Es gibt ihn tatsächlich, den idealen Sonntag. "Es klappt nicht immer, aber ich versuche ihn freizuhalten", sagt Heiko Rosenthal - obwohl dies nicht ganz so einfach ist. Termine bei Sportveranstaltungen oder bei den Kleingärtnern könne er am Wochenende schon fest einplanen.Den so genannten Idealfall nutzt Heiko Rosenthal umso intensiver. "Ich schlafe dann bis 9.30 Uhr und frühstücke lange." Dunkle Brötchen, Wurst und Käse werden aufgetischt, ein selbst gemixter Obstsaft darf ebenfalls nicht fehlen. Das Heißgetränk Nummer eins heißt nicht etwa der Kaffee wie bei den meisten Leuten: "Da komm ich einfach nicht ran. Schwarzer Tee, am liebsten mit Milch, schmeckt mir da schon wesentlich besser."
Am Sonntag ist dem 34-Jährigen die Ruhe in den eigenen vier Wänden heilig. Dennoch kann das Frühstück auch gern außer Haus stattfinden. Und dann zieht er los - ein großer Tross mit Familie, Freunden - und dem Bürgermeister. "Es sind immer einige Kinder mit dabei. Deshalb suchen wir uns ein paar schöne Cafés in der Könneritzstraße mit Spielmöglichkeiten."
Die Ausflüge sind sozusagen die Garantie zum Abschalten. Und Abschalten sei ganz wichtig. Denn der zehn- bis zwölfstündige Arbeitstag Heiko Rosenthals ist vollgepackt: Nach der morgentlichen Presseauswertung folgen Besprechungen mit dem Oberbürgermeister, den Amtsleitern, Investoren und Medien. "Ich bin eigentlich immer auf Achse", erklärt er. Samstags gibt es meistens noch Termine. Und nicht selten wird auch der Sonntagabend genutzt, um sich schwierige Vorlagen lesend auf die Dienstberatung mit dem OBM und damit schon auf die neue Woche vorzubereiten.
Seit gut drei Jahren ist er nun Bürgermeister für Umwelt, Ordnung und Sport. Aufgrund seiner Jugend wurde ihm zu Beginn seiner Amtszeit diese Aufgabe nicht zugetraut. Doch nach dem Motto "Erfahrung heißt gar nichts. Man kann seine Sache auch 35 Jahre schlecht machen" (Kurt Tucholsky) überwand Rosenthal mit Gelassenheit und Charme die schwierige Anfangsphase. Den großen Schritt vom Referent im Chemnitzer Regierungspräsidium zur Dezernatsleitung hat er nicht bereut: "Es ist der schönste Job, den ich mir vorstellen kann, da es immer wieder neue und interessante Themen gibt, denen ich mich stellen darf und muss."
Überschätzte Spielräume
Aktuell größtes von ihm auf dem Weg gebrachtes Projekt im Sport ist das "Sportprogramm 2015". Bereits im nächsten Jahr werden zehn Millionen Euro in infrastrukturelle Maßnahmen investiert, weil zum einen die Sporthallenkapazitäten nicht mehr ausreichen und zum anderen der Stadtraum noch besser für sportliche Aktivitäten genutzt werden soll.
Zum Sportprogramm 2015 gehört auch die Förderung des Breiten- und Leistungssports. Bei Letzterem wurme den Bürgermeister die völlige Überschätzung der städtischen Möglichkeiten. Allen könne man nun mal nicht helfen: "Ich muss sehen, wo wir genügend finanzielle Spielräume haben. Dabei müssen wir aufpassen, dass wir uns nicht gegenseitig die kurze Decke wegziehen." Die Stadt sei deshalb nur in der Lage zu unterstützen, wenn sie sich auf Schwerpunkte konzentriere. Bei der Auswahl eben dieser achtet der studierte Jurist darauf, dass es Voraussetzungen für eine Weiterentwicklung gibt: Ist eine Infrastruktur vorhanden? Und gibt es gute Voraussetzungen für die Nachwuchs-Entwicklung?
Rosenthal - seit 1998 PDS-Mitglied - wünscht sich natürlich zuweilen auch mehr Verständnis für seine eigene Rolle: "Nur auf den Sport fokussieren - das geht natürlich nicht." Die Ressorts Umwelt und Ordnung fordern ebenfalls den ganzen Bürgermeister. So sind unter anderem das Energie- und Klimaschutzkonzept ("Das Thema wird völlig neu angefasst"), der Gewässerverbund Leipziger Neuseenland (Bau des Stadthafens, Spatenstich Karl-Heine-Kanal) und der Brandschutzbedarfsplan (ebenfalls infrastrukturelle Maßnahmen) große Vorhaben für 2010.
Große Vorhaben benötigen Kraft. Klar, dass sich Heiko Rosenthal den Großteil des Sonntags gerne frei hält, für Radtouren auf dem Luppedamm, im Rosental oder dem leckeren Mittagessen bei der Großmutter in Großpösna. "Sie weiß, dass sie mit Gulasch und Klößen immer bei mir punktet", schmunzelt der Bürgermeister.
quo


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