Porträt

Die Wildpferdzähmerin: Weltberühmte Pferdeflüsterin Silke Vallentin bändigt Mustang „Yellow River“

Ihr neuestes Pferd im Stall ist ein Mustang aus dem Wilden Westen. In nur 90 Tagen verwandelte Silke Vallentin (52) den Hengst in einen gelehrigen Vierbeiner. Die (Pferde-)Stärken der Trainerin: auf Augenhöhe mit den Tieren kommunizieren. Ein täglicher Balanceakt, denn die Sächsin sitzt seit einem Unfall im Rollstuhl.

Sie hat sich vor den Toren Leipzigs ihr eigenes Pferde-Paradies geschaffen. Inmitten von saftigen Wiesen, knorrigen Obstbäumen und alten Alleen trainiert Silke Vallentin im 200-Seelen-Ort Bröhsen die Vierbeiner.
Auf ihre zwei Beine kann sich die Querschnittsgelähmte dabei nicht verlassen. Trotzdem ist sie mobil. Mit einem 1-PS-Golfcar überwindet sie mühelos kleine Entfernungen. Bei den Übungen mit den Pferden sitzt sie sicher und kann wendig auf unvorhersehbare Situationen reagieren. Wenn sie derzeit mit „Yellow River“ trainiert, sieht alles nach Friede, Freude, Pferdekuchen aus. Der Mustang reagiert aufs Wort, ist anschmiegsam und vorsichtig neugierig. „Vor ein paar Monaten war er noch wild, unkontrolliert und sogar beißwütig“, musste Silke am eigenen Leib erfahren.
Das Pferd gehört zu einer Gruppe von 15 Mustangs, die aus der Wildnis heraus in einer amerikanischen Auffangstation strandeten, in Deutschland trainiert und anschließend versteigert wurden. Jedes Tier bekam einen Trainer an die Seite, der 90 Tage Zeit für die Ausbildung hatte. Silke näherte sich „Yellow River“ mit der ihr ganz eigenen Art. Nie hatte die gelernte Zootechnikerin ihren Traum von eigenen Pferden begraben.
Auch nicht, als sie mit 18 Jahren einen Verkehrsunfall hatte und seitdem im Rollstuhl sitzt. Jahrelang versuchte sie danach, sich wieder vorsichtig Pferden anzunähern. Oft vergeblich. „Meist schubsten sie mich aus dem Rollstuhl oder warfen mich beim Reiten ab“, erinnert sie sich. Erst nach fünfjähriger Suche fand sie endlich einen Friesen, der sie so akzeptierte, wie sie ist. Mit ihm zusammen lernte sie beim berühmten amerikanischen Trainer Pat Parelli in Colorado die Sprache der Pferde und wurde Trainerin. Seitdem ist sie regelmäßig weltweit auf Messen und Pferde-Events unterwegs. Dort demonstriert sie in emotionalen Shows, wie sie nur mit Körpersprache und kleinen Gesten Vierbeiner dirigieren kann. Immer öfter wurde die Pferdeflüsterin dabei angesprochen, ob sie nicht auch Kurse in Sachsen geben könnte. Vor rund zehn Jahren baute Silke deshalb einen Bauernhof als traumhaft schönen Treff für Pferdefreunde aus ganz Europa um. „Hier kann ich Energie tanken und in aller Ruhe ausbilden“, schwärmt sie. Die Mutter eines 25-jährigen Sohnes, der übrigens als Pferdeosteopath mit ihr ein Gespann bildet, ist in ihrer inneren Mitte angekommen. „Die Pferde halfen mir, mein Schicksal anzunehmen und das wirklich Beste draus zu machen“, ist sich Silke sicher.
Kürzlich gab sie ihr erstes Buch heraus, in dem sie erzählt, wie man mit Pferden partnerschaftlich kommuniziert und spielerisch-gelehrig mit ihnen umgeht. Mustang „Yellow River“ ist das jüngste Beispiel für den Erfolg der „Pferdezauberin“.
Und beim gemeinsamen Training entstand im Laufe der Zeit wieder dieses magisch-mentale Band zwischen Silke und dem Pferd. Deshalb ersteigerte sie das 400-Kilogramm-Schwergewicht bei einer Auktion, deren Erlös der Rettung der Wildpferde im Wilden Westen zugutekommt. Nun grast „Yellow River“ für immer an der Mulde.
Kontakt: www.silkevallentin.de

im Bild: Hier stecken beide ihre Nase in das erste Buch der Pferdeflüsterin: Silke Vallentin mit ihrem „Yellow River“. Foto: PICTURE POINT/Roger Petzsche

11.10.17, 07:10