Im Jahr 2012 können Thomaskirche, Thomanerchor und Thomasschule auf ihr 800-jähriges Bestehen zurückblicken - drei Institutionen, die trotz aller Brüche bis zum heutigen Tag ihren ursprünglichen Aufgaben gerecht zu werden versuchen: Glauben zu leben, Musik und Kultur zu gestalten, Menschen zu bilden.Der Thomanerchor und die Thomasschule sind nicht nur die beiden ältesten Bildungs- und Kultureinrichtungen der Stadt Leipzig. Sie sind mit ihrer reichen Tradition auch die Garanten für eine sinnvolle Gestaltung städtischen Lebens - nicht nur in dieser Stadt. Wer sich fragt: "Wie kann es sein, dass drei Institutionen die Reformationszeit und den damit verbundenen Konfessionswechsel, die Verwerfungen im Dreißigjährigen Krieg, das "Dritte Reich" und die Zeit von Diktatur und Bevormundung in der DDR-Zeit überstanden haben und weiter aufeinander bezogen sind?", kann nur die eine Antwort finden: es ist der Gegenstand, der die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen überdauern konnte und bis zum heutigen Tag das Kontinuum schafft.
Es ist der Glaube in der jüdisch-christlichen Tradition und die damit verbundenen Werte, die vor allem auch durch die Musik abrufbar geblieben sind; es ist die universale Sprache der Musik, die von dem Gott künden will, der alles Leben hält und trägt - ohne dass die Freiheit des Menschen eingeschränkt wird.
Zwei Geschenke
Der Trias Thomaskirche, Thomanerchor und Thomasschule wurden in der 800-jährigen Geschichte zwei Geschenke bereitet, die sich heute als Säulen der Tradition erweisen: Die Reformation und die damit verbundene Bedeutung der Kirchenmusik als Mittel der Verkündigung.
Außerdem hat die Reformation zwei Bereiche untrennbar miteinander verbunden: Glaube und Bildung. Und ebenso hat mit der Reformation die Stadt wesentliche Verantwortung für die Trias übernommen, die bis zum heutigen Tag anhält: Das Thomaskantorat von Johann Sebastian Bach von 1723 bis 1750. Bach wollte mit seiner Musik die Grenzen des Diesseits überschreiten: das Universum erschließen, zu "Gottes Ehre und Recreation des Gemüths" beitragen. Er verstand sich nicht nur als Musiker, sondern auch als Gelehrter.
Darin liegt das Geheimnis begründet, warum die Musik Bachs auch von Menschen verstanden werden kann, die weder in der lutherischen Glaubenstradition zu Hause sind noch zur Kirche eine Beziehung haben. Im Jahr 2012 blickt das Klinikum St. Georg in Leipzig auf "800 Jahre heilen, pflegen betreuen" zurück.
Keine zufällige Verbindung
In all den Jahren verstand sich das "St. Georg" immer als ein Ort der Hilfe und Zuflucht. Bis in die Gegenwart hinein ist es dieser Philosophie treu geblieben.
Die Gründung des Hospitals fiel nicht zufällig mit der Gründung des Thomasklosters zusammen.
Wie viele mittelalterliche Hospitäler, entstand auch das Spittal Sente Jorgen aus dem kirchlichen Recht und der Pflicht zur sozialen Fürsorge. So feiert Leipzig im Jahr 2012 sowohl 800 Jahre St. Georg als auch 800 Jahre Thomana.
T. Kleemann


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