Wirtschaft

Die Handwerksmesse lädt wieder ein: Gespräch mit Reinhard Schröter, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Leipzig

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Seit gestern hält wieder die „mitteldeutsche handwerksmesse“ (mhm) ihre Pforten offen und lädt zum Besuch. Zu seinen Eindrücken befragte SachsenSonntag den Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Leipzig, Reinhard Schröter.

Die mhm findet schon das 15. Mal statt, hat also eine gewisse Tradition erreicht. Wird sie von den Handwerkern angenommen?

Reinhard Schröter: Ja, sonst würden wir nicht bereits die 15. Messe haben, und auch die Zahl der Aussteller spricht dafür. Entscheidend wird aber auch in diesem Jahr sein, wie sich die Messe für Aussteller und Besucher lohnt. Das gilt für Gespräche und Abschlüsse am Stand ebenso wie für die Nachmessegeschäfte.

Was sehen Sie als Schwerpunkte der mhm an?

Vor allem Bau, Ausbau und Energieeffizienz. Das alles geht ohne Handwerk kaum. Angesichts der steigenden Anforderungen auf diesem Gebiet wachsen auch die Wünsche gegenüber dem Handwerk. Deshalb stört uns, was da ewig im Vermittlungsausschuss der Regierung schmort: Die steuerliche Förderung der Gebäudesanierung und die Zahlung von Zuschüssen samt zinsgünstiger Darlehen.

Wo stauen sich die Besucher am meisten?

An den gläsernen Werkstätten. Das gilt für die Backstube der Firma Hennig ebenso wie für die Wurstküche der Firma Landhan. Essen an sich interessiert eben die Besucher. Und die Chance, hinter die Kulissen zu schauen, hat einen besonderen Reiz.

Brauchen Sie unbedingt die gleichzeitig stattfindende HAUS-GARTEN-FREIZEIT, damit mehr Besucher kommen?

Darin sehe ich nichts Ehrenrühriges. Auch die Kombination mit Beach & Boot gehört dazu. Das gemeinsame Erleben hat einen besonderen Charme, den wir gern nutzen. Anfangs engagierten sich nur die Kammern von Halle und Leipzig. Inzwischen erweiterte sich der Kreis bis an die Ostseeküste.

Was bewegt Ihre Kollegen dazu?

Die Messe  bietet viel für Fachbesucher und Kunden. Gerade die spezialisierten Handwerker brauchen Kunden über die eigene Region hi-naus. Sie wollen Märkte analysieren und Bedarf testen. Dafür eignet sich die Messe. Am morgigen Außenwirtschaftstag bekommen Handwerker Informationen über mögliche Partner im Ausland. Angesichts von 60.000 Handwerksbetrieben allein in Sachsen sind doch 239 Aussteller ein bisschen wenig.

Wie könnte man die Teilnehmerzahl steigern?

Erstens kommen elf Prozent mehr als im Vorjahr. Zweitens wird man nie sehr viele erreichen, es kostet ja die Betriebe Zeit und Geld. Und drittens stehen auch viele Handwerker auf der HAUS-GARTEN-FREIZEIT. Das ändert die Zahl nach oben. Messen sind ein Marketing-Instrument. Wie sehr man das nutzen will, ist jedem selbst überlassen.

Welche Rolle spielt Handwerk aus Ihrer Sicht?

Eine überragende. Nicht allein, dass rings ums Wohnen und Bauen oder um die günstige Energieversorgung fast nichts ohne Handwerker geht, der Wirtschaftsbereich ist auch der größte Ausbilder. Obwohl die Zahl der Schulabgänger sinkt, haben wir 2011 etwa acht Prozent mehr Ausbildungsplätze besetzt. Wie erreicht man das? Unter anderem durch enge Zusammenarbeit mit vielen Schulen. Wir laden regelmäßig Schüler in unser Ausbildungszentrum nach Borsdorf ein, damit sie rechtzeitig sehen, wie verschiedene Berufe praktisch aussehen. Auch Ablehnung hat Vorteile. Sie erspart den jungen Leuten wie den Ausbildern rechtzeitig eine Enttäuschung.

Die Fragen stellte Thomas Biskupek.

www.handwerksmesse-leipzig.de

Im Bild: Reinhard Schröter. Foto: Kammer

12.02.12, 08:02