Von der Silvesterfeier mit der Straßenbahn heim? Die Frage werden wohl manche Leute am frühen Neujahrsmorgen nicht stellen, weil sie Befürchtungen haben, wem man dort wohl alles begegnen könnte.Also doch mit dem eigenen Wagen? Also nüchtern ins neue Jahr kommen? Und dann weiß man nicht, wer einem vor die Räder springt, weil eben in so einer Nacht immer ein paar Leute einen mehr als üblich in der Krone haben.
"Wahnsinn" nach null Uhr
Natürlich gibt es eine einfache, auf der Hand liegende Lösung: Man ruft sich ein Taxi! Aber das ist gar nicht so einfach. Entweder man bestellt schon vorzeitig die Fuhre, dann besteht die Möglichkeit, dass man aufbrechen muss, wenn es am schönsten ist. Nach Mitternacht aber geht der "glatte Wahnsinn" los, wie das Steffen Schweitzer formuliert. Seit fünf Jahren ist der gelernte Isolierer selbstständiger Taxiunternehmer. Silvester ist ein Muss für ihn. Da seine Freundin in der Gastronomie beschäftigt ist, passen ihre Schichten auch zusammen. Wenn es dann im Februar in beiden Branchen eher trüb aussieht, ist für beide Urlaub angesagt - irgendwo in wärmeren Gefilden. Aber zu Silvester muss das Auto rollen.
Schweitzers Kollege Dieter Teske, bei einem größeren Unternehmen beschäftigt, weiß: "Ab ein Uhr beginnt die Hauptbetriebszeit." Und die halte oft bis zur nächsten Frühschicht an. Der einstige Sportlehrer fährt schon lange Taxi und weiß: Silvester ist ein absoluter Höhepunkt, den jeder Kollege mitnimmt, wenn es irgendwie geht. Ärger mit Kunden? Wenig, sagen beide. Oft sind die Leute freundlicher - und geben auch mehr Trinkgeld. Und für den Fall, dass doch jemand seinen Alkoholpegel überschätzt hat, führt man Tüten mit, wie das im Flugzeug der Fall ist.
Schreck bei Böllern
Gefährlicheres Fahren als sonst? Das kann niemand so ganz verneinen. Bei den ersten Böllern erschrickt man noch. Dann gewöhnt man sich dran. Teske hat es schon erlebt, dass eine Rakete direkt auf ihn zuraste. Aber passiert sei nichts. Unangenehm ist es natürlich auch, dass außer dem Böllerabfall dazwischen und darunter immer wieder gesplittertes Glas liegt. Zwar haben Autos dicke Reifen; bei Splittern aber kann das schon mal danebengehen. Deshalb ist ein intaktes Reserverad in der Nacht auf Neujahr extrem wichtig. Und mancher hat sogar Reserve fürs Reserverad dabei.
Macht es eigentlich Spaß, in so einer Nacht zu fahren, in der andere abfeiern? Die Fachleute meinen: Meistens ja, das andere muss man in Kauf nehmen. Die meisten Leute sind lustig und freundlich. Abgesehen davon, dass man auch viel mehr Aufträge bekommt. Schweitzer sagt: "Wer vernünftig denkt, ist in der Nacht draußen."
Thomas Biskupek
Unter anderem:
www.taxidirect.de
www.taxi4884.de
www.taxi-4233.de
Hintergrund: Zu teuer?
Mit 1,90 Euro je gefahrenem Kilometer gehört Leipzig zu den teureren deutschen Städten - aber nur unter den nach Platz zehn Rangierenden. In über 30 Städten werden zwischen 1,90 bis 1,35 Euro verlangt. Es gibt aber auch deutlich teurere Fahrpreise.
Insgesamt laufen in Leipzig rund 725 Taxen. In den sogenannten Saure-Gurken-Zeiten ist das deutlich zu viel. Nicht nur in der Silvesternacht aber reicht das nirgendwo. Auch am Heiligabend und bei Messen wird es eng mit dem Angebot. Und bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland wurden Taxen auch knapp an den Tagen, da in Leipzig gespielt wurde. Im Internet kursieren auf entsprechende Anfragen schon mal Antworten wie: "Taxen fehlen in Leipzig immer; stell Dich auf die Straßenbahn ein!" Das stimmt zwar so nicht, scheint aber den Erfahrungen einiger Leute zu entsprechen.
T. B.


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