Angesichts der rasant gesunkenen Zahl von Schulabgängern mühen sich viele Unternehmen um stabile Belegschaften. Dazu gehört nicht nur die traditionelle Lehre.Industriebetriebe mit der entsprechenden Kapazität beispielsweise haben sich längst damit abgefunden, dass Schulabgänger vielen heutigen Anforderungen nicht entsprechen und richten Klassen ein, in denen vor dem eigentlichen Lehrbeginn unterrichtet wird, was in den jeweiligen Berufen unbedingt nötig ist - vor allem Mathematik, Deutsch und Naturwissenschaften. Auch Englisch wird bei vielen gebraucht.
Erfolg: Meisterschule
Eine spezifische Bildungsmaßnahme gibt es im Handwerk: die Meisterschule. Das garantiert eine zielstrebige Weiterbildung ausgelernter Gesellen. Freilich ist das eine zweischneidige Sache: Viele nutzen den Meisterbrief, um sich früher oder später selbstständig zu machen. Das ist zwar der eigentliche Sinn dieser Form von Weiterbildung, aber der Betrieb, der jungen Leuten dabei hilft, verliert Mitarbeiter und bekommt eventuell sogar Konkurrenten.
Eine andere Form nutzen die Mitglieder der Elektro-Innung Leipzig für sich und schlossen kürzlich eine weitere Runde ab. Die Innungsmitglieder schicken geeignete Gesellen, die sie gern langfristig an ihr Unternehmen binden wollen und wegen ihrer Leistungen schätzen, zu einem Obermonteurs-Lehrgang. Zehn Absolventen sind gerade fertig. Sie haben zwar keinen Meisterbrief in der Tasche, aber ein Zertifikat, das ihnen bescheinigt: Sie können eine Baustelle selbstständig leiten.
Sozialfonds zahlt mit
Dazu gehören Zusatzschulungen zum Thema Baustellenleitung, Sicherheit, fachliche Spezifika, die bei der üblichen Elektrikerlehre nicht dabei sind, Kalkulation, DIN-Vorschriften und vieles anderes mehr. 200 bis 220 Stunden muss jeder lernen, um diese Qualifikation zu erwerben. Teilweise wird das durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Den Rest tragen die Betriebe.
Innungsgeschäftsführer Torsten Otto, als Rechtsanwalt selbst an Schulungen beteiligt, die Rechtsfragen betreffen, weist darauf hin: Zehn junge Leute haben den Lehrgang erfolgreich beendet. Ende Januar wird der nächste beginnen. Auf diese Weise sichern sich einige Elektriker, dass ihnen begabte Nachwuchsleute die Treue halten.
Die Angebote im wirtschaftlichen Alltag, Mitarbeitern durch zusätzliche Qualifikationen mehr Perspektiven im eigenen Betrieb einzuräumen, reichen bei Kleinunternehmen von Zusatzkenntnissen im Büro, über spezielle Techniken wie Schutzgasschweißen und das Bedienen von CNC-Maschinen bis zum Umgang mit Sicherheitstechnik, der in vielen Branchen verlangt wird.
Die derzeitige Lage am Arbeitsmarkt nutzen einige Unternehmen auch, um Mitarbeitern während der Kurzarbeit Qualifizierungen anzubieten. Davon haben beide Seiten etwas.
Thomas Biskupek
Hintergründ: Zusatzqualifikationen und ihre Vorteile
Zusatzqualifikationen richten sich an Auszubildende in einem staatlich anerkannten Ausbildungsberuf im dualen System und ergänzen die Ausbildung durch zusätzliche Kenntnisse und Fertigkeiten, die nicht in der Ausbildungsordnung eines Berufes vorgeschrieben sind. Sie finden während der Berufsausbildung oder unmittelbar nach Abschluss der Ausbildung statt und sind der Einstieg ins lebenslange Lernen.
Der Berufsnachwuchs erwirbt mehr Fachwissen und verbessert seine Übernahmechancen im Betrieb. Er bekommt bessere Karrieremöglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt und nutzt die Zeit durch Spezialisierung und Erwerb zusätzlicher Qualifikationen.
T. B.


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