Für den 1. FC Lok Leipzig, derzeit auf Platz 11 der Oberliga Süd, beginnt am Sonnabend, 6. Februar (14 Uhr), im Bruno-Plache-Stadion gegen FC Erzgebirge Aue II die Rückrunde. Im Interview spricht der 1. Vorsitzende Steffen Kubald über sportliche Ambitionen, eigene Fehler und die Vorfreude auf Coach Frank Baum.
2009 war beim 1. FC Lok einiges los. Die Trainer wechselten. Auf Rainer Lisiewicz folgte Jörg Seydler. Derzeit übt Uwe Trommer das Amt aus. Wie erlebte der Präsident das vergangene Jahr?
Steffen Kubald: Unser Konzept der Ära nach Rainer Lisiewicz beinhaltet zwei wesentliche Punkte. Zum einen die Viererkette und zum anderen attraktiven Fußball. Was seit dem Übergang zu Jörg Seydler sportlich passiert ist, sehen wir durchaus selbstkritisch. Die Viererkette klappt, der attraktive Fußball nicht. Jörg Seydler ist ein akribischer Arbeiter, aber er bekam nicht die nötige Zeit, um sein Konzept auch erfolgreich umzusetzen. Ich hätte nicht gedacht, dass unsere Fans so wenig Geduld haben. So ein dickes Fell hatte Jörg Seydler nicht, deshalb hat er das Traineramt von sich aus abgegeben.
Für den 1. FC Lok ging es vier Jahre stets bergauf. In der Hinrunde blieb die Mannschaft hinter den Erwartungen. Wurden auch seitens des Vorstands Fehler gemacht?
Uwe Trommer war am Ende dieser Hinrunde genau der richtige Mann. Er hat die Köpfe der Spieler frei gemacht. Vielleicht wäre er schon nach Beendigung des Trainerverhältnisses mit Rainer Lisiewicz der richtige Mann gewesen, um die Saison gut zu Ende zu bringen. Dann hätten wir uns in Ruhe im Sommer überlegen können, was wir machen. So wie es tatsächlich lief, hatte es Jörg Seydler schwer, sein Konzept in Ruhe vorzubereiten.
Wie würden Sie mit Worten einen Strich drunter ziehen?
Ziemlich viele "hätte, wenn und aber" - so ist nunmal auch der Fußball. Wer weiß, was im Sachsenpokal noch möglich gewesen "wäre", wenn unsere herausragende Leistung gegen die Profis des FC Erzgebirge Aue belohnt worden wäre. Das ist jedoch abgehakt. Jetzt konzentrieren wir uns auf die Rückrunde und haben das Ziel, noch bis auf Platz fünf vorzurücken. Ich bin überzeugt, dass unsere Mannschaft dies schaffen kann. Zudem gilt es, unseren Fans attraktiven Fußball zu bieten.
Apropos Fans. Die Zuschauerzahlen waren leicht rückläufig. Wie kann der Trend gestoppt werden?
Man muss genau hinsehen. Die besten Spiele haben wir doch noch vor uns: Dynamo, Aue, Zwickau, RB und FC Sachsen. Deshalb bin ich da total optimistisch. Zumal ich sicher bin, dass unsere Zuschauer uns auch weiterhin die Treue halten.
Am morgigen Montag gibt es die letzte Möglichkeit, Spieler zu verpflichten. Wie ist der Stand?
Nach jetzigem Stand (Freitag, Red.) wird es keine Neuen geben. Für Benjamin Fraunholz haben wir eine Summe geboten, der Bornaer SV wiederum an uns eine Forderung gestellt. Auf einen Nenner kamen wir nicht. Bornas Trainer Ronald Werner wollte Benny freigeben, wenn er dafür zwei Spieler von uns bekommt. Jetzt hat Benny plötzlich seinen Vertrag in Borna gekündigt ...
Ab dem Sommer weht in Probstheida ein anderes Lüftchen, weil ...
... wir mit Frank Baum einen Trainer bekommen, der sich nicht verbiegen lässt, der seine Linie durchsetzt und der geradeaus anspricht, was geändert werden muss, anstatt hinten herum seine Meinung zu sagen. Das ist zumindest der Eindruck, den ich von ihm habe.
Wie wird sein Umgang mit den Spielern sein?
Die Spieler werden den eben angesprochenen anderen Führungsstil kennenlernen. Zudem können sich unsere jungen Fußballer unter ihm weiterentwickeln. Nachrücker aus der U 23 und dem Nachwuchs bekommen auch bei ihm weiterhin eine echte Chance. Die erfahrenen Spieler werden ebenfalls von Baum profitieren.
Wo steht Lok Leipzig in drei Jahren?
Unser Nahziel bleibt die Regionalliga. Wir wollen die zweite Kraft hinter RB Leipzig werden. Parallel dazu muss es uns auf Sicht gelingen, überregionale Sponsoren für den 1. FC Lok zu begeistern. Das ist ein langer Weg, für den wir viel Kraft und im Umfeld das ständige Bewusstsein benötigen, dass unser Verein täglich im Fokus ist.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Kubald.
Interview: D. Quosdorf


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