Porträt

Herz-Junge wird erwachsen – Maurice Jost lebt seit sieben Jahren mit einem Spenderorgan

Er rührte einst die Herzen der Rundschau-Leser. Maurice wartete als kleiner Junge auf ein Spenderorgan. 15 Monate dauerte der Wettlauf gegen die Zeit, den die Mediziner und Maurice gewannen. Ihm wurde ein Herz transplantiert. Erfolgreich. Seitdem kämpft er sich kraftvoll zurück ins Leben, denn dem Tod möchte der 16-Jährige so schnell nicht wieder in die Augen schauen müssen.

Schlank, fit und durchtrainiert kommt er daher. Dass er einmal durch die Hölle ging, sieht man ihm heute nicht mehr an. Gerade entdeckt Maurice aus Heinrichsort bei Zwickau die erste Liebe. Er ist ein ganz normaler Teenager mit Träumen. Die kann er jetzt wieder unbeschwert haben, denn die vergangenen sieben Jahre bewiesen, dass sein neues Herz ein Teil von ihm geworden ist und voll funktioniert!

Sein altes Kummerorgan brachte ihn in Lebensgefahr. Nach einer Herzmuskelentzündung drohte es bei dem damals Siebenjährigen zu versagen. In einer dramatischen nächtlichen Rettungsaktion im Herzzentrum Leipzig erhielt er als Zwischenlösung ein Kunstherz. Seitdem hing Maurice im Krankenhaus an einer Maschine. Quälend lange 450 Tage.

Und trotz dieser unheimlich anstrengenden Zeit war der Junge aufgeweckt, eroberte mit seinem Lausbubencharme die Herzen aller Mitarbeiter der Kinderstation. Mutter Yvonne wich ihrem Sohn nicht mehr von der Seite, bis ein Spenderorgan gefunden wurde. Am 28. Oktober 2010 konnten es Spezialisten endlich transplantieren.

Der Junge war zu dem Zeitpunkt der jüngste Transplantationspatient in der Geschichte des Leipziger Herzzentrums. „Danach fühlte ich mich wirklich wie neugeboren“, erinnert sich Maurice. „15 Monate war ich täglich 24 Stunden über dicke Schläuche mit der Maschine verbunden und dem dauernden Rauschen ausgesetzt. Und plötzlich hörte ich die Vögel zwitschern. Das war für mich das Zeichen: Ich bin zurück im Leben“, blickt Maurice zurück.

Neubeginn mit neun Jahren. Ein unglaublicher Kraftakt in der Kindheit. Gehen, Treppen steigen, Fußball spielen – langsam, Schritt für Schritt tastete sich der starke Junge wieder an den ganz normalen Alltag heran. Und das unter erschwerten Bedingungen. Denn damals musste er nach der Transplantation täglich bis zu 20 Tabletten schlucken. Eine der Nebenwirkungen: Maurice nahm zeitweise extrem zu.

Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Er hat sein 60-Kilogramm-Wohlfühlgewicht erreicht. Zahnarzthelferin Yvonne (42) ist mächtig stolz auf ihren Sohn. „Er kämpft wie ein Löwe“, erzählt sie. Die gemeinsam durchgestandene Zeit im Krankenhaus schweißten Mutter und Sohn noch enger zusammen.

Sie sind ein eingespieltes Team, in dem sich jeder ohne große Worte auf den anderen verlassen kann. „Maurice hat auch goldene Handwerkerhände. Ist etwas im Haus kaputt, repariert er es unkompliziert“, schwärmt Yvonne Jost und ist in Gedanken schon bei der Berufswahl ihres Sohnes, der gern Handwerker werden möchte. „Am liebsten etwas mit Holz“, schwebt dem Schüler nun vor.

Thomas Gillmeister

Bild: Vor acht Jahren ein Knirps mit einem Kunstherz. Heute fühlt sich Maurice mit dem neuen Herz voll fit. Fotos: PICTURE POINT/Roger Petzsche, Gabor Krieg

07.03.18, 08:03