. Da fällt schon mal ein Leckerli ab und sie dankt es mit besonders schmusig-schnurrenden Liebesbeweisen. Und ich liebe es auch, mein kleines schwarzes Schmusetier“, posiert Jonas Plöttner stolz mit seiner Susi am sonntäglichen Frühstückstisch auf dem „Buckel“.

Zeit für diese entspannende Art des Frühstücks ist nicht oft, denn Jonas Plöttner, Leipziger Verleger und inzwischen auch Museums-Mitgründer, ist ein vielbeschäftigter Mann. Auch am Sonntag. Dabei ist sein Hobby inzwischen sein Beruf: das Sammeln und Lesen von Büchern in ihrer ursprünglichen Form – als gedruckte Exemplare zum Anfassen, Umblättern und auch schon mal zum Einknicken einer Ecke, wenn man kein „ordentliches“ Lesezeichen hat … („Mach das mal mit ’nem E-Book“, weist er lachend auf diese oft praktizierte Un-Sitte hin …)

Bücher sind sein Leben
Bücher sind seine Leidenschaft. Schon Mutter bzw. Großmutter haben aus den geheimnisvollen, wunderschön illustrierten und kunstvoll gebundenen  Blättersammlungen vorgelesen und auch der Vater konnte in ihm das Interesse für Bücher, Literatur, Kunst und Musik wecken. „Ein Buch ist etwas Geheimnisvolles. Es weckt unsere Fantasien, unsere Sehnsüchte und Wünsche, schärft unsere Sinne und entführt in so manchen Traum.“
Vielleicht liegt die Affinität und besondere Liebe zum Buch aber bereits in seinem räumlichen Zuhause bei der Großmutter. Hier wächst er nach dem frühen Tod der Eltern in unmittelbarer Nachbarschaft von Anton Philipp Reclam auf. Er gilt als Gründer und „Erfinder“ der Universalbibliothek im Jahre 1867 – einer preiswerten Volksausgabe literarischer Klassiker aller Genres.

Von Haus aus Naturwissenschaftler (Erkundungsgeologe), geht Plöttner nach der Wende als Vermessungstechniker nach Düsseldorf. Eine gute Arbeit, die ihn viele Jahre erfüllt, ihm das heimatliche Leipzig jedoch nie ersetzen kann. Nach sieben Jahren kehrt er zurück zu seinen familiären Wurzeln und wohnt wieder im Haus der Großmutter. Da hat der Geist Reclams längst in seinem Inneren Einzug gehalten. Fünf Jahre später ist der persönliche und be­rufliche Reifeprozess des  Reclam-Fans, Buchliebhabers und Gedichteschreibers Jonas Plöttner zum künftigen Verleger abgeschlossen. „Ich wollte nie einen Regionalverlag gründen. Meine Autoren kommen aus ganz Deutschland und unsere Literatur muss man deutschlandweit verkaufen können. Wir verlegen Belletristik, Sach- und  Kunstbücher, Kunstkataloge …“, erklärt er die nicht nur räumliche Nähe zur Familie Reclam: „Man kann alles in einem Verlag herausbringen. Aber man muss seinem Verlag ein eigenes Gesicht geben. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.“ Man mag ihm eine gewisse Verrücktheit nachsagen, Belletristik zu verlegen, deren Markt längst übersättigt erscheint und deren Digitalisierung noch immer im virtuellen Raum steht. Fest steht jedoch, Plöttner weiß, was er tut. Denn er ist sich sicher, dass es das gedruckte, greif- und lesbare Buch immer geben wird und dass man seine Ursprünge über Jahrhunderte bewahren und schützen muss.

Museumsgründung
Um dieser Vision ein authentisches Gesicht zu verleihen, gründet der 45-Jährige im November 2011  gemeinsam mit dem Germanisten Dr. habil. Hans-Jochen Marquardt und dem Buchhändler und Reclam-Sammler Georg Ewald das Literarische Museum im traditionsträchtigen Reclam-Haus. Der Gründungstag ist bewusst gewählt und schreibt exakt auf den Tag genau 144 Jahre später die Geschichte der Reclam-Universalbibliothek weiter. Mit einer Dauerausstellung, der Einrichtung einer Präsenz-Bibliothek mit Lesekabinett und jährlich mehrmals wechselnden Ausstellungen wird an geschichtsträchtigem Ort der Bedeutung Reclams als „Reformator“ für bezahlbare Bücher Rechnung getragen. „Wir geben der Buchstadt Leipzig ein Stück Geschichte zurück. (Ost-)Deutschland soll das Leseland bleiben, was es schon immer war“, blickt der Verleger und Museumsgründer Jonas Plöttner optimistisch in die literarische Zukunft.

M. Frenzel

www.literarisches-museum.de
www.ploettner-verlag.de

 

11.01.12, 10:01