Blickpunkt

Bewegungskunstpreis für Mouvoir – Ein Best-of der Freien Szene an zwei Festivaltagen

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Es galt ein kleines Jubiläum zu feiern: Mit dem Leipziger Bewegungskunstpreis wurde am vergangenen Freitag nunmehr zum zehnten Mal eine Produktion der Freien Szene prämiert. Der von Leipziger Rundschau, SachsenSonntag und deren Kunden mit 5000 Euro ausgestattete Preis wurde in diesem Jahr Stephanie Thierschs Kompanie „Mouvoir“ für das Tanztheaterstück „Corps Étrangers – Fremdkörper“ zuerkannt.

Der Verleihung am Freitag zu vorgerückter Stunde ging zum zweiten Mal das zweitägige Bewegungskunst-Festival vo-raus, auf dem die fünf von der Jury für den Preis nominierten Produktionen gezeigt wurden. Spielstätten waren auch diesmal das LOFFT, die Schaubühne Lindenfels und erstmals die naTo.

Den Reigen der Preisanwärter-Produktionen eröffnete die Theater- und Performancegruppe „friendly fire“ mit „Cantos: And America Likes Me“, allerdings in einer gekürzten performance/lecture-Fassung. Der Entdeckungstour durch das mit dem Ersten Weltkrieg beginnende Zeitalter der Extreme und Ezra Pounds Versepos „Cantos“ schlossen sich noch recht wenige Zuschauer an. Anders beim Einpersonenstück „ROH – disputatio de femina bisulca“. Die Produktion von DAS ÜZ und De Lekkere Compagnie bescherte der naTo ein volles Haus, was vor allem Valerie Habicht-Geels’ authentisch und intensiv gespielter Lebensbeichte einer Mittvierzigerin zuzuschreiben ist. Wer es nach LOFFT und naTo am Donnerstagabend noch pünktlich in die Schaubühne schaffte (was mit dem ÖPNV nicht möglich war und die Organisatoren zum Nachdenken über einen Shuttle anregen sollte), bekam einen 70-minütigen Einblick in die Vier-Stunden-Inszenierung „Vor den Hunden – Theater aus Europa“, das im Kanon des 200. Völkerschlachtgedenkens auf dem Jahrtausendfeld für Aufsehen sorgte.

Der Festival-Freitag blieb indes dem Tanz vorbehalten. Die tanzZenit-Company brachte „Vade mecum – geh mit mir“ auf die naTo-Bühne. Die Kölner Kompanie Mouvoir setzte nicht nur den Punkt hinters 2014er Festival, sondern sich schließlich auch durch.

In fast schon guter Tradition ging die Preisverleihung als beeindruckender Abschluss des Festivals am Freitagabend über die Bühne – und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Schaubühne Lindenfels diente als Kulisse. „Durch den Bewegungskunstpreis findet eine gelungene Vernetzung der Spielstätten statt, und das ist gut für Leipzig“, zeigte sich Susanne Kucharski-Huniat, die als Kulturamtsleiterin die Stadt Leipzig vertrat, begeistert.

Ronald Schubert, Vorsitzender des Leipziger Bewegungskunst e.V., zeigte sich ebenfalls tief beeindruckt von der Entwicklung, die der Preis in den vergangenen zehn Jahren genommen hat: „Der Bewegungskunstpreis hat sich in der Freien Szene mehr als etabliert, wobei ein großer Dank an den Leipziger Anzeigenblatt Verlag geht, der diese Idee mit- und weitergetragen hat.“ Und er ließ es sich nicht nehmen, eine Zukunftsvision in die Waagschale zu werfen: „Wohlwissend, dass hierfür ein langer Weg beschritten werden muss, kann ich mir einen mitteldeutschen Bewegungskunstpreis vorstellen, der Strahlkraft weit über Leipzig hinaus besitzen wird.“ Dies spiegelte sich auch in den Worten der Preisträgerin Stephanie Thiersch wider, die das Preisgeld nutzen möchte, ihre prämierte Produktion „in die Welt hinauszutragen“. Zudem ging ein großer Dank der Gewinnerin an alle, die die Auszeichnung ermöglichten, denn „Theater macht man nicht allein“.

Die Jubiläumsausgabe der Verleihung des Bewegungskunstpreises wartete übrigens mit einigen Neuerungen auf: Der Publikumspreis machte in diesem Jahr Pause, dafür ging ein Sonderpreis an Anne Raab für ihre künstlerische Einzelleistung. Weiterhin gab es im Rahmen des Festivals erstmals einen Workshop – und somit viel Raum für die Kreativität, welche Leipzigs Freie Szene auszeichnet und so sehenswert macht. hb/tk

Bild: Da wurde es eng auf dem roten Sofa: Preisträgerin Stephanie Thiersch und die Kompanie „Mouvoir“ standen Moderatorin Karin Werner (rechts) Rede und Antwort. Foto: JFM

16.07.14, 08:07