Seinen Anfang nahm alles mit einer Recherche des Quartiermanagements Grünau: Diese zeigte einerseits (mehr als) deutlich auf, dass in dem im Stadtumbau befindlichen einwohnerstärksten Leipziger Ortsteil zwar eine durchaus respektable Anzahl Gremien existiert, in denen sich die Bürger stark engagieren, andererseits jedoch ein Defizit an geeigneten Moderatoren festzustellen ist, die in der Lage sind, Beteiligungsprozesse selbst zu moderieren und unabhängig zu begleiten.Die Erhebung und der daraus resultierende Bedarf ermöglichten die Förderung des beispielhaften Projekts für Aktive im Stadtquartier, so dass die "Ausbildungsplätze" ausgeschrieben werden konnten und sich neun Grünauer aus eigenem Antrieb entschieden, sich zum Bürgermoderator zu qualifizieren. "Dabei macht uns besonders die Zusammensetzung stolz, die sich durch alle Altersgruppen und sozialen Schichten zieht", so die übereinstimmende Meinung von Stadtteilmoderatorin Antje Kretzschmar und der Leiterin des Projektes, Peggy Diebler.
Die Schwerpunkte der Ausbildung innerhalb der dreimonatigen Maßnahme lagen insbesondere in der Organisation und Leitung von Veranstaltungen mit aktiver Bürgerbeteiligung, dem Erlernen von Moderationstechniken für die neutrale Gesprächsleitung, der Initiation und Entwicklung von Prozessen zur aktiven Bürgerbeteiligung sowie der Vor- und Nachbereitung sowie Dokumentation entsprechender Konferenzen. Das Kurskonzept setzte dabei vorrangig auf das praxisbezogene Lernen, das eigenständige Erarbeiten thematischer Inhalte sowie die Probemoderation zweier Veranstaltungen in Grünauer Gremien.
Dabei bewogen die Teilnehmer die unterschiedlichsten Gründe, die Ausbildung zu beginnen und mit der kürzlich erfolgten feierlichen Übergabe der Zertifikate erfolgreich abzuschließen.
"Für mich ist es wichtig, Sicherheit in der neutralen Moderation von Sitzungen zu erlangen, in denen Teilnehmer mit den unterschiedlichsten Meinungen aufeinandertreffen", so Peter Brada, der sich ehrenamtlich in zahlreichen Vereinen und Bürgerinitiativen engagiert.
Zudem galt sein besonderes Interesse dem Erlernen und der Auswahl optimaler Abfragetechniken sowie dem professionellen Zeitmanagement. Marion Drya hingegen führte eher pragmatische Gründe an, die ihre Entscheidung für die Qualifizierung beeinflussten. "Ich wusste nicht wirklich, ob ich das will", so die resolute Grünauerin.
"Aber man kann schließlich nicht nur meckern, und im Nachhinein war es absolut die richtige Wahl." Ihres Erachtens weiß ein Großteil der Bevölkerung gar nicht, was er im Rahmen der Bürgerbeteiligung zu leisten imstande ist - "und diese Chance sollte man dann auch nicht vertun", vertritt Marion Drya ihre Sicht auf die Dinge. Gerade in kleinräumigen Prozessen des stets in unruhigem Fahrwasser befindlichen Ortsteils wie der Neugestaltung von Brachflächen könne es nur von Vorteil sein, im Vorfeld die Geschicke in die Hand zu nehmen und nicht erst aktiv zu werden, wenn Entscheidungen bereits getroffen sind. Gemeinsam mit Hartmut Schneider, der ebenfalls erfolgreich am Projekt teilnahm und sich bereits als Organisator des am 8. Juni bereits zum zweiten Mal stattfindenden "Allee-Center" Cup einen Namen machte, wird Marion Drya ab August den Bürgerbeirat im Wohnkomplex 4 moderieren und Gelerntes in die Praxis umsetzen.
Das Fazit von Stadtteilmoderatorin und Initiatorin Antje Kretzschmar kann positiver nicht ausfallen: "Viele der Teilnehmer sind im Laufe der Ausbildung über sich hinausgewachsen und haben viel Selbstbewusstsein hinzugewonnen" - und das Herzblut war sowieso von Anfang an dabei!
T. Kleemann


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