Sonntagsfrühstück
Der künstlerische Rebell aus der Schweiz: Maler, Dichter und Organisator Beat Toniolo
“Künstler kann man nicht werden, Künstler ist man einfach”, bringt es Beat Toniolo auf den Punkt. Seit gut einem Jahr arbeitet er in Leipzig, malt, organisiert, dichtet. Und er ist dabei, die vielen Facetten der Leipziger Kunstszene zu entdecken.
Nur der Sonntag steht bei Beat Toniolo im Zeichen der Kreativität – natürlich erst nach einem ausgiebigen Frühstück. “Am Wochenende steht das Telefon still. Da hab ich den Kopf frei und kann richtig kreativ sein.”
Um den rastlosen Künstler in sich zu entdecken, hat der Schweizer einige Jahre gebraucht. Aus seiner Heimat trieb ihn “die grenzübergreifende Neugierde auf etwas Neues”. In München machte er eine Ausbildung zum Sporttherapeuten und arbeitete zehn Jahre als solcher im Spitzensport: “Ich habe etwa die Schweizer Zehnkämpfer und Bobfahrer zu Europameisterschaften und Weltmeisterschaften geführt. Bei den Reisen habe ich Einblicke in die verschiedensten Kulturen dieser Welt gewonnen.”
Kunstliebe entdeckt
In München entdeckte er seine Liebe zur Kunst. “Meine damalige Freundin hat mir eine Leinwand zum Malen geschenkt – der Beginn meiner künstlerischen Karriere.” Bei der Betrachtung seiner Kunst hat Autodidakt Beat Toniolo seine eigene Sicht der Dinge: “Ich bin ein sehr abstrakter Maler, ein Rebell an der Leinwand. Kunst hat aus meiner Sicht viel mit Zufall zu tun. Um meine Technik zu entwickeln und zu verfeinern, habe ich sieben Jahre gebraucht.”
Eine Kunstausbildung hat er nicht – aus gutem Grund: “Bei mir passieren viele Dinge auch sehr spontan, bei mir muss man immer das Unerwartete erwarten. Ich mache brainstream, keinen mainstream!” 1992 eröffnete Beat Toniolo im französischen Dörfchen Grentzingen im Elsass sein erstes eigenes Atelier. Hier widmete er sich intensiv der abstrakten Acryl-Malerei. Schon damals suchte der neugierige Künstler immer wieder neue Materialien und Gegenstände, um sie in seine Werke einzuarbeiten.
Als gesellschaftskritischer Künstler sorgte er in seiner Schweizer Heimat immer wieder für Aufregung. So zeigte er 1996 vor der ART Basel eine spektakuläre Aktion: Fotos von jugoslawischen Friedhöfen wurden überlebensgroß auf Lastwagen-Planen präsentiert. “Ich versuche, mithilfe der Kunst meine Sicht der Dinge darzustellen – auch wenn ich damit oft anecke. Kunst ist immer politisch und gesellschaftskritisch”, auch wenn der “Rebell” inzwischen ruhiger geworden ist.
Nach 16 Jahren im Elsass trieb ihn die Sehnsucht nach etwas Neuem nach Leipzig. “Schon als ich hier in den Bahnhof eingefahren bin, war ich fasziniert von der alten Architektur genau wie von der Kunst und der Kultur in der Stadt. Außerdem ist hier der Aufbruch der Wende noch immer zu spüren, diese Stadt ist wild. Allerdings habe ich noch nie so viele Schlaglöcher gesehen wie in Leipzig – nicht mal auf meiner Reise durch Indien”, staunt der Gefühlsmensch.
Nun ist Beat Toniolo erstmals mit einer eigenen Ausstellung in Leipzig zu sehen. Bis zum 31. Januar 2012 stellt er unter dem Motto “Gobelin trifft Glas” im Geschäft “zeitlos schlafen & wohnen” in der Gottschedstraße in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Kultur- und Gobelin-Manufaktur Halle GmbH eigene Werke aus. Und mit Sicherheit wird auch hier die eine oder andere Überraschung auf die Gäste warten …
A. Neustadt
04.12.11, 13:12






