Lange schlafen? Das ist nichts für die Wahl-Leipzigerin Katja Beer. Ein ausschweifendes Frühstück zum Sonntagmorgen? Auch dafür ist sie nicht der Typ. Am Wochenende sucht sie die sportliche Bewegung. "In meinem Beruf beim Zoll in der Öffentlichkeitsarbeit sitze ich den ganzen Tag am Schreibtisch, da muss ich mich abends und am Wochenende viel bewegen", erzählt das 1,65 Meter große Energiebündel mit einem Lächeln.
Die sportliche Karriere begann Katja Beer mit sechs Jahren - als Sportakrobatin. 1989 wurde sie die letzte DDR-Meisterin in ihrer Altersklasse - und wandelte auf den Spuren ihrer Mutter, die in der Sportakrobatik-Nationalmannschaft turnte. Dann kam die Wende: "Da hatte ich keine Lust mehr." Erst fünf Jahre später startete sie ihre Biathlon-Karriere. Auch dafür hatte sie die Gene: Vater Manfred war in den 70ern Biathlon-Weltmeister und Olympia-Medaillengewinner.
Unter Trainer Klaus Siebert startete sie ihren rasanten Aufstieg: Europacup 1995, Weltcup-Debüt 1996 und WM-Teilnahme 1997 in Osrblie (Slowakei), Olympische Spiele 1998 in Nagano. Katja Beer absolvierte in zehn Jahren 173 Weltcup-rennen, von denen sie eines gewann, wurde viermal Europameisterin, war bei vier Weltmeisterschaften und 1998 in Nagano am Start. Ein zweiter Olympia-Start 2002 blieb dem Sprachtalent, das neben deutsch und englisch auch russisch, norwegisch, französisch und "ein bisschen italienisch" spricht, verwehrt. "Ich war damals richtig gut drauf und wollte unbedingt zu Olympia", erinnert sie sich. Doch beim Ausscheidungsrennen gegen Teamkameradin Martina Zellner brach ihr Minuten vor dem Start der Schlagbolzen des Gewehrs - mit dem Ersatzgewehr war sie chancenlos.
Auch das Karriereende verlief alles andere als normal. Eigentlich wollte sie nach den verpassten Olympischen Spielen 2006 in Turin noch einmal angreifen, wurde in Ruhpolding deutsche Meisterin. Trotzdem wurde sie nicht für den Weltcup-Kader nominiert. Doch Powerfrau Katja Beer saß bereits kurz danach im Hörsaal der HTW Dresden zum Auftakt ihres Bachelor-Studiums "International Business", das sie längst abgeschlossen hat. "Das war eine krasse Zeit. Glücklicherweise hatte ich ein stabiles familiäres Umfeld. Vom Verband kam gar nichts."
Ganz vergessen hatte man die aufgeweckte Ex-Biathletin aber nicht - zumindest bei Eurosport. Schon 2007 war sie als Co-Kommentatorin von Kommentator Sigi Heinrich zu hören. "Irgendwann kam die Anfrage, weil ich mich doch in der Szene ganz gut auskenne. Also gebe ich jetzt bei den Biathlon-Wettkämpfen immer meinen Senf dazu. Das scheint bei den Zuschauern gut anzukommen."
Auch abseits des Eurosport-Engagements betätigt sich Katja Beer als Moderatorin. Am kommenden Wochenende (18. bis 20. Juni) wird sie mit Roman Knoblauch den FIS Rollski-Weltcup am Markkleeberger See moderieren. "Da freu ich mich schon drauf. Ich habe selbst oft auf Rollskiern gestanden."
A. Neustadt


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