Wirtschaft

Besinnliche Rückschau – selbst für Umtriebige

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Wahrscheinlich ist heute der friedvollste Tag des ganzen Jahres. Bis gestern Mittag wurde noch gewuselt. Morgen gibt es Familienbesuche. Aber heute ruhen selbst die eifrigsten Unternehmer im Kreise ihrer Lieben.

Und halten wohl auch Rückschau über das zurückliegende Jahr mit solchen Fragen: Habe ich den wirtschaftlichen Aufschwung genutzt? Fand ich die Bereiche, die mein Unternehmen über das Bisherige hinaus erfolgreich abdecken kann?

Erfolgreiche Frauen

Kann man dann den Festtagsbraten ruhig verdauen, beim Spaziergang mit der Familie ganz private Dinge besprechen und über den nächsten Urlaub nachdenken, so hat man wohl einiges richtig gemacht. Das Geschrei um die Stabilität des Euro, um Inflation und Euro- Bonds macht dann einen Bogen um den ruhigen, zufriedenen Unternehmer. Um die Unternehmerin natürlich auch.

Während nämlich in den Medien Schattenboxen über Frauen in Führungsetagen veranstaltet wird, weil alle wissen: Daran ändert sich solange nichts, solange die männliche Mehrheit das nicht zulässt, währenddessen haben in den letzten mehr als 20 Jahren zahlreiche Frauen im Osten Firmen gegründet. Und weil Frauen vorsichtiger agieren, mussten vergleichsweise wenige von ihnen ihre Betriebe wieder aufgeben. Dieser Trend zur Unternehmerin hat einiges mit der Vergangenheit zu tun: Wo überdurchschnittlich viele Frauen in technischen Berufen als Ingenieure und Diplomingenieure ihr Auskommen gefunden hatten, galten sie unter den veränderten Bedingungen häufig als überqualifiziert. Für solche Arbeitskräfte gab es im Grunde keine Plätze. Alsoschufen sie diese selbst.

Das gilt für die Hörgeräteakustikerin, die nicht auf die Konkurrenz aus dem Westen wartete und heute längst das Unternehmen mit der eigenen Tochter führt, ebenso wie für die Seiteneinsteigerin, die das Abbruchunternehmen ihres verstorbenen Mannes übernahm und zu einem der erfolgreichsten in der Region gemacht hat.

Am friedvollsten Tag des Jahres können Unternehmer beiderlei Geschlechts über ihre Erfahrungen Bilanz ziehen, ohne den Rechner anzuschalten. Weihnachtsfrieden ruft nicht nach exakten Zahlen, so nötig sie auch sonst sind. Heute geht es um innere Einkehr, um Ruhe und Zufriedenheit. Übrigens ist das auch ganz gut für die Gesundheit: Wer ständig unter Stress steht, darf sich ein Abschalten gönnen, solange das nicht ins ungesunden Faulenzen umschlägt.

Natürlich muss der Weihnachtsbraten verarbeitet werden. Schließlich ist das Energie, die der Körper verbrennen soll. Aber heute muss mal kein Joggen sein, kann man die Hanteln in der Ecke und das Fahrrad im Keller lassen.

Sichere Arbeitsplätze

Wichtig ist die Gewissheit: Man hat gut gearbeitet. Der Betrieb läuft. Umsatz, Absatz und Gewinn wachsen. Arbeitsplätze sind sicher. Vielleicht bestehen sogar Aussichten auf Zuwächse. Die jüngsten Konjunkturumfragen von Industrie- und Handels- (IHK) sowie Handwerkskammer zu Leipzig stimmen insofern überein, als überdurchschnittlich viele Unternehmer eine gute und bessere Lage in der Zukunft erwarten. Die Zahl der Unzufriedenen oder Besorgten sank.

Das dürfte Zufriedenheit in der gesamten Region auslösen – jedenfalls für den heutigen Feiertag.

Thomas Biskupek

25.12.11, 12:12