Porträt

Anträge im Namen der Liebe: Von Überfliegern und einer bodenständigen Hochzeit

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Frauen aus Leipzig fliegen auf originelle Heiratsanträge. Zum Beispiel Tina (30), die von ihrem Holger (33) über dem Nordpol gefragt wurde, ob sie ihn heiraten möchte. Vor genau 70 Jahren erhielt Gertrud Drabe (90) von ihrem Werner dagegen einen ganz bodenständigen Antrag per Telegramm, in dem mitgeteilt wurde, dass in vier Tagen geheiratet werde.

Romantisch sollte er heutzutage sein, originell und einzigartig. Physiotherapeutin Tina träumte jahrelang von einem Heiratsantrag, den man sein Leben lang nicht vergisst. Ihren (Traum-) Mann hatte sie schon gefunden: Holger, ein Mann wie ein Baum, der mit dem Ball auf dem Fußballfeld genau so zielsicher umgehen kann wie mit seinen Händen bei der Physiotherapie. In der eigenen Praxis in der Dieskaustraße waren Tina und Holger lange Zeit auch ohne Trauschein ein eingespieltes Team. „Mit 15 sah ich ihn das erste Mal bei uns an der Sportschule”, erinnert sich Tina Lischke. Und als sich ihre Blicke kreuzten, verloren sich die beiden seitdem nie wieder aus den Augen. 2006 wurde ihre Liebe mit Sohnemann Nils gekrönt.

Zum perfekten Glück fehlte nur noch die Hochzeit. „Ich wusste, dass Tina einen besonderen Heiratsantrag erwartete”, erzählt der ehemalige Profifußballer. Vor seinem geistigen Auge sah er die Frage-Aktionen anderer Heiratswilliger, wie übergroße Plakatwände oder Flugfahnen. Und dann, im Mai 2010, hatte er über den Wolken die himmlische Idee. Holger überraschte seine Tina zuvor mit einem eintägigen Flug zum nördlichsten Punkt der Welt, „einfach, um mal aus dem Alltagstrott rauszukommen”, meint er. Als er aber im Bordmagazin einen Swarovski-Ring entdeckte, fasste er einen spontanen Entschluss. Heimlich kaufte er bei der Stewardess den Ring, bat genau am Nordpol um das Mikrofon und fragte über den Bordfunk seine Tina: „Willst Du mich heiraten?” Mit Tränen in den Augen und unter dem Beifall von 280 Passagieren und der ganzen Besatzung hauchte Tina liebevoll: „Ja, ich will.” Dem derart coolen Heiratsantrag folgte im vorigen Jahr eine Hochzeit vor traumhaft sommerlicher Kulisse. „An der Ostsee auf der Seebrücke in Sellin gaben wir uns dann das Jawort”, schwärmt sie.

Wenn Gertrud Drabe (90) aus Leipzig von solchen romantischen Inszenierungen hört, muss sie stets über ihre eigene einfache Blitzhochzeit schmunzeln. Ihr Werner, den sie 1938 beim Tanz kennengelernt hatte, war in Belgien als Soldat bei einer Fliegereinheit stationiert. Am 17. Februar 1942 erhielt sie von ihm das Telegramm: Ankunft Donnerstag + stop + Hochzeit Sonnabend + stop. Die Sekretärin war völlig überrascht, hatte nur drei Tage Zeit, sich um ein Hochzeitskleid und um ein Festessen zu kümmern. „Am Sonnabend sind wir dann früh aufs Standesamt gegangen und sagten, dass wir heiraten möchten”, denkt Gertrud Drabe zurück. Das Paar hatte Glück und stieß auf einen freundlichen Beamten, der einfach von allen anderen Zeremonien ein paar Minuten abzog und am Nachmittag die Spontantrauung vollzog. „Es war trotz aller Eile und Improvisation der schönste Tag meines Lebens”, sinniert die Witwe.

Thomas Gillmeister

Auf dem Foto: Am Valentinstag denkt man gern an Heiratsanträge. Holger machte seiner Tina (re.) einen im Flugzeug über dem Nordpol. Gertrud Drabe (li.)  dagegen erhielt von ihrem künftigen Mann ein  Telegramm. (Fotos: PICTURE POINT)

08.02.12, 10:02