Sonntagsfrühstück

Liebesgrüße aus Moskau: Vyacheslav A. Logutov

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Wenn jemand in aller Welt gelebt und gearbeitet hat, darf man seinem Urteil glauben, wenn es um die Lebensqualität geht. Leipzig schneidet im Urteil des russischen Generalkonsuls Vyacheslav A. Logutov gegenüber Bangkok, Washington und New York City gut ab, ja, es sind regelrechte Liebesgrüße, die der gebürtige Moskauer an seine neue Wahlheimat sendet.

“Das Schicksal wollte es so, dass ich nach Leipzig komme. Und was für eine Stadt! Sie ist nicht so riesig, hat eine entwickelte Wirtschaft, die großartige Kultur, jede Menge Sport.” Gefragt nach seinen Lieblingsplätzen, gerät der Diplomat, der ansonsten Zurückhaltung und Etiketten verpflichtet ist, regelrecht ins Schwärmen. Er preist die Vorteile gegenüber den riesigen Großstädten, die er bislang bewohnte, die gute Infrastruktur, die gute Luft, die vielen Parks und das Grün, das Wasser sowie den “wunderbaren Zoo”, dessen tierische Geräuschkulisse er an seinem Arbeitsplatz im Konsulat hören kann. “Das stellt eine positive Arbeitsstimmung her”, beteuert Logutov.

Herzenswunsch

Und Arbeit hat er ausreichend. Gemeinsam mit seinem zehnköpfigen Team bearbeitet er vor allem Pass- und Visaangelegenheiten, kümmert sich um die Belange russischer Bürger in Deutschland sowie die Repräsentation seines Staates in Deutschland. Im letzten Jahr wurden exakt 53 804 Visumvorgänge bearbeitet. Rund 40 000 Russen leben in Sachsen und Thüringen, dem Zuständigkeitsbereich des Konsulates in Leipzig. Auch die über 200 russischen Kriegsgräberstätten, die allein in Sachsen zu finden sind, stehen unter der Obhut des Generalkonsulates. Derzeit wird inventarisiert und katalogisiert, wie der Zustand dieser Stätten ist und was zu tun ist. Ein Anliegen, das Logutov selbst sehr am Herzen liegt. Sein Vater war im Zweiten Weltkrieg, einige Verwandte hat er durch den Krieg verloren.

Repräsentative Aufgaben gehören ebenso zu den Aufgaben wie die Zusammenarbeit mit Vereinen und Organisationen, in denen russische Bürger arbeiten. “Wir leisten einen wichtigen Beitrag zur Integration russischer Bürger in die deutsche Gesellschaft unter Wahrung ihrer russischen Eigenart”, so der Generalkonsul. Es sei wichtig, seine Wurzeln nicht zu vergessen und nicht auf seine eigene Sprache zu verzichten. Auch sei zu beobachten, dass seit der politischen Wende weniger Russisch in Deutschland gesprochen werde, also unterstütze man jegliche Bemühungen, dies wieder zu ändern. So vermittle man beispielsweise bei dem Projekt, russischsprachige Bücher, nachdem sie auf der Leipziger Buchmesse ausgestellt worden sind, an Bibliotheken, Einrichtungen und die Uni Leipzig zu geben – kostenfrei und für eine möglichst große Öffentlichkeit. Deutsche, EU- Bürger und Bürger der Drittstaaten welche ein Visum für eine Reise in die Russische Föderation beantragen wollen, sind im Konsulat in der Turmgutstraße 1 richtig.

Die Geschichte des russischen Generalkonsulates in Leipzig reicht lange zurück. Zarin Katharina II. hatte es vor 228 Jahren gegründet, um die Interessen ihres Reiches in Deutschland zu wahren. Als 30. Generalkonsul seit 1954 verrichtet Vyacheslav A. Logutov seit Dezember 2010 seinen Dienst in Leipzig. Bei all den Pflichten und Aufgaben kommt er nur sehr selten dazu, den Tag in aller Ruhe zu beginnen. Am Sonntag aber ist es so weit, denn dann lässt sich der Diplomat Zeit für ein gemütliches Frühstück mit der Familie. Zunächst geht er mit seinem Hund Massja (“ein Gedicht, dieser Hund!”), einem in Deutschland geborenen York Beaver, den er aus Moskau wieder nach Deutschland mitgebracht hat, Gassi.

Nachrichten und Zeitung gibt es auch am Sonntag, denn ein Generalkonsul muss immer gut informiert sein. Das Frühstück selbst steht in guter russischer Tradition. Deshalb gibt es neben dem obligatorischen Spiegelei, belegten Broten, Kaffee und Kakao. Anschließend geht es hinaus in die Natur, mit Hund oder Fahrrad, in die City oder die Parks oder an den Cospudener See. Den liebt Herr Logutov besonders, ihn erstaunt vor allem die Sauberkeit des Wassers. So ist der Sonntag ein ruhiger Tag, mit dem er die kommende Woche vorbereitet – damit er Kraft und Geduld für all die auf ihn wartenden Aufgaben hat.

Jens Fuge

27.11.11, 11:11