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„Als Schlussläufer cool bleiben“ – LAZ-Sprinter Martin Keller hat die EM und Olympia 2012 im Visier

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Es passt wieder für den Sprinter Martin Keller – und zwar nicht nur im übertragenen Sinne. Denn es waren die Schuhe, die dem 100-Meter-Läufer im letzten Jahr so viele gesundheitliche Probleme bereiteten.

„Kurz vor Weihnachten habe ich die Information bekommen, dass ich die ganze Zeit einfach nur die falschen Laufschuhe getragen habe“, blickt der 25-Jährige auf ein – nun ja – suboptimales Jahr 2011 zurück. Das zwar richtig gut begann mit der Silbermedaille bei den Deutschen Hallenmeisterschaften im Februar in Leipzig, aber dann bremste ihn ein Muskelfaserriss aus – und da vor allem die langwierigen Nachwirkungen. Denn eine Unsicherheit blieb, das Gefühl, nicht 100 Prozent geben zu können: „Es ist schon ärgerlich, dass die eigentliche Ursache mit den falschen Laufschuhen so spät entdeckt wurde.“

„Mental frischer“

Immerhin: Etwas Positives kann Martin Keller der ebenso langwierigen wie unfreiwilligen Pause abgewinnen. „Die letzten Jahre waren schon ziemlich anstrengend. Gerade auch durch meine Ausbildung bin ich da eigentlich permanent auf 110 Prozent gelaufen. Es hat mir in dieser Hinsicht durchaus geholfen, dass ich mich im letzten Jahr auch psychisch mal erholen konnte. Ich fühle mich mental frischer.“

Dazu kommt die Tatsache, dass diese Probleme nun hinter ihm liegen. Das Schuhwerk wurde ebenso gewechselt wie das Umfeld. Der Sprinter folgte seinem Trainer Ronald Stein (gleichzeitig auch Bundestrainer) von Chemnitz zum Leichtathletikzentrum Leipzig (LAZ). „Die Zusammenarbeit mit dem Trainer war immer sehr gut. Ich bin von seiner Trainingsmethodik überzeugt. Deshalb gab es für mich keinen Grund, dies zu beenden.“

Und zum anderen lockte das wesentlich höhere Leistungsniveau der LAZ-Laufgruppe in die Messestadt. „Es ist im Training immer etwas anderes, wenn einer auf deinem ­Niveau neben dir steht. Man kann den inneren Schweinehund besser zurückdrängen“, lacht der 25-Jährige. Mal ganz abgesehen davon, dass nun auch eine viel bessere Fehleranalyse zwischen den Athleten stattfindet.

Starts in der Halle

Unter diesen günstigen Voraussetzungen geht der Sprinter nun das Olympiajahr 2012 an – die ersten Trainingslager auf Teneriffa hat er mit seinen LAZ-Teamkollegen schon in den Beinen. Und weitere werden folgen: zum Beispiel im April in den USA, wobei auch schon erste Meetings auf dem Programm stehen.

Auch in der Halle wird Martin Keller in den nächsten Wochen starten. Mit eher dezenten Erwartungen, wie er klarstellt: „Wichtig sind die Ergebnisse im Sommer – was in der Halle war, interessiert dann nicht mehr.“ Was im Klartext bedeutet, dass sich der Sprinter in erster Linie auf die Höhepunkte Leichtathletik-EM 2012 in Helsinki und Olympische Spiele 2012 in London konzentriert.

„Vielleicht bin ich ja schon Anfang Mai die entsprechende Qualifizierungsnorm gelaufen“, hofft er (Zeit hat er übrigens bis zum 2. Juli). Und ist gleichzeitig froh darüber, dass diese nunmehr nur einmal erfüllt werden muss – und nicht zweimal wie in der Vergangenheit.

„Wenn man die Norm geschafft hat, kann man sich intensiv auf das Training konzentrieren“, sagt Martin Keller, der auch als Schlussläufer der 4×100-Meter-Staffel fungiert und als solcher 2010  die Bronzemedaille bei der EM in Barcelona holte: „Die Position des Schlussläufers liegt mir einfach. Zum einen liegt es mir einfach, auf den Geraden zu laufen“, und andererseits habe er ohnehin immer seine Startprobleme: „Ich musste immer hinterherlaufen und aufholen. Und als Schlussläufer muss man cool bleiben.“

Text/Foto: J. Wagner
Bildtext: Vor neuer Trainingsstätte: Martin Keller folgte seinem Trainer Ronald Stein im letzten Jahr nach Leipzig und schloss sich der Laufgruppe des LAZ an.

11.01.12, 13:01