Porträt

Den Sachsen auf die Teller geschaut – Sylke Tannhäuser und Ethel Scheffler auf den Spuren von Kohl, Linsen und Plinsen

In Zeiten inflationär gesendeter TV-Kochshows mit immer exotischeren Zutaten besinnen sich Sylke Tannhäuser (53) und Ethel Scheffler (61) auf Gerichte aus guten alten Kindertagen. Die Hobby-Köchinnen trugen typisch sächsische Rezepte zusammen und veröffentlichten sie in einem Buch.

So wie in der Mode üblich, wird auch in der Küche oft Traditionelles immer neu aufgewärmt. Die Vitamin-C-reiche Kohlrübe beispielsweise erlebt gerade als Gemüse des Jahres ein kulinarisches Comeback. „Die deftige Steckrübensuppe ist ein solcher Klassiker aus der Kindheit“, weiß Sylke Tannhäuser. Den kocht sie inzwischen häufiger selbst. Wiederentdeckt hat sie den preiswerten gesunden Eintopf bei der Spurensuche nach alten überlieferten Rezepten. „Die Großmutter eines angestammten Leipziger Fleischermeisters erzählte mir, dass sie nach dem Krieg so ihre fünf Kinder sattbekam“, berichtet die rührige Rezept-Rechercheurin. Zusammen mit ihrer Freundin reiste sie in letzter Zeit durch Sachsen, um Gerichte und damit verbundene Geschichten aus der Kindheit aufzuschreiben. Eigentlich sind die zwei Leipzigerinnen sonst Kriminalschriftstellerinnen.

Als sie nach ihren Lesungen verkündeten, dass sie nun ein Kochbuch mit Rezepten von anno dunnemals herausbringen möchten, trafen die Hobby-Köchinnen beim Publikum einen Nerv. „Auf einmal diskutierten wir nicht mehr nur über Opfer und Täter, sondern auch über Kartoffeln und Kohl“, meint Ethel Scheffler. Der Tat-Ort Küche wurde der neue Tummelplatz. „Dort ging es früher auch dramatisch zu. In schwierigen Zeiten musste man mit wenig Zutaten etwas auf den Tisch zaubern.“ Ethel Scheffler und Sylke Tannhäuser waren ganz Ohr und wurden von ihren Krimi-Zuhörern sogar zum Essen eingeladen. Und so lernten die Sächsinnen über 300 typische Hausmannskost-Rezepte kennen, von denen 80 nun im Buch „Gerichte unserer Kindheit“ veröffentlicht wurden.

Anhänger der deftigen Küche kommen mit Szegediner Gulasch oder Linseneintopf genauso auf ihre Kosten, wie die süßen. Für sie gibt es zum Beispiel die legendären Kuchen-Klassiker „Kalter Hund“ und die Dresdner Eierschecke. „Von ihr ist überliefert, dass Eltern sie oft als Testballon für die Back-Künste der künftigen Braut des Sohnes ansahen. Nach dem Motto: Kann sie eine gute Eierschecke backen, ist sie auch geeignet für unseren Jungen“, plaudert Sylke Tannhäuser aus der kulinarischen Anekdotensammlung. Als regionale süße Spezialität werden auch die traditionsreichen „Leipziger Lerchen“ vorgestellt, die aus Mürbeteig und einer Masse aus Marzipan und Marmelade bestehen. Na dann, guten Appetit.

Buchtipp: Sylke Tannhäuser und Ethel Scheffler: „Gerichte unserer Kindheit. ISBN-Nummer: 978-3831323579

Thomas Gillmeister

Bild: Sylke Tannhäuser (links) und Ethel Scheffler schwören auf die leckere Kohlrübensuppe, die sie selbst gern kochen. Foto: PICTURE POINT/Kerstin Kummer

07.02.18, 08:02