Raymond Ingram ist nicht irgendein Basketball-Coach. Er ist Amerikaner und damit auch Berufsoptimist mit grenzenlosem Ehrgeiz. Beim Frühstück mit SachsenSonntag gab er Einblick in seine besondere Welt. Raymond Ingram - mit Spitzname "Ritz" - drückt auf den Button "Send". Die Mail bahnt sich ihren Weg Richtung Empfänger. Nichts Besonderes - in der heutigen Arbeitswelt geht ohne Kommunikation via World Wide Web fast nichts mehr. Bloß die Uhrzeit ist etwas ungewöhnlich - 3.20 Uhr!
Ritz Ingram warf mit 13 Jahren - für einen amerikanischen Jungen mehr als spät - zum ersten Mal einen Basketball auf und tatsächlich auch gleich in den Korb. Das Spiel ließ ihn nicht mehr los. Er durfte in Philadelphia und an der Hofstra University in New York aufs Parkett. Später coachte er unter anderem in Würzburg und Quakenbrück. Als Trainer des BBVL kümmert er sich heute in erster Linie um das Damen-Basketball-Team.
Ritz Ingram wäre nicht er selbst, wenn er nicht noch eine zweite Sicht auf alle Dinge hätte. Ein Beispiel: Im Sommer stand der Bundesliga-Abstieg seines Vereins fest. Doch dann bekam der BBVL überraschend das Startrecht für Liga eins. Eigentlich Anlass zu Freudensprüngen. Nicht für den sympathischen Amerikaner. "Das Konzept für den Neuanfang lag schon in der Schublade. In Liga zwei hätten wir vielleicht eine ungeheure Siegermentalität entwickelt. So etwas kann langfristig manchmal viel wert sein." Die Entscheidung fiel trotzdem für Liga eins - auch weil etwas anderes Sponsoren und Partnern nur schwer zu vermitteln gewesen wäre.
Für den zielstrebigen Ritz Ingram gibt es viele Dinge, die er als völlig normal empfindet, wo sich manch Einheimischer verwundert die Augen reibt. Da ist auch die Sache mit den E-Mails zu später Stunde. "Hey, wo ist das Problem", sagt Ingram in feinstem amerikanischen Slang. "Ist doch sch... egal, wann ich die versende. Ich mach meine Arbeit und denke dabei an den Erfolg, auch wenn es mitten in der Nacht ist. "Ich kann mir nichts Besseres vorstellen als in Deutschland als Trainer zu sein, aber es gibt schon some differences in die Mentalitäten."
Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Vielen fehle hier manchmal der Mut, etwas einfach anzupacken. "In meiner Heimat haben die wenigsten Angst vor Misserfolg." Nicht immer sei das das beste Rezept, aber die Deutschen probieren es oft gar nicht erst. "Die Leute sind zu vorsichtig", stellt der Coach fest. Dabei wäre die Möglichkeit, dass etwas klappt, doch schon den Versuch wert.
Eine Welt ohne Werte und Visionen kann sich Ritz Ingram ohnehin nicht vorstellen. Orientierung bieten u. a. John F. Kennedy und der britische Schriftsteller Rudyard Kipling.
Ritz ist immer offen für Einflüsse. Unterschiedliche Mentalitäten interessieren den Coach. "Japaner und Chinesen bewundere ich sehr. Die arbeiten so lange, bis sie besser sind als du. In den USA hofft der Besitzer eines Ladens, dass er auch zu später Stunde noch etwas verkauft, hier steht man da längst vor verschlossenen Türen."
Auch im Sport verstehe er einige Dinge nicht: "Wir haben einmal hart trainiert und nur zwei Spielerinnen machen noch eine Extra-Einheit mit Läufen. Hey, das will ich sehen. Das ist in den USA normal, wenn man vorankommen will."
Ritz ist wunderbar verrückt - basketballverrückt! Der 59-jährige Ingram hat nicht nur seine Erstliga-Damen im Kopf, sondern auch immer die gesamte Entwicklung des Vereins und des Basketballs. Beobachtungen der Nachwuchsteams sind für ihn deshalb selbstverständlich.
Ach ja, zu einem echten amerikanischen Frühstück käme er da leider nur sehr selten. Wenn doch, dann gibt es leckere Pancakes (eine Art Eierkuchen aus dunklem Teig) mit Ahornsirup, dazu ein Glas Orangensaft.
D. Quosdorf
www.ritzbball.de
www.bbvl-basketball.de


Von Klassik bis Karate, von Jazz bis Jugendstil: Unsere Veranstaltungs- datenbank hat die Termine für Ihr Vergnügen.
Klassenkameraden gesucht - Teilnahmecoupon