Porträt

Charakterkopf mit Charisma – Schauspieler-Legende Günter Grabbert würde übermorgen 85 Jahre alt

Guenter Grabbert

In Zeiten auswechselbarer glatter Gesichter und rarer Originale war Günter Grabbert einer der letzten großen Leipziger Charakterköpfe im Theater und im Film. Vor fünf Jahren starb der Schauspieler an den Folgen eines Herzinfarkts. Übermorgen hätte er seinen 85. Geburtstag feiern können.

 

Unwirklich ist es für Jutta Grabbert, wenn sie ihren Mann heutzutage im Fernsehen sieht. Wie in „Zahn um Zahn“ beispielsweise, der beliebtesten DDR-Arztserie. Erst jüngst wiederholte der MDR die

21 Folgen. Natürlich erinnert fast alles in der Wohnung der Witwe an ihren Günter. Doch das sind Gegenstände, die nicht sprechen, die nicht schauspielern. Aber auf dem Bildschirm ist alles anders. Da lebt Günter Grabbert weiter. So wie in ihrem und in den Herzen der Leipziger Theatergänger.

Rund vier Jahrzehnte gehörte er dem Schauspielensemble an. Er zählt zu den wenigen Mimen in Deutschland, die den Mephisto und den Faust spielten. Gleichzeitig war er regelmäßig auf der Kinoleinwand zu sehen, wie in den DEFA-Klassikern „Professor Mamlock“ (1961) oder  „Der geteilte Himmel“ (1964). Er beeindruckte in Kult-Fernsehserien sowohl zu DDR-Zeiten in  „Das unsichtbare Visier“ oder „Die Lindstedts“ als auch nach 1990 in „Auf alle Fälle Stefanie“ oder „Eine Frau wird gejagt“.

Gerade, als er ein neues Angebot für einen Tatort auf dem Tisch hatte, erlitt er im Frühjahr 2010 einen Schlaganfall. So diszipliniert, wie er seine Rollen lernte, so besonnen rappelte er sich wieder auf, wollte sich zurück ins Leben kämpfen. Immer hilfreich an seiner Seite: Ehefrau Jutta. Sie hielt ihm stets den Rücken frei, förderte als guter Geist im Hintergrund seine Bilderbuch-Karriere.

Noch einmal trat Günter Grabbert im Herbst 2010 in seinem Kiez Gohlis vor die (Foto-) Kamera. Es sind die letzten Bilder, die vor seinem Tod entstanden. Jutta Grabbert schaut sie sich häufig an. Trotz vieler ernster Erkrankungen strahlt der Schauspieler auf ihnen Lebenslust statt Lebensfrust aus. Wenige Wochen später, am 15. Dezember 2010, schloss er für immer die Augen.

Übermorgen wird seine Jutta, mit der er rund 58 Jahre verheiratet war, zu seinem Grab auf dem Friedhof in Gohlis gehen und ihm weiße Rosen zum 85. Geburtstag auf sein Grab legen.

Thomas Gillmeister

Bild: Ein letzter Gruß, ein letztes Foto. Wenige Wochen später starb Günter Grabbert. Foto: PICTURE POINT

13.01.16, 08:01