Porträt

Ihr wunderbarer Nähsalon: Lydia Gothe bietet gemütlichen Platz an der Nähmaschine

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Vorbei die Zeiten, in denen die Nähmaschine zur Grundausstattung eines Haushalts gehörte. Wer trotzdem schneidern möchte, dem bietet Lydia Gothe (28) aus Leipzig einen Platz auf Zeit an. In ihrem wunderbaren Nähsalon kann man sich eine Maschine mieten. Praktische Tipps und Tee sind inklusive.

Hier lebt die gute alte Stube wieder auf. Lydia Gothes Gabe: Gemütlichkeit schaffen. Opa Franz (82) spendierte seiner Enkelin ein paar Möbel, die sie mit preiswerten Flohmarktstücken kombinierte und aufpeppte. Mit Stoff natürlich, denn er ist es, aus dem ihre Träume sind. Sie überzog in ihrem Nähsalon Sessel, Lampenschirme, Tische und gar Wände. So zeigt sie anderen „Selbstversorgern“ gleich, was mit modernem Stoff alles möglich ist. Dafür stehen fünf Nähmaschinen aus den 60er- bis 80er-Jahren bereit. Die sammelte Lydia Gothe aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis zusammen und ließ sie in einer Fachwerkstatt auf Vordermann bringen.

Ohne Kredite, aber mit viel Ideen und Enthusiasmus startete die Kunstpädagogin vor einem Jahr ihr Projekt mit dem Fantasienamen „Lydiatrudi“. Was in Paris die beiden Frauen Martena Duss und Sissi Holleis seit Jahren erfolgreich praktizieren, möchte die Jungunternehmerin nun auch in Klein-Paris salonfähig machen: Das Nähen in Wohnzimmeratmosphäre an einer gemieteten Maschine. „Heutzutage im Computerzeitalter gibt es in der Wohnung meist gar keinen Platz mehr für die Nähmaschine. Sie landete deshalb oft im Keller oder sogar auf dem Müll“, weiß Lydia Gothe. „Doch mit der Rückbesinnen auf alte Traditionen, auf Individuelles und Selbstgefertigtes fehlt auf einmal ein Rückzugsgebiet für Hobby-Näherinnen.“ Das bietet sie nun auf geschmackvoll eingerichteten, in warmem Grün gehaltenen 50 Quadratmetern an.

Vormittags näht Lydia Gothe in der Regel allein Auftragsarbeiten: vom Fahrradsattelbezug über Namenskissen bis hin zum Vorhang. Nachmittags und samstags öffnet sie ihren Nähsalon für alle Interessierten, „die zu 90 Prozent Frauen zwischen 20 und 40 Jahren sind“, stellte sie fest. Die Stunde an einer gemieteten Maschine kostet sechs Euro. Das „Du“ ist hier Ausdruck eines Gemeinschaftsgefühls. Gern gibt man sich gegenseitig Ratschläge. Wer möchte, kann auch in angebotenen Kursen seine Fingerfertigkeiten schulen. Während am Anfang vor allem Frauen kamen, die gleich um die Ecke wohnen, finden nun Hobby-Näherinnen aus ganz Leipzig den Weg zu Lydia Gothe. Nicht zuletzt wegen ihrer farbenfrohen, ausgefallenen Stoffe, die sie überwiegend direkt aus Amerika importiert.

Inzwischen hinterlässt Lydia Gothe auch deutschlandweit im Fernsehen ihre Visitenkarte. Denn sie bezieht regelmäßig die Interview-Couch im RTL-Magazin „Punkt 12“ zu einem bestimmten Thema.

Thomas Gillmeister

Kontakt: www.lydiatrudi.com

25.01.12, 09:01