Die dramatischen Ausmaße des 17. Juni 1953 sind vielen Leipzigern im Gedächtnis haften geblieben. Der Pavillon der Nationalen Front auf dem Marktplatz brannte lichterloh, und der sowjetische Panzer feuerte auf den Trümmergiebel an der heutigen Einkaufspassage. Doch die damaligen Studenten der Ingenieurschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in der Dimitroffstraße (heute Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur; HTWK, Wächterstraße 13) haben gute Erinnerungen an diesen Tag.
Endlich konnten die 90 Studierenden ihre Ingenieurbriefe in den Händen halten. An das wüste Treiben in der Innenstadt können sie sich aber noch gut erinnern. Am 14. Juni diesen Jahres haben sich die ehemaligen Ingenieure nach 50 Jahren wiedergesehen und haben in einer Art Kommilitonen-Treffen wieder zueinander gefunden. Doch bevor es so weit war, hatten die Organisatoren Dieter Lier aus Leverkusen, Lothar Koch und Manfred Lehmer, beide aus Leipzig, viel zu tun. Schon vor zehn Jahren hatte der Leverkusener versucht, seine Klassenkameraden zusammentrommeln und Kontakt mit der HTWK aufzunehmen. Doch vergebens.
53 Absolventen
Zu dem diesjährigen geschichtsträchtigen Jubiläum hat es dann doch geklappt. "Wir waren in den Bürgerämtern und im Ordnungsamt der Stadt und haben versucht, anhand von Namen und Geburtsdaten die Kameraden samt Adresse ausfindig zu machen", so die Organisatoren. Immerhin haben die Initiatoren 53 ehemalige Absolventen gefunden. Zum Ingenieur- Jubiläum am 14. Juni sind 35 Herren der Jahrgänge 1929 bis 1934 angereist. Viele hatten sogar wichtige Termine oder den Urlaub verschoben, um dabei zu sein. Der älteste Besucher aus der Messestadt ist mittlerweile 83 Jahre alt. "Zwei Frauen haben damals mit uns studiert", sagte der Teilnehmer Manfred Lehmer schmunzelnd.
Die Initiatoren hatten ein buntes Programm zusammengestellt und viel Zeit für Gespräche eingeplant. Etwa zwei Stunden besuchten die "alten Hasen" die heutige HTWK in der Wächterstraße. Professor Klaus-Peter Schulze, der am Institut für Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik der Fachhochschule tätig ist, führte die Absolventen durch das Gebäude. So konnten sie ihre ehemaligen Hörsäle und Klassenzimmer betrachten sowie die neuen Labore und Praxisräume bestaunen. Danach stand ein Mittagessen in der "Alten Wache" des Ratskellers im Neuen Rathaus auf dem Programm.
Stufen zum Turm
Am Nachmittag begaben sich die Kommilitonen auf die Aussichtsplattform des Rathausturmes, um bei einem Gläschen Sekt den Blick auf Leipzig zu genießen. Immerhin sind 26 Herren die 222 Stufen zum Turm hinaufgestiegen. Bis in die Abendstunden schwatzten und lachten die Absolventen miteinander, schließlich hatten sie sich 50 Jahre nicht gesehen. Nur drei von ihnen, darunter auch Lothar Koch, treffen sich heute noch zum regelmäßigen Skatspielen.
Erinnerungen
Etwa 80 Prozent der Rentner sind in der damaligen DDR geblieben und waren in Großbetrieben tätig. Die Übrigen haben in Westdeutschland Fuß gefasst und schwelgten mit den "Daheimgebliebenen" in Erinnerungen. Da alle Teilnehmer noch immer von dem Zusammentreffen schwärmen und nun auch Adressenlisten und Fotos existieren, ist ein Wiedersehen im nächsten Jahr geplant. Dann wollen sich die Ingenieure den Fachbereich Maschinenbau der HTWK in Markkleeberg ansehen.
sas


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