Porträt

Pflegemama für Storchenkinder – Saskia Keller bringt drei Jungstörche auf die Beine

Diese Ersatzmama kümmert sich rührend um ihre Pflegekinder. Weil die drei Jung­störche zu verhungern drohten, baute ihnen Saskia Keller (32) über Nacht ein Ersatznest. Sie päppelt ihre gefiederten Schützlinge auf und hilft ihnen dabei, flügge zu werden.

 

Nun gehört Klappern mit zu ihrem Handwerk. Denn ihre drei niedlichen Nesthocker sollen möglichst naturnah aufwachsen. Viermal am Tag füttert Saskia die Störche mit Fleisch und Fisch. Dankend nehmen die Adebare die Häppchen von der Ersatzmama an. Sie hat zwar keinen Schnabel, aber dafür als Tochter eines erfahrenen Falkners wertvolles Wissen rund um Wildvögel. Mit viel Fingerspitzengefühl versucht sie die Tiere zu retten, ohne sie handzahm zu machen oder sie etwa mit einem Namen anzusprechen.

Die engagierte Chefin der Wildvogelauffangstation Dresden half in den letzten Jahren schon immer mal einem Storch, der sich durch Windräder oder Stromleitungen verletzte. „Doch eine ganze Storchen-Kindergarten-Gruppe hatte ich noch nie“, meint sie augenzwinkernd. Zu ihr kam sie durch einen Hilferuf aus dem Osterzgebirge.

In der 500-Seelen-Gemeinde Reinholdshain bei Dippoldiswalde zählt der Horst in himmlischer Höhe seit den 1990er-Jahren zu den Attraktionen des Ortes. Groß war der Jubel, als man in diesem Jahr gleich fünf Junge beobachten konnte. Die sensiblen Reinholdshainer bemerkten aber, dass der Storchenpapa kränkelt und sich deshalb nicht um den Nachwuchs kümmerte. Weil seine Angetraute mit fünf Kindern heillos überfordert war, griffen Naturschützer ein, um die Jungtiere vor dem Hungertod zu bewahren. Feuerwehrleute holten drei Pechvögel aus dem Horst (zwei schafft die Störchin allein zu füttern). In der rund 25 Kilometer entfernten Wildvogelauffangstation fanden sie vorübergehend ein neues Nest.

Praktikerin Saskia baute innerhalb weniger Stunden aus Holzresten den ersten Horst ihres Lebens und legte ihn mit Stroh aus. Das scheue Trio nahm ihn dankend in Besitz. Nun wagen die wenigen Wochen alten Störche die ersten Stehversuche. „Meine Schützlinge sind zwar noch etwas tollpatschig, doch haben sie hier alle Ruhe der Welt, um sicher auf die Beine zu kommen“, erzählt die Pflegemama.

Schon als Kind zog sie kranke und verstoßene Wildtiere auf. Lange Zeit träumte die gelernte Bürokauffrau davon, aus ihrem Hobby einen Job zu machen. 2012 war es so weit. Sie übernahm die Leitung der Wildvogelstation vom Umweltzentrum Dresden e. V. Seitdem pflegt sie mit vielen freiwilligen Helfern pro Jahr bis zu 1300 gefiederte Patienten: von der Schleiereule über den Goldammer bis hin zum Wendehals. Der überwiegende Teil der Tiere ist nach der fachgerechten Pflege fit für ein Leben in freier Wildbahn. Und so hofft Saskia Keller, dass sie auch ihre Jungstörche einmal wieder in die Natur entlassen kann.

Tipp: Wer spenden möchte, findet das Spendenkonto unter www.uzdresden.de.

Thomas Gillmeister

Bild: Storchenmahlzeit: Geschickt füttert Saskia Keller ihre Schützlinge. Foto: PICTURE POINT/Kerstin Kummer

12.07.17, 08:07