Porträt

Großer Minibuchsammler – Leipziger Original Kurt Gerhard Franke wäre heute 100 Jahre alt geworden

Über 2500 Minibücher trug Kurt Gerhard Franke zeitlebens zusammen. Nach seinem Tod trat Sohn Torsten (52) das einmalige Erbe an. Er bewahrt die bibliophilen Werke im Bonsaiformat und pflegt die Tradition des Minibuchsammelns weiter. Ganz im Sinne seines Vaters, der heute 100 Jahre alt geworden wäre.

Viele Sammler schauen mit mulmigen Gefühlen in die Zukunft, wenn sie daran denken, wer ihr Lebenswerk einmal weiterführt. Kurt Gerhard Franke hatte da schon frühzeitig einen Plan geschmiedet, der voll aufging. Der Vater begeisterte einfach seinen Sohnemann für Minibücher.

Und so stöberte das Gespann jahrzehntelang gemeinsam kleine Kostbarkeiten auf. Auch heute noch stehen sie geordnet in Reih und Glied an Ort und Stelle. Die Buchrücken schließen am Regalrand ab. Alte Schule in gewohnten Räumen. Denn nachdem Kurt Gerhard Franke mit 88 Jahren an Krebs gestorben war und auf dem Südfriedhof seine letzte Ruhe fand, zog sein Sohn auch der Sammlung wegen zurück zur Privatbibliothek seines Vaters.

Dieser hatte sie ab den 1950er-Jahren aufgebaut. Kurt Gerhard Franke besaß sein erstes Minibuch aber schon in der Schulzeit: ein Deutsch-Englisch-Wörterbuch. Mit ihm begann die Sammelleidenschaft. Bei seinen Streifzügen durch die Leipziger Antiquariate spürte der damalige Student vor allem Goethes Werke im Westentaschenformat auf.

1983 war der Lehrer Mitbegründer des „Ersten Deutschen Miniaturbuch-Verein Leipzig“ e. V. und leitete ihn viele Jahre, organisierte Ausstellungen und Sammlertreffs. Mit 77 (!) Jahren rief der Belesene vom heimischen Wohnzimmer aus einen kleinen Versandhandel für Minibücher ins Leben und machte sich so deutschlandweit einen Namen. Außerdem erfüllte sich Frohnatur Kurt einen lang gehegten Wunsch. Er veröffentlichte ein eigenes Miniaturbuch.

In „So ä Diggnischl“ benannte er sächsische Schimpfwörter und doppeldeutige Liebesbekundungen. Das Buch hat einen Ehrenplatz in der Sammlung, die Sohn Torsten nun weiterführt. Für den Computerspezialisten ist der Umgang vor allem mit den oft ledergebundenen Schönheiten aus dem 17. bis 20. Jahrhundert eine willkommene Abwechslung zum Job und Hobby Nummer eins.

Übrigens, ganz wie sein Vater, legt auch Torsten Franke schon früh den Grundstein für eine würdige Nachfolge. So arbeitet sein Sohn Patrick (24) als Bibliothekar. Die beste Voraussetzung, dass er einmal die Sammlung in dritter Generation übernehmen wird.

Thomas Gillmeister

Bild: Er war stolz auf sein eigenes Minibuch „So ä Diggnischl“: Kurt Gerhard Franke. Foto (Archiv): PICTURE POINT/Sven Sonntag

10.01.18, 08:01