Kunst mit allen nötigen Rahmenbedingungen also. Büroarbeit mit Telefonaten, Mailverkehr und Agenturgesprächen trifft hier auf Termine zum Vorsingen und ihr wachsames Auge bei Probenstart und Schlussproben. Und auch bei der Premiere ist sie immer mit dabei. Bei dieser haben die Operndirektorin und ihr Team mindestens genauso viel Lampenfieber wie ihre Kollegen auf der Bühne, denn schließlich sei jedes Stück wie ein Kind. Mit ihrer eigenen Familie verbringt die 41-Jährige die wenige Freizeit, die ihr neben dem Job als Operndirektorin bleibt. Sonntags "darf" sie ein Stündchen länger schlafen, während sich ihr Lebensgefährte um die beiden Kinder kümmert. Nach dem Frühstück - meist mit Toast und allerlei leckeren süßen und herzhaften Dingen darauf - geht es möglichst hinaus in die Natur. "Im Sommer waren wir oft in der Schkeuditzer Bucht. Aber auch den Auensee und den Auenwald genießen wir", sagt sie. Seit eineinhalb Jahren lebt sie mit ihrer Familie in Leipzig, davor arbeitete Franziska Severin an der Oper im schweizerischen St. Gallen.
Ursprünglich stammt Franziska Severin aus Berlin, wurde schon von ihren Eltern oft mit zu kulturellen Veranstaltungen genommen. "Da singt eine dicke Frau und alle Männer sind hinter ihr her, habe ich damals gedacht", erinnert sie sich an ihre erste bewusst erlebte Oper, Puccinis "Das Mädchen aus dem goldenen Westen". Heute wünsche sie sich so manches Mal diesen unverstellten Blick auf die Werke zurück.
Karrierestart in Berlin
Zunächst war Franziska Severin vor allem vom Schauspiel begeistert, die Leidenschaft zur Oper erwuchs erst später, bei einer Hospitanz an der Deutschen Oper Berlin unter den Fittichen von Regisseur Götz Friedrich. Der war so begeistert von Severin, dass er sie dort behielt und sie nach einjähriger Hospitanzzeit sogar eine Stelle als Regieassistentin bekam. "In jeder Hinsicht war das damals, kurz vor der Wende, eine glanzvolle Zeit", erinnert sie sich an die Situation an der Oper. Nach der Wende, als alle Bundesbehörden nach Berlin umzogen, holte sie aus zum "Gegentrend" und wechselte zur Oper Bonn. Später arbeitete sie als freischaffende Regisseurin und lernte so vor neun Jahren auch Leipzig kennen, als sie an der Musikalischen Komödie die Operette "Die Csárdásfürstin" inszenierte. Als Severin erfuhr, dass in Leipzig die Direktorenstelle neu besetzt wurde, bewarb sie sich kurzerhand.
Auch von anderen Opernhäusern wird Franziska Severin inspiriert. "Gut gemachte Abende packen mich genauso wie die anderen Zuschauer auch", sagt sie und erinnert sich an ihren Besuch vor kurzem in der Oper Amsterdam, wo sie bei der Premiere von Salome in der Regie von Peter Konwitschny zugegen war. Gelungen sei eine Oper "in dem Moment, in dem mir eine Geschichte von glaubwürdigen Menschen erzählt wird, mit denen ich mitdenken und mitfühlen kann." Sie gesteht: ,Bei "La Bohème' muss ich am Ende immernoch weinen." Dieses Jahr feiert die Oper Leipzig ihr 50. Jubiläum. Zahlreiche neue Produktionen stehen an. Außerdem übernimmt Franziska Severin die Regie für die Oper "Casanova" von Albert Lortzing an der Oper Klagenfurt. Des Aufwandes ist sie sich bewusst und die Leidenschaft schwingt in ihrer Stimme, als sie sagt: "Ich bin gespannt. Der Laptop und die Leitungen nach Leipzig werden glühen."
IO


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