Wirtschaft
Einheimische Unternehmer entscheiden: Ausstellungserfolge durch beteiligte regionale Firmen
In Leipzig über Messe zu reden, sei wie Eulen nach Athen zu tragen, meinen manche: Leipzig ist Messe. Tatsächlich sieht das aber nicht immer so aus. Erstens gibt es genügend andere Messestädte, und alle konkurrieren miteinander. Und zweitens funktionieren Messen nur, wenn die entsprechenden Unternehmen sie nutzen.
Als beispielsweise die Modebranche vor ein paar Jahren nicht mehr auf Leipzig setzte, verschwanden die Modemessen. Als die Spielehersteller nach Köln zogen, musste die erfolgreiche Games Convention aufgeben.
Was bringt die Messe?
Bleibt die Frage: Was entwickelt sich jetzt auf dem hochmodernen Gelände? Die Verantwortlichen zeigen sich optimistisch. Der Sprecher der Geschäftsführung, Martin Buhl-Wagner, meint, man stünde als integrierter Messedienstleister mit Service- und Tochternetzwerk auf festen Säulen. Die strategische Neuausrichtung trage Früchte. „Wir übernehmen das komplexe Management und verknüpfen Serviceleistungen.“
Die Zahlen, die Buhl- Wagner und sein Partner, Markus Geisenberger, vorlegen, sprechen für sich: Rund eine Million Gäste besuchten im Vorjahr die 36 Messen, 93 Kongresse sowie 34 Veranstaltungen. Zu den Messen kamen rund 11.500 Aussteller. Die Unter nehmensgruppe schließt mit einem Umsatz von etwa 68 Millionen Euro ab.
Mit 31 Messen sowie vielen Kongressen und messebegleitenden Fachprogrammen setzt die Messe ihre Programme 2012 fort. Dazu zählt die Publikumsmesse „Die 66“, die sich an die Zielgruppe der über 50-Jährigen wendet und in München seit acht Jahren Zuspruch findet. Ebenfalls neu ist die new mobility, die zeitgleich mit der Fachmesse euregia für Kommunal- und Regionalentwicklung stattfindet. Sie stellt sich der Frage, wie Mobilität der Zukunft gestaltet werden kann. Die Leipziger Messe übernimmt auch die Organisation der Absolventenmesse Mitteldeutschland.
Ein Highlight wird im Juni die AMI Auto Mobil International als zentraler Treffpunkt der Auto- Enthusiasten. Medizintechnik oder Buchmesse werden ebenfalls ihre Interessenten finden.
Marketing-Instrument
Das Konzept der Veranstalter orientiert sich an internationalen Erwartungen. Wirklich durchsetzen kann es sich allerdings nur, wenn die einheimischen Unternehmer mitziehen. Dass beispielsweise die „mitteldeutsche Handwerksmesse“ mit reichlich 200 Ausstellern zufrieden sein muss, obwohl es allein in Sachsen nahezu 60.000 Handwerksbetriebe gibt, spricht Bände. Vor einigen Jahren erzählte der damalige Präsident der Handwerkskammer zu
Leipzig, Joachim Dirschka, auf entsprechende Fragen, die regionale Messe sei das günstigste Marketing- Instrument eines Unternehmers. Wer das ignoriere, sei an eignem Misserfolg selbst schuld.
Dem ist wohl nichts hinzuzufügen. Der unerwartete Erfolg der aus Chemnitz nach Leipzig gezogenen Industriemesse Intec kommt nicht zuletzt daher, dass das Rückgrat dieser Veranstaltung von der Chemnitzer Industrie gebildet wird. Die folgte dem Umzug, weil sie sich Erfolg versprach. Und wurde belohnt. Wenn mehr Handwerker ähnlich dächten – welchen Erfolg könnte ihre Spezialmesse nach sich ziehen … ?
Thomas Biskupek
06.01.12, 17:01






