"Unternehmer mögen diese Ländergrenzen nicht - im Gegensatz zu manchem Politiker", so begründete Jochen Lohse, weshalb der Bundesverband der Mittelständischen Wirtschaft (BVMW) zu seinem traditionellen Neujahrsempfang auf dem Leipziger Messegelände vor einigen Tagen nicht nur die Vertreter Sachsens, sondern auch Sachsen-Anhalts und Thüringens eingeladen hatte.Verbandspräsident Mario Ohoven teilte in seiner Ansprache mit, dass Umfragen bei Mittelständlern ergaben: Die meisten beurteilen die wirtschaftliche Lage besser als noch vor einem Jahr. Das Pflänzchen Konjunktur blühe wieder. Dennoch seien die Rahmenbedingungen für Investitionen unzureichend.
Kein zweiter Schuss
"Das Damoklesschwert des Mittelstandes ist die Liquidität", monierte Ohoven. Die Eigenkapitalquote liege bei den Mittelständlern in Deutschland unter zehn Prozent (größere Unternehmen bei 25 Prozent, bei den Angelsachsen seien über 50 Prozent normal). Manche Betriebe könnten sogar nur auf sechs Prozent Eigenkapital zurückgreifen.
Der Präsident kritisierte auch, dass etliche Banken schon wieder zu zocken begännen. Bei der ersten Krise hätten die Regierenden überall richtig gehandelt. Einen zweiten Schuss aber hätten sie nicht frei. Die bisherigen Leistungen der schwarz-gelben Regierung bedachte er ebenfalls mit kritischen Anmerkungen. Steuerstundungen seien ebenso nötig wie eine Regelung, wonach Gewinne nicht mehr versteuert werden, wenn sie nicht entnommen werden, sondern für Investitionen im Betrieb bleiben. Langfristig stärke das die Einnahmen des Staates.
Bundesgeschäftsführer Bodo Schwarz informierte die nahezu eintausend Gäste im CongressCenter der Leipziger Messe, dass Regionalgeschäftsführer Jochen Lohse vor wenigen Tagen mit der höchsten Verbandsauszeichnung geehrt wurde. Anlass waren seine Verdienste um den BVMW; der sächsische Verband ist nach Nordrhein-Westfalen der zweitgrößte in Deutschland und Lohse Leiter des BVMW Regionalverbundes Leipzig, der wesentlichen Anteil an diesem Wachstum hat.
Auszeichnungen
Zu ihrem Neujahrsempfang wurden auch zwei verdienstvolle Unternehmer für ihre Leistungen in Sachsen als "Unternehmer des Jahres" ausgezeichnet, darunter Helmut Möller, Inhaber der Regiser Anlagenmontagen.
Im vorigen Jahr realisierten die 125 Mitarbeiter einen Umsatz von 18 Millionen Euro mit Technik für den Bergbau, Kraftwerke und Bergbaufolgebetriebe.
Sachsens neuer Wirtschaftsminister Sven Morlok hob hervor, auf wie vielen Gebieten Sachsen traditionell Spitzenleistungen gebracht habe, und zählte viele davon auf. Das ist zwar verdienstvoll, ließ aber die Unternehmer der beiden anderen beteiligten Bundesländer ein bisschen außerhalb seiner Rede. Für das Zusammenwachsen wäre es wohl hilfreicher gewesen, diese einzubeziehen.
Thomas Biskupek
Barometer
Beim Neujahrsempfang des BVMW zog Gastgeber Martin Buhl-Wagner als Geschäftsführer der Leipziger Messe Bilanz des Ausstellungsunternehmens. Obwohl Leipzig wie die gesamte Messelandschaft infolge der wirtschaftlichen Schwierigkeiten Rückgänge hinnehmen musste, sind sie mit zehn Prozent erträglich ausgefallen. Z, Intec und Buchmesse fanden dennoch großen Zuspruch. Das neue Jahr verspreche wieder deutliche Zuwächse und zeige sich damit als hoffnungsvolles Barometer der Wirtschaft. So war die "Partner Pferd" erneut erfolgreich. Der Tierärztekongress erwies sich als besucherstärkster Deutschlands. Der Messechef empfahl, Gesicht auf den Handelsveranstaltungen zu zeigen.
T. B.


Von Klassik bis Karate, von Jazz bis Jugendstil: Unsere Veranstaltungs- datenbank hat die Termine für Ihr Vergnügen.
Klassenkameraden gesucht - Teilnahmecoupon