Sonntagsfrühstück

Durch die Welt gekocht: Thomas Linke

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Selbst Wirbelstürme und Erdbeben haben Thomas Linke nicht daran gehindert, die Speisekarten der Welt zu erkunden. Heute kocht er im Grandhotel Steigenberger.

Der gebürtige Leipziger ist nach 20 Jahren Reisen durch die ganze Welt in seine Heimatstadt zurückgekehrt. “Das war immer mein Wunsch”, freut sich der 37-Jährige.

Seit Anfang diesen Jahres ist er als Chefkoch im Steigenberger Grandhotel Handelshof Leipzig tätig. Sein Job ist es hier, den Kunden so gut wie alle Wünsch zu erfüllen. Alles sollte in einem Fünf-Sterne-Haus perfekt sein. “Selbst wenn ein Gast nachts um drei noch eine heiße Suppe essen möchte, machen wir das möglich”, freut sich der Chefkoch. Denn er zählt es zu seinen Herausforderungen, neben einwandfreier Küche, exzellenten Gerichten auch den besten Service zu bieten.

Kartoffeln mit Schale

Dafür ist er durch jede Menge Schulen gegangen, die die Gastronomie auf der Welt zu bieten hat. Angefangen natürlich vom Unterricht durch seine Mutter. “Ich hab in der Küche schon immer mitmischen wollen und sehr früh auch angefangen, selbst zu experimentieren”, so Linke. Seine Mutter amüsiert sich noch heute über seine ersten selbstständigen Versuche. “Im Rezept stand: ,Die Kartoffeln in der Schale kochen.’ Also legte ich diese in unsere blaue Porzellanschale und stellte diese auf den Elektroherd”, schmunzelt der heutige Küchenchef.

Die ersten professionellen Geh- und Kochversuche startete er kurz nach der Wende in Oberstotzingen, nahe Ulm. Seine Lehre als Koch, so selbstverständlich sie auf dem Lebenslauf auftritt, war für ihn nicht so einfach. “Das lag aber eher an den dörflichen Bedingungen. Ich kam aus der Großstadt Leipzig und musste nun schon 6 Uhr morgens durch ein scheinbar verlassenes Dorf mit Kuhgebimmel laufen. Das war nicht so mein Ding”, erinnert er sich. Doch die Arbeit an sich war die richtige.

Es folgten Stationen in Dortmund, Dresden, Berlin und Baden-Baden. Er bliebt jeweils für ein bis drei Jahre und sammelte alle wichtigen Erfahrungen. Dann wollte er in ausländische Küchen schnuppern. Bermuda suchte er sich aus. Die Inselgruppe im Atlantik (zwei Flugstunden von New York) bot ihm ein völlig anderes Leben. “An meinen freien Tagen saß ich mit Shorts am Strand, das war schon einmalig.” Gekocht haben er und sein Team hauptsächlich für die vielen USA-Touristen – also vor allem fettige Gerichte, Burger und Clubsandwiches.

Nach spektakulären Erlebnissen wie die eines Hurrikans und traumhaften Ferientagen hatte er nach zwei Jahren genug von der Insel.

Ein Erdbeben im 23. OG

Er brach nach London (ins berühmte Hotel Ritz) auf, um nach knapp zwei Jahren eine neue Station zu suchen. Das Hotel Shangri-La in Manila sollte es sein. “Dafür habe ich sehr lange gekämpft. Denn um in Asien eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, muss man schon sehr beharrlich sein.” Hier lernte er viel von der asiatischen Servicequalität und von der Geduld, auch im 23. Stock in seiner Privatwohnung einem Erdbeben der Stärke sieben standzuhalten.

2010 erfuhr auf einem Deutschlandbesuch in Dresden, dass das Steigenberger Hotel eine Dependance in Leipzig eröffnet. “Das war meine Chance! Ich hab mich sofort beworben und auch von Anfang an ein gutes Gefühl gehabt.” Mit dem Hotelchef Hans Kauschke verbindet ihn die gleichen Visionen an ein Luxushotel, in dem Kundenwünsche an erster Stelle stehen. “So ein Haus wachsen zu sehen, ist wirklich spannend. Ich bin endlich angekommen”, freut sich Linke.

Seine Traumwohnung hat er in Gohlis gefunden. Wenn es die Temperaturen zulassen, sitzt er sonntags morgens am liebsten auf seinem Balkon. Ein Griff rüber zu seinem Kräutergarten versüßen ihm alle Speisen. Zum Frühstück darf es ganz einfach ein Brötchen mit Wurst und Käse sein.

Cornelia Dieme

20.11.11, 11:11