Blickpunkt

The winner is … „Wonderwomen“! – 13. Leipziger Bewegungskunstpreis ging am Samstag an Melanie Lane

Von Mittwoch bis Samstag stand beim fünften Bewegungskunst-Festival die vielseitige, bunte und bewegte Leipziger Off-Theaterszene im Rampenlicht. Höhepunkt und Anlass des Festivals war die Verleihung des Leipziger Bewegungskunstpreises 2017, der am Samstagabend in der Schaubühne Lindenfels verliehen wurde.

Die 5000 Euro Preisgeld erhält die australischstämmige Choreografin Melanie Lane für ihre Tanzperformance „Wonderwomen“. Mit ungewöhnlicher Grazilität und Eleganz setzt sie darin die professionellen Bodybuilderinnen Rosie Harte und Natalie Schmidt spannungsreich und vielschichtig in Szene. Das Stück wirft einen Blick auf die höchst anspruchsvolle Sportart, welche Körper sowohl verstärkt als auch transformiert. Im Streben nach einer ultimativen physischen Form bringen die Frauen ihre gut ausgebildeten Körper und ihr Potenzial in eine neue Bewegungssprache. Als Dialog zwischen Stärke und Zerbrechlichkeit, Repräsentation und Transformation ist „Wonderwomen“ der Versuch, den weiblichen Körper neu zu entdecken, zu erfinden und zu behaupten.

„Mit ihrer Performance ,Wonderwomen‘ gelingt es Melanie Lane auf wunderbare und kunstfertige Weise, unzählige Fragen und Assoziationen in die Köpfe ihres Publikums zu pflanzen. Sie und ihre Spielerinnen Rosie Harte und Nathalie Schmidt bringen mit großer Lust und durch präzise Spielweise Unordnung in das von ihnen ausgebreitete Feld von Körper- und Geschlechterbildern. Und das große Verdienst der damit einhergehenden Verunsicherung liegt da-rin, dass sie das Schweigen vermeintlicher Gewissheiten bricht. Denn wir haben es heute nötiger denn je, die Bilder und Vorstellungen, die wir mit uns herumtragen und mit denen wir uns und andere messen und bewerten, infrage zu stellen und immer neu zu diskutieren. ,Wonderwomen‘ ist eine hervorragende Gelegenheit, um in diesen Diskurs einzusteigen“, so die Jury in ihrer Laudatio zur Preisübergabe, vorgetragen von Diana Wesser.

Weitere Anwärter für den Preis waren „Am Brühl – Ein Abriss“ von Sascha Schmidt und „Candide oder Die letzte aller möglichen Welten“ der Compania Sincara.

Die drei Nominierten für den Bewegungskunstpreis 2017 wurden von der fünfköpfigen Jury, bestehend aus den Leipziger Kulturexperten und -expertinnen Maria Koch, Diana Wesser, Lars Krüger, Steffen Georgi und Tobias Prüwer aus insgesamt 27 Einreichungen der Saison 2016/2017 ausgewählt und erhielten die Möglichkeit, im Rahmen des Bewegungskunst-Festivals ihr Stück erneut in voller Länge zu präsentieren.

Nach der Vorstellung von „Wonderwomen“ am vergangenen Mittwoch nach der Festivaleröffnung im LOFFT brachte die Compania Sincara am Freitagabend „Candide oder Die letzte aller möglichen Welten“ auf die Bühne am Lindenauer Markt. Das Publikum im ausverkauften Saal fand hörbar Gefallen an dem fürs Sommertheater konzipierten Stück – gleichwohl diesem durchaus ernstzunehmende philosophische Überlegungen Voltaires zugrunde liegen. Mit ihrem intensiven Spiel und der grotesken Darstellung der einzelnen Charaktere sorgten die Akteure einhergehend mit einer Vielzahl zündender Pointen für amüsante zweieinhalb Stunden.

Das dritte nominierte Stück, „Am Brühl – Ein Abriss“, gelangte schließlich am Samstag in der naTo noch einmal zur Aufführung – bevor in der Schaubühne Lindenfels die festliche Gala mit der Preisverleihung ihren Anfang nahm.

Der Leipziger Bewegungskunstpreis

Der Bewegungskunstpreis wird seit 2005 an herausragende Produktionen des Tanz- und Sprechtheaters und der Performance-Kunst aus dem großen Bewerberfeld des freien Theaters in Leipzig vergeben. Die Verleihung findet im Rahmen des Bewegungskunst-Festivals statt, das durch die Förderung des Kulturamtes der Stadt Leipzig ermöglicht wird. Dafür nominierte eine fünfköpfige Jury drei Produktionen, wovon zum Abschluss des Festivals der Gewinner gekürt wird. Der Leipziger Bewegungskunstpreis versteht sich als Förderpreis für künftige Inszenierungen und ist mit 5000 Euro eine der höchstdotierten Auszeichnungen für freie darstellende Künste in Deutschland. Sein Anliegen ist es, die Kulturlandschaft, insbesondere die darstellenden Künste, in den öffentlichen Fokus zu rücken und das Engagement lokaler Produktionen zu würdigen. Ermöglicht wird der Preis durch das Engagement des Leipziger Anzeigenblatt Verlags (LAV) als Stifter und Mitinitiator des Wettbewerbs sowie dessen Kunden. Seit 2012 steht der Bewegungskunstpreis unter der Schirmherrschaft von Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung. PM/hb

Bild: Nahmen den Bewegungskunstpreis 2017 für die Produktion „Wonderwomen“ entgegen: Nathalie Schmidt und Florian Bücking. Foto: JFM

07.02.18, 08:02