Porträt

Bühne frei für den Schwibbogen – Spielzeugmacherin Jenny Wagner fertigt wertvolle Sammlerstücke

Bilderbuch-Karriere im Seiffener Spielzeugland. Jenny Wagner (33) schaute schon als Kind dem Großvater in der Werkstatt bei der Arbeit über die Schulter. Inzwischen hat sie als Meisterin selbst den Bogen raus und übernahm die Manufaktur, in der auch limitierte Sammlerstücke das Licht der Weihnachts-Welt erblicken.

Sie lebt inmitten einer Heimatfilmkulisse. Im Spielzeugdorf Seiffen gehört Jenny mit Anfang 30 zu den Nachwuchstalenten. „Ich liebe mein Fleckchen Erde und würde niemals mit der lauten Großstadt tauschen wollen“, ist sie sich sicher. Kürzlich zog sie mit Kind und Mann sogar in das verträumt liegende Haus vom Großvater. Hier wohnt und arbeitet sie nun das ganze Jahr über ganz dicht an der Wiege der Weihnachts-Wunder.

In der Manufaktur entstehen vor allem bewegliche klingende Kunstwerke, für die der Schwibbogen die perfekte Bühne bildet. Ganz großes Theater ist der Dresdner Striezelmarkt. Unter dem Original-Glockengeläut und im Glanz der Frauenkirche bieten Mini-Händler ihre Waren feil, bestaunen Bummler die Pyramide, ist der Weihnachtsmann auf der Suche nach Geschenken. Im beleuchteten Sockel wird die Geschichte des Porzellans liebevoll bis ins kleinste Detail dargestellt.

Eintausend dieser handgearbeiteten Pracht-Szenen aus Buche, Birke und Ahorn wird es einmal geben. „Die Hälfte ist schon weg“, verrät die Chefin. Pro Jahr fertigt sie mit ihren 17 Angestellten etwa 100 dieser Weihnachts-Wertanlagen, die aus Sicherheitsgründen übrigens nicht verschickt werden. Die meisten Sammler verbinden den Kauf gleich mit einem Besuch in der Manufaktur. Und beim Bemalen der Figuren erzählt Jenny gern, wie sie als einzige Tochter und mit drei Brüdern im Rücken die Regie übertragen bekam.

1990 machte sich Großvater Klaus Kolbe in Seiffen mit einer Schwibbogen-Werkstatt selbständig. Seine Idee: Er wollte weg vom klassischen starren beleuchteten Fensterbogen, hin zu beweglichen Szenen. Aber traditionell sollten sie schon sein: Sie reichen von Bergbaumotiven über den Schneeberger Weihnachtsmarkt bis hin zur Seiffener Weihnacht.

Jenny war bei der Manufakturgründung gerade mal sechs Jahre alt. „Doch ich verbrachte jede freie Minute in Großvaters Werkstatt“, denkt die Enkelin zurück. So lernte sie auch bei ihm Spielzeugmacherin und wurde dabei in die Geheimnisse der patentierten mechanischen Schwibbögen eingeweiht. 2005 hatte die talentierte Handwerkerin schon mit 21 (!) Jahren ihren Meisterbrief in der Tasche. Als ihr Großvater vor zwei Jahren starb, war man sich im Familienrat schnell darüber einig, dass die ehrgeizige Erzgebirgerin in seine Fußstapfen treten soll.
Die Mutter einer dreijährigen Tochter führt nun in dritter Generation die Manufaktur weiter. Neben den limitierten Sammler-Raritäten bietet Jenny natürlich auch traditionelle Fenster-Schwibbögen mit typischen Erzgebirgs-Motiven an.

Kontakt: www.Klaus-Kolbe.de

Thomas Gillmeister

Bild: Sie führt das Vermächtnis ihres verstorbenen Großvaters weiter, der als Holzfigur verewigt ist. Jenny Wagner fertigt edle Schwibbögen, wie die vom Striezelmarkt. Foto: PICTURE POINT/Kerstin Kummer

06.12.17, 08:12