Große Pläne mit kleinen Modellen: Frank Wackernagel und sein Auenhainer Modellbauparkn Frank Wackernagel, Modellbauer mit Leib und Seele, macht auf seine Weise Dampf gegen das Bahnsterben in ländlichen Gebieten. Auf sein Betreiben hin verfügt der Markkleeberger Ortsteil Auenhain seit wenigen Wochen über einen Gleisanschluss - und einen weiteren Existenzgründer.Mit zirka sechs Stundenkilometern schnaufen eine Diesellok V 180 131 und seit wenigen Tagen eine Rangierlok V 15 sowie eine Feldbahndampflok der Baureihe 99 hart an der Tagebaukante entlang. Die Modelle im Maßstab 1:8 sind die derzeitigen Besuchermagneten im entstehenden Modellbaupark an der Güldengossaer Straße.
"Vorsicht bei der Abfahrt!" hieß es erstmals am 1. Juni, und die Diesellok - Marke kompletter Eigenbau - mit den markanten Frontscheiben begab sich auf den 240 Meter langen Rundkurs, der zum Teil am Rande des Espenhainer Tagebaus entlang, durch den 48 Meter langen Kirschbergtunnel und über die Kirschbachtalbrücke führt. Die 15 Teilnehmer der Jungfernfahrt genossen von den rollenden Sitzbänken aus - auf einem der Wagen lässt sich sogar ein Mitreisender im Rollstuhl befördern - den Ausblick auf den sich stetig füllenden Markkleeberger See und die beiden letzten Großgeräte im Sanierungstagebau Espenhain. Dieses Erlebnis für einen Euro pro Doppelrunde (zwei Euro am Wochenende) gönnten sich mittlerweile hunderte Großgartenbahnfreunde aus nah und fern.
Den Blick in die Ferne lässt auch Modellbaupark-Chef Wackernagel gern schweifen - konkret 300 Meter weit. Denn bis Ende August möchte er den Rundkurs um diese Streckenlänge erweitern. Derzeit baut er gemeinsam mit seinen zwei Mitarbeitern einen zusätzlichen Schienenstrang in die 184-Millimeter-Gleisanlage ein, damit auch Gartenbahnfahrzeuge mit einer Spurweite von 127 Millimetern auf große Fahrt gehen können. "Diese Besonderheit ist in deutschen Gartenbahnanlagen kaum ein zweites Mal anzutreffen, eher noch in der Schweiz und in England", berichtet Frank Wackernagel. Ein Stück Originalspur wird im August auf dem vormaligen Bergbauareal unweit vom Aussichtspunkt Silberschacht verlegt - Endstation zweier Reichsbahnwagen, die zur Zeit in Espenhain aufpoliert werden, in denen künftig fürs leibliche Wohl der Modellbaupark-Besucher gesorgt und Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste auswärtiger Gartenbahnvereine geschaffen werden sollen. Über weitere Vorhaben geben Infotafeln am Rundweg Auskunft. Auf dem Kischbergtunnel - den Namen verdankt er dem altehrwürdigen Obstgehölz in unmittelbarer Nachbarschaft - soll demnächst eine maßstabsgetreue Kopie einer romantischen Burgruine bei Meißen entstehen. Für das künftige Stationsgebäude - eine Kopie des Liebertwolkwitzer Bahnhofs - wurde bereits das Fundament gelegt. Eine Drehscheibe mit Ringlochschuppen sowie eine Wasserbefüllanlage sollen das Bahnhofsareal einmal komplettieren.
Der Ausbau des Modellbauparks verläuft unterdessen mehrgleisig. Das Areal bleibt nicht nur personenbefördernden Schienenfahrzeugen vorbehalten, denn auch Modell-Trucks sollen hier eine Heimstatt finden. Ein spezieller Parcours wird gegenwärtig angelegt. Diese Mischung sichert der jüngsten Auenhainer Attraktion eine Sonderstellung in der Modellbaulandschaft Deutschland. Und fast so hoch wie die Rauchwolken aus dem Schlot der 99er Dampflok fliegen die Träume Frank Wackernagels, denkt er an die Tagebaukante: Die 20 Meter hohe Böschung ins Parkkonzept einzubinden - das wär's. Mit zwei Prozent Gefälle gen "Talsohle", vorbei am herabstürzenden Kirschbach, und Station an einem künstlichen See, auf dem spannende Wettfahrten mit Modellschiffen ausgetragen werden - ein Traum, für den es aber wohl erst 2004 oder gar erst 2005 grünes Licht geben wird. Frank Wackernagel jedenfalls ist optimistisch. Immerhin hat er schon einen Berg versetzt (zudem untertunnelt!) und den Auenhainern zum Bahnanschluss verholfen.
Heiko Betat, 13. August 2003
Der Modellbaupark Auenhain ist am einfachsten von Probstheida über Chemnitzer Straße und Bornaer Chaussee zu erreichen. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 13 bis 18 Uhr, Freitag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr


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