Er kickte selbst noch auf der Straße, weil es keine Plätze gab. Heute ist Willi Wassel, Präsident des mit 14.000 Mitgliedern größten Sportverbandes in Sachsen, der Fels in der Brandung, wenn im Leipziger Fußball die Interessen aufeinanderprallen."Meine Arbeit ist es, bei der Ernte zu helfen", sagt Willi Wassel ganz bescheiden. "Petra, unsere Gartenfreundin, übernimmt dann die Produktion." Der 70-Jährige hält ein Glas mit dem fruchtigen Gelee in der Hand und sagt: "Wenn es fertig ist, kommt es dann direkt auf unseren Frühstückstisch."
Willi Wassel strahlt. Er ist zufrieden. Gleichermaßen. Zum einen mit dem wieder einmal gelungenen Fruchtgelee aus Äpfeln, Erdbeeren, Brombeeren und Holunderblüten aus dem eigenen Garten. Zum anderen mit dem, was er im Leipziger Fußball seit seinem Amtsantritt als Präsident des Fußballverbandes der Stadt Leipzig 1992 alles bewegen konnte. Sein (Ehren)-Job ist die Koordination von 500 Mannschaften, 400 Schiedsrichtern, des zwölfköpfigen Vorstandes, diversen Ausschüssen für die Erwachsenen, Jugendlichen, Schiedsrichter und den Volkssport. Dazu kommen Sport- und Verbandsgericht.
Ob Vorfälle auf dem Spielfeld oder rassistische Äußerungen im Kabinentrakt - Willi Wassel steht immer mitten im Brennpunkt. Denn das Schlichten bei unterschiedlichen Vereinsinteressen gehört ebenfalls zum täglich Brot. Nicht immer einfach. Denn alle - ob Fußballer oder Funktionäre - begleiten die schönste Nebensache der Welt bekanntermaßen mit vielen Emotionen. Die Gelassenheit Wassels kommt da gerade recht.
Wassel kam 1948 nach Leipzig. "Meine Kumpels und ich haben zunächst nur auf der Straße gekickt." Anfang der 50er-Jahre gab es dann viele Vereinsgründungen. Wassels Heimat wurde in den 60ern der SV Einheit Pädagogik Leipzig (später SV 1910 Leipzig) am Gontardweg. "Während des Studiums spielte ich mehr Fußball, als dass ich studierte", erinnert sich Wassel und lacht. "Meine Noten waren trotzdem immer gut", betont der spätere Lehrer.
Anfang der 90er wurde er schließlich zum "obersten" Fußball-Funktionär Leipzigs - auf ehrenamtlicher Basis. Schon einige Male wollte er aufhören. Aber fähige Nachfolger waren nie zu finden.
Und die Verantwortung ist groß. Gerade jetzt - in der bis zum Sommer dauernden Findungsphase der Strukturreform. Die Bezirksverbände Dresden, Leipzig und Chemnitz entfallen. Dem Sächsischen Fußball-Verband unterstehen dann direkt 13 neue Kreisverbände. Bei diesem Thema ist Wassel dann doch mal erregt. Es gäbe viele neue Umstände, einiges wurde nicht bedacht. "Es müssen neue Vorstände und Funktionäre gefunden werden. Und für die Fußballer entstehen weitere Fahrwege."
Willi Wassel beschäftigt sich auch mit anderen (Fußball)-Themen dieser Zeit: "Der Wettskandal ist ein schlimmer Auswuchs im Fußball, den ich nicht gutheißen kann." Was ihn generell ärgere, sind die Millionengehälter im Fußball. "Die Gegenleistung kann doch kein Mensch erbringen. Aber natürlich weiß ich auch, dass heutzutage nunmal der Kommerz regiert."
Auch danach viel Arbeit
Dass dies mit dem Einstieg von Red Bull auch im Leipziger Fußball bald Tatsache werde, möchte er nicht verurteilen. Er warte zwar schon noch auf eigene Leistungen des neuen Clubs. Dass diese kommen werden, stehe für Wassel jedoch außer Frage. "Ein sehr verheißungsvoller Gedanke, dass Leipzig bald wieder in höheren Spielklassen vertreten ist."
Im Juni 2010 soll dann doch Schluss sein als Präsident. "Ich fühle mich zwar noch in der Lage, dieses Amt lange auszuführen, aber irgendwann reicht es eben." Neben der Arbeit im Studio M (Malerei + Marketing) von Frau Monika Seidel (Präsidentin BBVL) wird er sich voll auf seinen Garten konzentrieren. "1500 Quadratmeter bedeuten eine Menge Arbeit!"
quo


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