Porträt
Auch „Jopie“ lebt in Leipziger Sammlung weiter: Nachlass der Porträtisten-Legende Sigurd Rosenhain kehrt in die Stadt zurück
Er liebte selbst das Rampenlicht und porträtierte alle, die sich darin sonnten: Sigurd Rosenhain. Nach seinem Tod im Jahre 2005 verschwand seine Sammlung auf einem Hamburger Dachboden. Doch nun hat sie Tochter Heike Oelker-Rosenhain (47) zurück nach Leipzig gebracht.
Den kürzlich mit 108 Jahren verstorbenen Johannes Heesters verewigte Sigurd Rosenhain auch. Er zeichnete den Entertainer mit 90 und machte damals schon im Frühjahr 1994 aus Ehrfurcht vor dem Alter eine Ausnahme. Zum aktuellen Porträt malte er ein Bild, wie der Schauspieler vor 50 Jahren aussah. „Jopie“ Heesters war zufrieden und signierte schwungvoll. So, wie fast alle anderen Promis auch. Das macht die deutschlandweit einzigartige Sammlung auch so wertvoll. Sigurd Rosenhain schaute dem Porträtierten direkt ins Auge und zeichnete ihn dabei mit Bleistift oder Kohle. Dafür war Rosenhain besonders nach der Wiedervereinigung fast täglich unterwegs, um Prominente aus Kultur, Politik und Sport aufzuspüren, mit ihnen Bekanntschaft zu schließen und sie für das Porträt-Projekt aufzuschließen.
Mit dem Zeitdruck konnte das sonst eher gemütliche Leipziger Original gut umgehen. So entstanden jeweils in zehn bis 15 Minuten Momentaufnahmen, mit denen die Prominenten stets zufrieden waren: von Heino über Harald Juhnke bis hin zu Hildegard Knef. In den 90er-Jahren zählte der 1,61 Meter kleine Künstler mit Stift, Pfeife und Baskenmütze in Sachsen selbst schon zur Promiszene. Sein Ziel damals: mindestens 1000 Porträts zu malen. „Mein Vater war ganz stolz, dass er es schaffte“, erzählt seine einzige Tochter Heike Oelker-Rosenhain. Als er 2005 mit 78 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls starb, erbte sie die Sammlung. An jedem Geburtstag und Todestag ihres Vaters blätterte die Kunstmanagerin, die bei Hamburg lebt, im Nachlass und bedauerte dabei, dass die Zeichnungen sonst unbeachtet daheim auf dem Dachboden lagen. Schließlich bat sie vor wenigen Monaten Kunsthistorikerin Anne Maurer vom Leipziger Graphikantiquariat Koenitz, die Sammlung zu ordnen, zu schätzen und anzubieten. „Es wäre schön, wenn sich ein Liebhaber oder eine öffentliche Institution fände, die die 1053 Porträts komplett übernähme“, schwebt Anne Maurer vor. Die Zeichnungen sind hervorragend erhalten und eigentlich viel zu schade, um in Schubladen zu verschwinden. „Nulla dies sine linea – keinen Tag ohne Strich“, nach diesem Grundsatz lebte Sigurd Rosenhain, der im April 85 Jahre alt geworden wäre.
Kontakt: www.Graphikantiquariat-Koenitz.de
10.01.12, 17:01






