Sonntagsfrühstück

Den Geist der Stadt aufsaugen: Sabine Ebert (Schriftstellerin)

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Eigentlich ist Bestseller-Autorin Sabine Ebert zur Zeit für nichts und niemanden zu sprechen. Eigentlich! Dank besonderer Umstände traf SachsenSonntag die Neu-Leipzigerin zum Frühstück.

Klar, dass es dabei auch um ihren neuen Roman ging. Doch zuerst einmal wurde gefrühstückt. Zu diesem gehören für Sabine Ebert beispielsweise warme Haferflocken und frische Früchte. Eine Tasse Tee, am liebsten eine Mischung aus Rooibos, Ingwer und Minze, darf ebenfalls nicht fehlen. Das ist übrigens auch am Sonntag so. Denn wenn die Schriftstellerin sich, so wie zurzeit, ganz besonders intensiv in ihre Arbeit stürzt, sind Wochentage einfach nur Tage.

Nach dem Frühstück jedenfalls geht es an den Schreibtisch und das kann dann auch schon mal eine Zeitreise sein. Während sie an ihren im Mittelalter angesiedelten Romanen um die Hebamme Marthe schrieb, umgab sie sich gern mit Dingen, die in die Zeit passten.

Das ist nun, da sie an einem Buch zur Völkerschlacht sitzt, ganz ähnlich. Und so wird etwa der Kaffee nicht mehr aus einem Tonbecher, sondern aus einer antiken Mokkatasse getrunken. Das war übrigens auch ihr erster Kauf in der neuen Heimatstadt.

„Die Idee, über die Völkerschlacht zu schreiben, kam eigentlich gar nicht von mir. Vor etwa zwei Jahren wandte sich der Verband Jahrfeier Völkerschlacht bei Leipzig 1813 e.V. über den Verlag an mich, ob ich nicht darüber einen Roman schreiben könnte. Ehrlich gesagt, hatte ich das Thema selbst gar nicht auf dem Radar“, berichtet die sympathische Autorin. Das ist seitdem ganz anders.

Details sind wichtig

„Es bringt nichts, wild drauflos zu schreiben. Man muss schon seine Gedanken kreisen lassen, wie man solch ein komplexes Thema, das voller Interpretationsmöglichkeiten steckt, anlegt und erzählt.“ Ein Gesamteindruck muss her und für diesen wird geforscht, recherchiert, wahnsinnig viel gelesen – historische Abhandlungen, Originalquellen wie Augenzeugenberichte und vieles mehr – und sich in die Zeit zurückversetzt. Möglich war das etwa bei den regelmäßig stattfindenden Gefechtsdarstellungen der Völkerschlacht.

„Dort hatte ich eine Statistenrolle im Lazarettbereich, so richtig mit Kostüm und allen drum und dran. Das war im vergangenen Jahr schon zum zweiten Mal. Ich hatte nach meinem ersten Besuch tatsächlich geglaubt, ich könnte die Uniformen unterscheiden. So leicht war das dann leider doch nicht“, erinnert sie sich lachend. „Es gibt so viele Dinge, vor allem aus dem Alltagsleben, die man für ein Vorhaben wie dieses, wissen muss und die man nicht aus Büchern erfährt und die das Bild erst rund machen.“ Oft stünde sie nahezu starr vor Staunen vor den Dimensionen dieser Tage und wie wenig die Menschen eigentlich davon wissen.

„Es ist immer die Rede vom Sieg der Preußen und von Napoleon, aber dass das alles auf dem Rücken der Sachsen ausgetragen wurde, das wird oft ignoriert.“ Dank Eberts unermüdlicher Arbeit wird dies nun sicher anders. Schon im nächsten Jahr, dem Jubiläumsjahr der Völkerschlacht, soll der Roman erscheinen.

„Eigentlich ist es ungewöhnlich, dass ich jetzt schon schreibe. Aber ich hatte Bilder im Kopf, die aufs Papier mussten.“ Die Grundlage ihrer Arbeit bilden übrigens immer die tatsächlichen historischen Ereignisse. Das war schon bei den Erfolgsromanen rund um die Hebamme Marthe so.

Deshalb wird man natürlich viele der großen Bekannten aus der Zeit der Völkerschlacht in ihrem neuen Buch wieder treffen. Bei dem einen und anderen, so verrät es Sabine Ebert, werden neueste oder fast unbekannte Forschungsergebnisse einfließen. Trotzdem soll nicht nur aus Sicht der Feldherren, sondern auch aus Sicht der Leipziger erzählt werden. „Momentan läuft alles zusammen. Ich plane und lese und schreibe.“

Das mit dem Schreiben ist übrigens ein Kindheitstraum. Bis es wirklich soweit war, gingen einige Jahre ins Land. Zunächst arbeitete sie viele Jahre als Journalistin in Freiberg, und so sollte es bei ihrem ersten Projekt um die Entstehungsgeschichte Freibergs gehen. „Geschrieben habe ich nach der Arbeit, am Wochenende, im Urlaub. Und selbstverständlich gab es die große Unsicherheit darüber, ob ich das Ganze überhaupt durchstehe und tatsächlich einen Verlag finde.“

Dass ihr das gelang, weiß inzwischen eine große Fangemeinde. Und die freut sich schon auf das neueste Buch. Doch der beschäftigt die Autorin noch mindestens bis zum Ende des Jahres und bis dahin gibt es keinen Urlaub, keine Partys und auch sonst keine Ablenkungen. „Ich habe das Gefühl, dass ich hier jetzt nicht weg kann. Ich brauche die Nähe der Quellen und will den Geist der Stadt einsaugen. Es gibt da eine alte Regel, die besagt, dass man mit den Dingen umgeben sein muss, über die man schreibt. Deshalb bin ich auch nach Leipzig gezogen und habe es bis jetzt nicht bereut. Sie ist eine tolle Stadt.“

B. Kother

03.02.12, 15:02